Unbemannte Systeme in der Seekriegführung

Das autonome MCM-System der französischen und britischen Marine. (Foto © UK-Defence)
Das autonome MCM-System der französischen und britischen Marine. (Foto © UK-Defence)

Nutzung – Einsatz – Fähigkeiten

Zu unbemannten Systemen für den Seekrieg zählen konkret Überwasserdrohnen (Unmanned Surface Vehicle, USV), Unterwasserdrohnen (Unmanned Underwater Vehicle, UUV) und Luftdrohnen (Unmanned Aerial Vehicle, UAV). Die Weiterentwicklung dieser Systeme zu voll autonom operierenden Systemen in der Seekriegführung schreitet vor allem in USA, China und Russland rasant voran.

Weiterentwicklung von unbemannten Systemen sind die USA beziehungsweise die U.S. Navy, die diese Systeme in vielfältigen Varianten schon in ihre Flotte integriert hat. So hat die U.S. Navy ihr erstes großes Flottenmanöver „Unmanned Integrated Battle Problem“ bereits 2021 mit USVs der Typen Sea Hawk und Sea Hunter und den UAVs der Typen MQ-9B Sea Guardian, MQ-4C Triton und MQ-8 Fire Scout im Zusammenwirken mit bemannten Schiffen durchgeführt.

Dabei wurden die USVs und UAVs unter anderem zur weiträumigen Aufklärung und zur Übermittlung von Zieldaten eingesetzt, damit die bemannten Flotteneinheiten die Ziele mit Flugkörpern bekämpfen konnten. Hintergrund des Manövers bildete das Einsatzkonzept „Unmanned Campaign Plan“ der U.S. Navy, das auf eine Seekriegführung mit unbemannten und bemannten Systemen zielte. Inzwischen ist der Einsatz insbesondere von unbemannten Überwasserdrohnen in der US-Flotte zur Routine geworden. 2022 wurde ein USV-Geschwader, die Unmanned Surface Vessel Division One (USVDIV One), mit vier Einheiten (Medium und Large USVs) in Dienst gestellt. Das Geschwader operierte 2023 mit den USVs Sea Hunter, Sea Hawk, Mariner und Ranger über 50 Tage überwiegend autonom im Pazifik.

Sea Hunter und Sea Hawk sind USVs, die speziell für die U-Jagd konzipiert wurden. Sea Hunter, auch als ACTUV (Anti-Submarine Warfare Continuous Trail Unmanned Vessel) bezeichnet, ist ein 132 Meter langer Trimaran mit 140 Tonnen Verdrängung, Geschwindigkeit: 27 Knoten, Einsatzdauer: 60 bis 90 Tage. Die Ausrüstung besteht aus umfangreichen Sonarsystemen (aktiv/passiv). Ranger dient der US-Flotte als schwimmendes Waffenarsenal und besitzt ein großes Ladedeck für Missionscontainer, die der U-Jagd, Minenjagd, Überwasserkampf oder der Elektronischen Kriegführung (EW) dienen. Zudem verfügt Ranger über vier Startsysteme für den Flugkörper SM-6 und hat diesen auch schon in See erfolgreich abgefeuert. Die U.S. Navy will ein zweites USV-Geschwader, das heißt, eine Unmanned Surface Division Two für die Pazifikflotte aufstellen. Der Befehlshaber der US-Pazifikflotte, Admiral Samuel Paparo, begründet USV-Einsätze unter anderem damit, das Leben von Soldaten nicht unnötig zu riskieren, wenn in höchst bedrohten Seeräumen operiert wird. Denn dort könnten USVs ihre Einsätze ohne Gefährdung von Menschenleben besser, schneller und billiger durchführen als bemannte. Schiffe.

USV-, UUV- und UAV-Drohnen

Die USV-Vielfalt zeigt sich auch beim Einsatz von Drohnen vom Typ Saildrone Explorer. Dazu hat die 5. US-Flotte in Bahrain mit der Task Force 59 eine Flotte von bis zu 100 Saildrones aufgestellt, die den Persischen Golf, die Straße von Hormus und den Golf von Oman kontinuierlich überwachen. Die Drohnen sind unter anderem mit Kameras, Radarreflektoren, Identifizierungssystemen, Satellitenanbindung und einem mit Künstlicher Intelligenz (KI) unterstütztes Datenfusionssystem zur Datenübermittlung in Echtzeit ausgerüstet. Sie können mit Wind- und Solarenergie angetrieben über ein Jahr lang völlig autonom operieren. Auch die dänische Marine operiert bereits mit Saildrones zur Kontrolle und Überwachung der Schifffahrtsrouten und der kritischen Unterwasserinfrastruktur in Nord- und Ostsee.

Auf ihren Flugzeugträgern betreibt die U.S. Navy die Betankungsdrohne MQ-25 Stingray zur Luftbetankung der Kampfflugzeuge. Die UAV-Drohne wird gleichzeitig auch zu ISR-Missionen (Intelligence, Surveillance, Reconnaissance) genutzt. ISR-Missionen führt vor allem die UAV-Drohne MQ-9B SeaGuardian aus. Die ferngesteuerte Drohne mit einer Einsatzdauer von über 48 Stunden ist zudem mit Sonarbojen für U-Jagd-Einsätze (ASW) ausgestattet.

2025 hat die U.S. Navy fünf unbemannte Uboote (Extra- Large Unmanned Underwater Vehicle, XLUUV) vom Typ Orca eingeführt. Das 26 Meter lange und 80 Tonnen verdrängende XLUUV besitzt Lithium-Batterienund einen geräuschlosen dieselelektrischen Antrieb, Geschwindigkeit: drei bis acht Knoten, Reichweite: 10.500 Kilometer, Einsatzdauer: einige Monate. Die Nutzlast-Sektion (acht Tonnen) ist für unterschiedliche Missionsmodule ausgelegt: Minenlegen, Unterwasseraufklärung, Seeboden-Kartografierung und EW. Die XLUUVs sollen künftig auch Torpedos, Cruise-Missiles und Drohnen erhalten.

Unbemannte MCM-Systeme

Die U.S. Navy hat unbemannte Minenabwehrsysteme bereits eingeführt. Die autonom operierenden MCMFahrzeuge (Minenkampf-Toolbox) sind mit einem Influence Sweep Schleppsonar und einem Minenjagdsonar AN/AQS-20C ausgerüstet. Auch Frankreichs Marine und die Royal Navy streben eine drohnengestützte Minenjagd an. Beide Marinen haben ihr erstes autonomes MCM-System im Rahmen des britisch-französischen Marine-Kooperationsprogramms (OCCAR) bereits erhalten. Vier weitere Systeme für die Royal Navy und 16 für die französische Marine sollen ab 2028 folgen.

 

Von Dieter Stockfisch

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