Traktoren – flexible Kraftpakete auf der Baustelle und im Einsatz

Traktoren: In den letzten Jahren wurden verschiedene Fahrzeuge entwickelt und untersucht, hier bei der Ausbildungslehrübung 2010 in Ingolstadt. (Foto © LogKdoBw)
Traktoren: In den letzten Jahren wurden verschiedene Fahrzeuge entwickelt und untersucht, hier bei der Ausbildungslehrübung 2010 in Ingolstadt. (Foto © LogKdoBw)

Die qualifizierte Vorbereitung auf Landes- und Bündnisverteidigung bedeutet spezifische Forderungen an die Spezialpioniere: Stationärer und beweglicher Einsatz ihrer Kräfte unter allen Bedrohungen sowie die Bereitstellung von pioniertechnischen Leistungen (Bereitstellen von Trinkwasser, Trinkwasserbrunnen, Unterkünften und Betriebsstoffen) sind zwingend erforderlich.

Parallel notwendig ist die flexible Bereitstellung von stationärer Unterbringung im Einsatz durch die Feldlagerbetriebskräfte. Durch den überwiegend beweglichen Einsatz der Streitkräfte wird ein hoher Energiebedarf und damit Betriebsstoffverbrauch generiert. Eine flexible Bereitstellung von Betriebsstoffen, insbesondere aus Tanklagern der Spezialpioniere, gerät dadurch zunehmend in den Fokus. Jederzeit muss eine militärische Rückfallposition bei Ausfall gewerblicher Dienstleister mitbetrachtet werden.

Um diesen umfassenden Anforderungen genauer bautechnischer Aufgaben gerecht zu werden, bedarf es als Abholpunkt einer modernen Baustellen- und Flächenbewirtschaftung. Die Anforderungen an Effektivität, Vielseitigkeit und Effizienz der eingesetzten Maschinen sind hoch. In der Vergangenheit dominierten in der Erdbautechnik und auf Baustellen spezialisierte Baumaschinen wie

  • Radlader,
  • Hydraulikbagger,
  • Tandemwalzen und
  • Planierraupen.

Heute setzt sich ein alternativer Ansatz durch: die Nutzung von Traktoren als multifunktionale Maschine oder im militärischen Kontext von Universalpioniermaschinen. Durch die Verwendung spezialisierter Anbaugeräte wie Frontlader, Heckbagger, Gabelzinken, Plattenverdichter und Lasthaken an einer Universalpioniermaschine können eine Vielzahl erdbaulicher und transporttechnischer Aufgaben nahezu unabhängig von der Größenordnung der Baustelle oder Einsatzstelle übernommen werden, die vorher nur spezialisierte Erdbaumaschinen bewältigen konnten. Darüber hinaus können Traktoren als leistungsfähige Zugmaschine für Mulden- und Tiefbettanhänger dienen, da sie neben ihrer hohen Zugkraft auch Marschgeschwindigkeiten von knapp über 60 km/h erreichen.

Bisherige Einsatzzwecke

Aufgrund von militärischen Aufgabenstellungen und Erfordernissen wurden schon seit dem 19. Jahrhundert Traktoren als Zug- und Schleppfahrzeuge zum Beispiel im Bereich der Heeresartillerie genutzt. Im Rahmen der Entwicklung von militärischem Großgerät wurden Traktoren in weiten Teilen durch Spezialgerät verdrängt. In der Bundeswehr wurden in den zurückliegenden Jahren Traktoren im Schwerpunkt zur Geländebetreuung der Wehrverwaltung oder als geschützte Variante zur Geländebetreuung von kampfmittelbelasteten Flächen, als Umschlaggerät oder bei der Unterhaltung von militärischer Infrastruktur verwendet.

Ihre robuste Bauweise und flexible Ausstattung machen sie zu zuverlässigen Erdarbeitsmaschinen im Einsatz. So beispielsweise als Baggerlader in geschützter Version in den US-amerikanischen oder britischen Streitkräften. Außerhalb des militärischen Bereiches haben sich Traktoren zu einem absoluten Allroundtalent entwickelt, indem sie als universell einsetzbare Maschine zunehmend Anwendung in der Bau- und Flächenwirtschaft fanden. Im Tief- und Straßenbau übernehmen Traktoren eine Vielzahl an Aufgaben, da sie insbesondere bei kleinen bis mittelgroßen Baustellen eine wirtschaftliche Lösung bieten. Städtische Bauhöfe und kommunale Dienstleister setzen Traktoren verschiedenster Leistungsklassen vielseitig ein: im Wegebau, bei der Pflege von Grünflächen, im Winterdienst oder beim Aufstellen von Absperrungen und mobilen Einrichtungen. Auch bei landwirtschaftlich geprägten Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau von Wirtschaftswegen oder Entwässerungsgräben zeigt sich der Vorteil des Traktors als Erdarbeitsmaschine.

