KNDS erweitert sein Drohnenabwehrsystem TARGAS DSP10 um eine autonome Abfangdrohne. Gemeinsam mit AERIX SYSTEMS soll die AXS-μ1 zur Serienreife entwickelt und in das System integriert werden. Damit kombiniert TARGAS künftig elektronische Gegenmaßnahmen mit der Möglichkeit, angreifende Drohnen durch einen direkten Treffer physisch zu zerstören. Die Produktion der Abfangdrohne soll 2027 beginnen.
Die beiden Unternehmen haben dazu eine strategische Kooperation zur Weiterentwicklung und Industrialisierung der AXS-μ1 vereinbart. KNDS wird AERIX SYSTEMS dabei während der weiteren Reifung des Systems unterstützen, so die Angaben aus dem Unternehmen. Die Abfangdrohne soll dann Bestandteil von TARGAS DSP10 werden. Dieses wiederum gehört zum größeren TARGAS-Ökosystem – die Abkürzung steht für „Tactical Advanced Response for Ground, Air and Surface threats“ – mit dem KNDS unterschiedliche Fähigkeiten zur Drohnenabwehr zusammenführt.
DSP10 ist insbesondere für den Schutz von Landstreitkräften vorgesehen. Das System soll kurzfristig verlegbar sein und sich auf militärische Fahrzeuge integrieren lassen, um einen skalierbaren Nahbereichsschutz gegen Drohnen zu ermöglichen.
TARGAS: Stören oder physisch zerstören
Interessant ist vor allem die Kombination zweier unterschiedlicher Wirkprinzipien. Für die elektronische Bekämpfung integriert TARGAS DSP10 das von Nuances Technologies entwickelte Raptor 2. Es soll bestimmte Drohnen durch elektronische Gegenmaßnahmen bekämpfen.
Kann oder soll eine Bedrohung nicht auf diesem Weg neutralisiert werden, kommt mit der AXS-μ1 künftig eine zweite Möglichkeit hinzu. Die von AERIX SYSTEMS entwickelte Abfangdrohne ist für die physische Bekämpfung von Luftzielen ausgelegt. Dazu soll sie ihr Ziel autonom anfliegen und durch direkten Aufprall zerstören. AERIX setzt damit auf das Hit-to-kill-Prinzip. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Abwehr von FPV-Drohnen. Diese sollen durch die zusätzliche kinetische Komponente auch dann physisch bekämpft werden können, wenn elektronische Gegenmaßnahmen allein nicht die passende Antwort auf die jeweilige Bedrohung darstellen.
Damit erhält TARGAS DSP10 zwei grundsätzlich unterschiedliche Möglichkeiten zur Neutralisierung eines anfliegenden Systems: Jamming oder Interception.
Serienproduktion der Abfangdrohne ab 2027 geplant
Bis die AXS-μ1 Bestandteil des Systems werden kann, steht allerdings noch Entwicklungsarbeit an. Im Rahmen der jetzt geschlossenen Vereinbarung soll KNDS die Abfangdrohne durch ihre weitere Reifungsphase begleiten. Die industrielle Fertigung ist nach Angaben der Unternehmen ab 2027 vorgesehen.
AERIX SYSTEMS bringt dafür seine Technologie im Bereich der fliegenden Robotik ein. KNDS wiederum übernimmt seine Fähigkeiten bei der Integration vollständiger Missionssysteme sowie seine industriellen Kapazitäten. Ziel ist eine souveräne und skalierbare Abfanglösung für Landstreitkräfte. Gleichzeitig erweitert die Integration der AXS-μ1 den Ansatz von TARGAS: Statt sich bei der Drohnenabwehr auf ein einziges Wirkprinzip zu verlassen, sollen je nach Bedrohung elektronische oder physische Gegenmaßnahmen eingesetzt werden können. Jamming oder Interception sind damit kein entweder oder mehr, sondern sich ergänzende Prinzipien im Bereich der Drohnenabwehr.
Autorin: Dorothee Frank, Chefredakteurin Online
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