Der Iran und die Straße von Hormus: Ein amphibisches Problem

Die Straße von Hormus in einer Satellitenaufnahme aus dem Jahr 2018: links der Persische Golf, rechts der Golf von Oman, oben die iranische Küste mit den vorgelagerten Inseln.
Die Straße von Hormus in einer Satellitenaufnahme aus dem Jahr 2018: links der Persische Golf, rechts der Golf von Oman, oben die iranische Küste mit den vorgelagerten Inseln. (Foto: NASA)

In der dritten Woche der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran konzentriert sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Der Iran hat erklärt, dass die Meerenge, durch die normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Erdölexporte laufen, für Schiffe seiner Gegner und deren Verbündeten gesperrt sei. Aufgrund der von mehreren Angriffen auf die Schifffahrt untermauerten Drohungen stiegen die Versicherungsraten und damit die Transportkosten in eine Höhe, die den internationalen Transit weitgehend zum Erliegen brachte.

Nicht betroffen sind Ölexporte für mit dem Iran verbündete oder neutrale Staaten wie China und Indien. Nach einigen Meldungen sind die iranischen Ausfuhren, insbesondere über die Ölverladeinsel Kharg im Norden des Persischen Golfs, gegenüber der Vorkriegszeit sogar gestiegen. Dies bedeutet auch Einnahmen für die Führung in Teheran und insbesondere die iranischen Revolutionsgarden, die ihr eigenes Wirtschaftsimperium betreiben. Zumal die internationalen Ölpreise für ein Barrel (159 Liter) der Standardmarke Brent am heutigen Montag von rund 60 US-Dollar zu Jahresbeginn weiter auf um die 105 Dollar gestiegen sind.

Druck auf die amerikanische Regierung

Auch andere wichtige Exportgüter wie Düngemittel sind betroffen, was negative Folgen für die globale Wirtschaft haben könnte. Dies setzt insbesondere die amerikanische Regierung von Präsident Donald Trump unter Druck, die Straße von Hormus zu öffnen. Von Trump früh angekündigte Begleiteinsätze der U.S. Navy für die internationale Schifffahrt werden nach kürzlichen Berichten aber noch mindestens zwei Wochen auf sich warten lassen. Am heutigen Montag wurden zwei von drei amerikanischen Littoral Combat Ships, die kürzlich die bisher in Bahrain stationierten vier Minenjagdboote der Navy abgelöst hatten, sogar im malaysischen Hafen Penang festgestellt.

Ein MV-22 Osprey Kipprotorflugzeug des U.S. Marine Corps über dem Amphibienträger USS Tripoli, der aktuell für einen möglichen Einsatz im Irankrieg Richtung Naher Osten verlegt.
Ein MV-22 Osprey Kipprotorflugzeug des U.S. Marine Corps über dem Amphibienträger USS Tripoli, der aktuell für einen möglichen Einsatz im Irankrieg Richtung Naher Osten verlegt. (Foto: U.S. Navy/Peter Burghart)

Möglicherweise sollen sie zur Expeditionary Strike Group (ESG) um den Amphibienträger USS Tripoli mit der 31st Marine Expeditionary Unit (MEU) des U.S. Marine Corps (USMC) stoßen, deren Verlegung aus der Pazifikregion in den Nahen Osten am Wochenende gemeldet wurde. Dies wird ebenfalls rund zwei Wochen dauern, woraus sich die Möglichkeit ergibt, dass die Schiffe und Marines der ESG die Voraussetzungen für Konvoi-Operationen schaffen sollen. Obwohl die Tripolis mit senkrechtstartfähigen Kampfflugzeugen F-35B des USMC auch die Luftangriffe gegen den Iran unterstützen könnte, wären dazu voraussichtlich auch amphibische Operationen entlang der Straße von Hormus erforderlich.

Die Straße von Hormus

Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman ist etwa 170 Kilometer lang und zwischen den Küsten 55 bis 100 Kilometer, zwischen den Inseln Larak auf iranischer und Great Quoin auf omanischer Seite sogar weniger als 40 Kilometer breit. Die Gewässer sind zudem flach, so dass Öltanker und andere Schiffe mit großem Tiefgang auf zwei Einbahn-Fahrrinnen in der Mitte der Straße beschränkt sind. Die nördliche der beiden je zwei Seemeilen (3,7 Kilometer) Rinnen dient dabei dem einfahrenden, die südliche dem ausfahrenden Verkehr, an der engsten Stelle getrennt von einem ebenfalls zwei Seemeilen breiten „Mittelstreifen“.

