Modellbildung & Simulation, Wargaming und Territorial Hub im modernen
Entscheidungsprozess der Bundeswehr
Daten. Denken. Entscheiden. Das Planungsamt der Bundeswehr entwickelt neue Werkzeuge, um die wachsende Komplexität sicherheitspolitischer und militärischer Lagen beherrschbar zu machen.
Die Modellbildung & Simulation ermöglicht es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Entscheidungsoptionen systematisch zu bewerten. Mittels Wargaming werden diese Verfahren durch die strukturierte Analyse menschlichen Handelns ergänzt. Alternative Handlungswege werden so sichtbar und mentale Modelle überprüfbar. Zugleich entsteht mit dem Territorial Hub ein ressortübergreifender Knotenpunkt, der Datenströme bündelt und ein gemeinsames gesamtstaatliches Lagebild der Krisenorganisationen unterstützt. Zusammen stärken diese Werkzeuge eine moderne, agile und vorausschauende Entscheidungsfähigkeit.
Modellbildung & Simulation in der Bundeswehr
Ein aktuelles Projekt des Planungsamts der Bundeswehr (PlgABw) zur Überprüfung logistischer Planungen im Rahmen des Operationsplans Deutschland (OPLAN DEU) demonstriert eindrucksvoll den Nutzen von Modellbildung & Simulation (M&S) in der militärischen Planung. Angesichts der geostrategischen Lage Deutschlands als logistische Drehscheibe der NATO in der Mitte Europas ergibt sich eine besondere bündnispolitische Verpflichtung: Im Krisenfall müssen bis zu 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Fahrzeuge innerhalb von sechs Monaten durch Deutschland verlegt und im Rahmen des Host Nation Support versorgt werden.
Eine solche Dimension lässt sich aus praktischen Gründen nicht in Gänze physisch üben. Hier kommt die Methode M&S zum Einsatz, um Planungsannahmen zu validieren, Engpässe frühzeitig zu erkennen und alternative Handlungsoptionen zu bewerten. Dabei ist es relativ einfach möglich, verschiedene Optionen des Handels miteinander zu vergleichen, beispielsweise unterschiedliche Marschgeschwindigkeiten oder alternative Routen, und Kennzahlen zu ermitteln, wie das benötigte Kraftstoffvolumen, die benötigte Verpflegung oder ein Fehl an wichtiger Infrastruktur. Weiterhin können Engpässe bzw. kritische Punkte ermittelt werden.
In diesem Fall wurde aufgrund der Dringlichkeit in enger Kooperation zwischen dem Planungsamt der Bundeswehr und der Universität der Bundeswehr München (UniBw M) innerhalb von nur sechs Monaten ein Demonstrator entwickelt, mit dem erste grobe Analysen möglich sind. Dank der bundeswehrinternen Zusammenarbeit konnte das Projekt kostenneutral und somit ohne Haushaltsmittel realisiert werden. „All models are wrong, but some are useful.“ Dieses Zitat des britischen Statistikers George E. P. Box trifft den Kern der Modellbildung & Simulation präzise: Kein Modell kann die gesamte Komplexität der Realität abbilden, doch gerade weil ein Modell die Realität gezielt vereinfacht und somit simulierbar macht, wird es zu einem mächtigen Instrument für Analyse, Planung und Entscheidungsfindung. Ein Modell ist dabei so einfach wie möglich, so komplex wie nötig zu erstellen. Im Rahmen der anschließenden Simulation wird das Verhalten dieses Modells unter variierenden Bedingungen nachgebildet und je nach Bedarf und Fragestellung kontinuierlich angepasst. Schon bei der Erstellung und den ersten Simulationsläufen können meist wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Neben logistischen Simulationen ist auch die Simulation ganzer Gefechtsszenarien möglich, wodurch sich neue Waffensysteme, Taktiken oder Kampfführungsverfahren virtuell erproben lassen, bevor sie in Regelungen, die Ausbildung oder Beschaffung übergehen. Alles in allem bleibt das Ziel gleich: bessere Entscheidungen treffen im Frieden wie im Einsatz. Denn in einem Gefecht zählt nicht nur die Stärke der Waffen, sondern auch die Qualität der Planung. Und hier leistet die Methode M&S einen entscheidenden Beitrag.