In der Forstwirtschaft kommen robuste Traktoren mit Seilwinden oder Räumschildern zum Einsatz, um Wege zu befestigen, Holz zu transportieren oder Gassen freizumachen. Auch in schwer zugänglichem Gelände überzeugen sie durch ihre Geländegängigkeit und den niedrigen Bodendruck im Vergleich zu schweren Baumaschinen oder Transportfahrzeugen, die vor ihrem Einsatz oftmals eine Verbesserung des Untergrundes benötigen.

Vergleich Universalpioniermaschine – spezialisierte Baumaschinen

Erdarbeitsmaschinen sind oft primär auf einzelne Arbeitsschritte wie zum Beispiel Grabungen oder Materialumschlag ausgerichtet und bezogen auf spezialisierte Fahrzeuge im militärischen Bereich eine absolute Hochwertressource. Ein Traktor hingegen, der beispielsweise mit einem Frontlader oder Heckbagger ausgestattet ist, kann nicht jede Aufgabe vollumfänglich übernehmen. Dennoch wird der wesentliche Anteil des Auftrags mit einem geringen Betriebsaufwand erfüllt.

Diese Wandlungsfähigkeit prädestiniert insbesondere für einen Einsatz auf begrenztem Raum, aber auch, wenn die Einsatzstellen mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen oder keine permanente Verlegung von teurer Spezialtechnik möglich ist. Mit einem angebauten Frontlader wird der Traktor zur leistungsfähigen Lade- und Hebemaschine für Schüttgüter wie Sand, Kies, Erde oder große Steine. In einer solchen Konfiguration agiert die Universalpioniermaschine als wahrer Enabler, indem sie den Weg- und Erdbau bis hin zum Betrieb an einem Umschlagpunkt ermöglicht.

Durch Gabelzinken am Frontlader oder an der Dreipunktaufnahme wird ein Traktor zum effektiven Umschlaggerät: Palettierte Güter lassen sich so schnell und sicher bewegen. Die hohe Hubkraft moderner Traktoren ermöglicht zudem den Umgang mit schweren Lasten, etwa Baustoffpaletten oder großen Bauteilen. Moderne Frontlader an Traktoren verfügen zudem über eine Parallelführung, die das Ladegut während des Hebevorgangs automatisch waagerecht hält, was einen Vorteil gegenüber herkömmlichen Frontladern älterer Bauart oder einfachen Radladern darstellt. Während wiederum klassische Stapler oft für Vorfeldoder Halleneinsätze gebaut und damit auf befestigte Flächen angewiesen sind, kann ein Traktor selbst im unwegsamen Gelände zuverlässig arbeiten.

Mit einem am Frontlader oder am Kranarm befestigten Lasthaken wird ein Traktor zur mobilen Kranlösung:

  • Rohre,
  • Fertigteile,
  • Maschinenteile oder
  • große Betonelemente

können einfach aufgenommen und zielgerichtet umgesetzt werden. Ein Traktor ist damit die kompakte, flexible und kostengünstige Alternative für mittlere Hebearbeiten.

In der Konfiguration mit angebautem Heckbagger wird der Traktor zum nahezu vollwertigen Bagger für kleinere bis mittlere Aushubarbeiten. Besonders bei Grabungsarbeiten für Leitungen und Fundamente spielt der Heckbagger seine Stärken aus. Im Zuge der Renaissance des Graben- und Stellungskampfs besteht je nach Einsatzort ein hoher Bedarf an Erdbaufähigkeiten, den ein Traktor in dieser Konfiguration erfolgreich erfüllen kann.

Von Logistikkommando der Bundeswehr, Abteilung Planung

Den kompletten Beitrag lesen Sie in Ausgabe 4/25 des HHK!

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