Entlang der iranischen Seite der Straße gibt es zahlreiche weitere Inseln, darunter als größte Queshm sowie die für die Meerenge namensgebende Insel Hormus, Forur und Sirri. Unmittelbar von den Fahrrinnen passiert werden auch die zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran umstrittenen, aber von letzterem besetzten Inseln Abu Musa, Kubra und Sughra. Zusammen mit der schroffen iranischen Festlandküste bieten sie Stützpunkte und Verstecke für Artillerie, Lenkwaffen, Luft- und Seedrohnen sowie kleine und schnelle Boote, die den Schiffsverkehr angreifen oder Minen in der Straße legen können.

Landung auf der Halbinsel al-Faw 2003

Eine Besetzung dieser Inseln würde dem Iran diese Nutzung verwehren und den USA zugleich ihrerseits Abwehrmöglichkeiten gegen Angriffe vom Festland im Norden geben. Allerdings bliebe damit immer noch das Problem der rund 160 Kilometer langen iranischen Küste im Osten Richtung Golf von Oman. Im Gegensatz zu den wasserumschlossenen und relativ übersichtlichen Inseln würde eine Besetzung des gebirgigen Festlandgeländes weitaus größere Kräfte mit einem unklaren Perimeter erfordern. Militärisch und politisch wäre dies nochmals erheblich riskanter als die Einnahme der Inseln, die als begrenzte und „nicht wirklich echte“ Bodenoperation dargestellt werden könnte.

ritische Royal Marines an Deck des Flugzeugträgers HMS Royal Ark vor der Luftlandung auf der irakischen Halbinsel al-Faw mit Hubschraubern Sea King während des Irakkrieges 2003.
ritische Royal Marines an Deck des Flugzeugträgers HMS Royal Ark vor der Luftlandung auf der irakischen Halbinsel al-Faw mit Hubschraubern Sea King während des Irakkrieges 2003. (Foto: UK MoD/Dave Coombs)

Allerdings wären auch die Inseln während und nach einer Landung gegnerischer Einwirkung von der Küste ausgesetzt. Die Einnahme mit amphibischen Kräften und/oder aus der Luft wäre also keinesfalls ungefährlich. Die letzte größere triphibische Operation westlicher Streitkräfte dieser Art ist bereits über 20 Jahre her und fand 2003 während des Irakkrieges ebenfalls am Persischen Golf gegen die Halbinsel al-Faw statt. Damals landeten 3.500 Mann der 3 Commando Brigade der britischen Royal Marines, der 15th MEU des USMC, U.S. Navy SEALs und der polnischen Spezialeinheit GROM hauptsächlich per Hubschrauber und sicherten innerhalb von fünf Tagen die Halbinsel mit dem Tiefwasserhafen Umm Qasr.

Auch für US-Streitkräfte Neuland

Bei der Operation gegen mindestens 1.000 irakische Soldaten und Paramilitärs kamen 15 Briten und vier Amerikaner ums Leben, ein Großteil davon beim Absturz eines Transporthubschraubers CH-46 des USMC während der anfänglichen Landungen bei Nacht und schlechter Sicht. Für einen Einsatz gleicher Größenordnung wären neben der nun verlegten 31st MEU weitere Kräfte erforderlich, außer Spezialeinheiten möglicherweise Fallschirmjäger der 82nd Airborne Division. Entsprechende Spekulationen gab es bereits kurz nach Kriegsbeginn, als eine Übung von Führungselementen der Division abgesagt wurde.

Unter den Bedingungen neuester Entwicklung der Kriegführung wie dem starken Einsatz von Kampfdrohnen wäre dies allerdings auch für die US-Streitkräfte Neuland. Schon die bisherigen Drohnenangriffe auf militärische Ziele und Ölexport-Infrastruktur in den arabischen Golfstaaten haben sich als Herausforderung erwiesen. Innenpolitisch bleiben Bodeneinsätze jeder Art für Präsident Trump, der mit dem Wahlkampfversprechen einer Beendigung von militärischen Abenteuern und „endlosen Kriegen“ wie in Afghanistan und dem Irak angetreten ist, ein Risiko – die Auswirkungen steigender Ölpreise auf die US-Wirtschaft vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November jedoch auch.

Stefan Axel Boes

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