Atomare, biologische und chemische (ABC) Kampf- und Gefahrstoffe stellen eine latente Bedrohung für die Sicherheit und Einsatzfähigkeit der Streitkräfte dar.
Neben staatlich kontrollierten Massenvernichtungswaffen und asymmetrischen Bedrohungen durch terroristische Kräfte sowie Organisierte Kriminalität sind auch industrielle Gefahrenpotenziale (Dual-Use- Problematik) in Verbindung mit urbanen kritischen Infrastrukturen bzw. Krankheitserregern und Epidemien zu betrachten. Um diesem Bedrohungspotenzial entsprechend entgegenzuwirken, ist es für die Streitkräfte erforderlich, Schutzmaßnahmen zu planen und Soldatinnen und Soldaten zu deren Durchführung zu befähigen.
Schwerpunkt: Landes- und Bündnisverteidigung
Die Bundeswehr der Zeitenwende legt den Schwerpunkt erneut auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Hierfür erforderliche Fähigkeiten müssen deshalb sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgebaut und in Teilen neu entwickelt werden. Das Ziel ist, den jeweiligen Auftrag auch unter ABC-Bedrohungen oder -Bedingungen zuverlässig zu erfüllen. Neben dem ABC-Individualschutz und der ABC-Aufklärung ist die Dekontamination ein zentraler Bestandteil im System ABC-Abwehr. Dekontamination bedeutet im militärischen Kontext die Entfernung oder zumindest signifikante Reduzierung von Kontaminationen von Personen, Gerät, Material, Ausrüstung oder Infrastruktur. Ziel ist die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft aller Kräfte. Dabei ist nicht nur die operative Dimension Land zu berücksichtigen.
Projekte zur ABC-Abwehr: Dekontaminationsausstattung Landsysteme
Mit dem Projekt „Dekontaminationsausstattung Landsysteme“ erhalten die jeweiligen Besatzungen aller wesentlichen Mobilitätsträger zu Lande die Befähigung, eine operationelle Dekontamination selbst durchzuführen. Die operationelle Dekontamination umfasst das Unschädlichmachen bzw. Entfernen von Kontamination an bedienwichtigen Flächen von Landsystemen, Fahrzeugen und Geräten, die zur Auftragsdurchführung z. B. beim Betanken oder Aufmunitionieren unter ABC-Bedingungen berührt werden müssen. Das Kontaktrisiko sowie das Risiko einer Kontaminationsverschleppung, also die weitere Verbreitung einer vorhandenen Kontamination, werden hierdurch minimiert.
Maßgebliche Forderungen an das System sind die Handhabbarkeit durch jede Soldatin/jeden Soldaten auch unter angelegter ABC-Schutzausrüstung sowie das gefährdungsfreie Ausbringen von Dekontaminationsmittel. Weiterhin muss das sichere Mitführen an bzw. in allen Fahrzeugen und Plattformen der Bundeswehr möglich sein. Dies schließt auch den Lufttransport in Kabinen ohne Druckausgleich ein. Eine besondere Herausforderung an das Material stellt die äußert umfangreiche Anzahl an auszustattenden Fahrzeugvarianten dar. Denn aufgrund des teilweise nur geringen zur Verfügung stehenden Stauraumes in den verschiedenen Systemen/Fahrzeugen ist eine Unterbringung im Innenraum nicht immer möglich.
In Einsätzen hat das System der ABC-Abwehr der Bundeswehr die Aufgabe, die Streitkräfte im Einsatz zu befähigen, Operationen unter ABC-Bedrohung und ABC-Bedingungen durchzuführen. Dabei verfolgt die ABC-Abwehr zwei grundsätzliche Zielsetzungen: den Schutz und das Sicherstellen der Überlebensfähigkeit eigener Kräfte und die Stärkung eigener Fähigkeiten im Einsatz. Die Verbesserung der Fähigkeit zur gründlichen Dekontamination wird durch eine bessere Qualität der eingesetzten Verfahren erreicht.

