Wechsel bei der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT)
Herr Kögel, nach langjähriger Erfahrung als Geschäftsführer der DWT-Studiengesellschaft – was nehmen Sie mit aus der Informationsvermittlung in Zeiten sicherheitspolitischer und wehrtechnischer Umbrüche?
Kögel: Was ich mitnehme, ist die Tatsache, dass wir es nur gemeinsam schaffen können. Das heißt, wir müssen miteinander in einem ehrlichen und offenen Dialog sein, wir müssen Sachen klar ansprechen, und wir müssen genau durch diese Klarheit Vertrauen erzeugen. Ich glaube, das gelingt immer dann am besten, wenn man miteinander redet, nicht übereinander redet. Und wenn man das Ganze nicht schriftlich verpackt, sondern einfach offen miteinander spricht.
Herr Hornik, als neuer Geschäftsführer – wo sehen Sie den Kurs, den die DWT einschlagen muss, um mit den politischen und technologischen Entwicklungen Schritt zu halten?
Hornik: Wir haben beim diesjährigen DWT-Marineworkshop die Vokabel Agilität gehört. Aber Agilität heißt, ich habe zunächst mal einen Kurs, von dem ich links, rechts, oben oder unten abweichen kann. Primäre Aufgabe für mich nach Übernahme der Geschäfte von Bernd Kögel ist, erstmal den Autopiloten laufen zu lassen. Denn so wie wir derzeit aufgestellt sind mit unserem Anspruch, halte ich das weiterhin für eine gute Sache. Wie Bernd Kögel gesagt hat: Wir bieten Kommunikationsplattformen, einen gewissen sicheren Raum für Informationen, die wertvoll sind für beide oder drei Seiten: die Wissenschaft, die Militärs und das, was in der Rüstung läuft. Das ist der wesentliche Mehrwert. Agilität sehe ich eher in der Frage der Feinsteuerung, auf welche Themen wir uns aufschalten. Und da müssen wir das Ohr an der Masse haben: Was sehen wir an Bedarf bei der Industrie, was sehen wir an Bedarf beim Militär, was kommt aus dem Bereich F&T.
Inwiefern übernehmen Sie da auch eine aktive Vermittlerrolle?
Hornik: Wir beide waren ewig lange bei den Streitkräften und es juckt einen immer, das, was wir an Erfahrungen haben, noch reinzubekommen. Aber im Endeffekt halte ich mich an den Spicker, den mir meine Tochter an den Spiegel geklebt hat: „Papa, du musst nicht jeden Tag die Welt retten.“ Wir bleiben dabei, dass wir die Kommunikationsplattform prima machen. Und dass durch unsere Expertise, das Moderieren, am Ende was Ordentliches rauskommt.
Kögel: Wir unterstützen gerne als kompetenter Kooperationspartner. Wir sind aber eine neutrale Plattform. Das heißt, wir nehmen weder die Position irgendeiner Industrie oder einer industriellen Richtung ein, noch fördern wir da irgendwas. Sondern wir versuchen zu verstehen, welchen Bedarf die Bundeswehr beziehungsweise das BMVg uns gegenüber artikuliert, um diesen bestmöglich in diesem Dreieck zu realisieren. Und das machen wir – versuchen es zumindest – so neutral wie möglich, um dieses offene Gespräch zu ermöglichen. Das ist sozusagen die DNA der DWT.
Herr Kögel, gerade ist die diesjährige DSEI, die größte Rüstungsmesse Europas, in London zu Ende gegangen. Sie übernehmen nun die Leitung der DSEI Germany, die ab 2027 in Hannover nach der DSEI Japan das dritte internationale Standbein der Veranstaltung wird. Was erwartet uns, und was wird anders sein als bei bisherigen wehrtechnischen Ausstellungen in Deutschland?
Kögel: Die DSEI Germany wird im Grunde genommen demselben Rational folgen wie die DWT. Sie wird nämlich versuchen, dem Verteidigungsministerium zu dienen, der Nation zu dienen, Europa zu dienen, der NATO zu dienen und allen befreundeten Staaten. Allen, die eine gemeinsame Linie gehen. Auch da ist Kommunikation das A und O.
Da glaube ich, dass wir eine im Inhalt selbstständige Messe aufstellen werden. Die sich dadurch auszeichnen wird, dass sie nicht nur eine vermutlich sehr große Messe – ich prognostiziere mal, früher oder später die größte in Deutschland, was Verteidigung und Sicherheit betrifft – darstellen wird, sondern dass sie mit Content belebt wird. Also das, was wir jetzt in meiner eigenen Tätigkeit als Geschäftsführer der DWT leben: dass wir tatsächlich Inhalte platzieren wollen. Nicht nur Systeme von Firmen zeigen, sondern diese in den Kontext setzen mit dem BMVg, aber auch mit dem BDSV und den Industrieausstellern.
Erwarten Sie, dass das Publikum und die Aussteller internationaler sein werden, als wir das bisher in Deutschland gesehen haben?
Kögel: Ja, ich glaube, dass wir tatsächlich in eine ganz neue Preisklasse gehen. Ich war vor drei Wochen in London und habe mir das angeschaut. Man sieht auf der Messe natürlich eine internationale Vertretung, die wir so in Deutschland zumindest nach meinem Kenntnisstand noch nicht gesehen haben. Wo wir uns aber – ich denke nur an die Äußerungen unseres Bundeskanzlers, dass Deutschland die stärkste konventionelle Streitmacht in Europa werden soll – natürlich auch dementsprechend aufstellen und kommunizieren müssen.

