Readiness – der Wille entscheidet!

Generalleutnant Andreas Marlow ist Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur Militärische Grundorganisation sowie seit November 2022 Commander Special Training Command (ST-C) der European Military Assistance Mission in Support of Ukraine (EUMAM). (Foto © BW)
Generalleutnant Andreas Marlow ist Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur Militärische Grundorganisation sowie seit November 2022 Commander Special Training Command (ST-C) der European Military Assistance Mission in Support of Ukraine (EUMAM). (Foto © BW)

Von Generalleutnant Andreas Marlow

Durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben sich neue sicherheitspolitische Realitäten ergeben, deren Auswirkungen das Gesicht des Deutschen Heeres absehbar prägen werden. Da der Mensch im Heer im Mittelpunkt steht, wird dies jeden ganz individuell betreffen. Kräfteplanerische Schwerpunktjahre und das Denken im Kontingentrotationssystem der Auslandseinsätze gehören der Vergangenheit an. Das vielfach verbreitete Narrativ, dass sich die Kriegsgefahr über Jahrzehnte hinweg abzeichnet, hat sich als Illusion erwiesen. Bis unmittelbar vor Angriffsbeginn waren in Gesellschaft, Politik und Militär mehrheitlich jene Stimmen zu vernehmen, die einen Krieg an Europas Grenzen für unwahrscheinlich erklärten. Dementsprechend war die Frage nach der ständigen Einsatzbereitschaft des Heeres für die Kernaufgabe Landes- und Bündnisverteidigung im öffentlichen Raum nahezu irrelevant und dessen Bedeutung wenig greifbar.

Heute ist die Frage nach der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte eines der zentralen Themen unserer Gesellschaft. So stellte der Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius in seinem ersten Statement nach Amtsübernahme fest, dass Abschreckung, Wirksamkeit und Einsatzfähigkeit wieder bestimmend sind. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Bundeswehr und damit insbesondere auch das Heer muss wieder kriegstüchtig werden. Ein kriegstüchtiges Heer jedoch ruht auf drei Säulen: Material, Strukturen und Personal. Das Verhältnis dieser drei Säulen zueinander bestimmt die Statik unseres Heeres. Verändert man eine, müssen die anderen ebenfalls angepasst werden, oder das ganze Konstrukt wird instabil.

Die ersten wichtigen Beschaffungsvorhaben aus dem Sondervermögen sind auf den Weg gebracht worden und die Umsetzung des Zielbildes Einsatzkräfte Heer hat begonnen und wird in der ersten Jahreshälfte 2023 durch Unterstellungswechsel von Brigaden und Verbänden sichtbar. Aber ohne die Menschen, die dieses Material zum Einsatz bringen und deren Zusammenwirken durch die Anpassung der Organisation effektiver gestaltet werden muss, werden alle getroffenen Maßnahmen ins Leere laufen. Das Heer muss sich auch personell auf die neuen Realitäten einstellen. Das betrifft nicht nur die Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel oder den Wettbewerb um die besten und klügsten Köpfe.

Hierfür sind wir mit mannigfaltigen Handlungsfeldern konfrontiert, wie zum Beispiel der Verjüngung der Personalstruktur oder dem zahlenmäßigen Aufwuchs. Mindestens ebenso wichtig ist es, die individuelle Einsatzbereitschaft derer weiter zu steigern, die bereits heute treu und verlässlich ihren Dienst im Heer leisten. Diese Readiness – die Befähigung, ohne zusätzliche Vorbereitung im Krieg zu bestehen – spiegelt sich nach meiner Ansicht an drei Kategorien wider: Geist, Können und Haltung.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe!

 

 

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