Schutzaufgaben in Frieden, Krise und Krieg

Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Befähigung der Soldatinnen und Soldaten, in einem kontaminierten Umfeld handlungsfähig zu bleiben. (Foto ©Bw/Neumann)
Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Befähigung der Soldatinnen und Soldaten, in einem kontaminierten Umfeld handlungsfähig zu bleiben. (Foto ©Bw/Neumann)

Aspekte der Ausbildung zur Gefechtstauglichkeit

Deutschland benötigt eine verteidigungsbereite Bundeswehr, die Teil einer wehrhaften, resilienten Gesellschaft ist. Zum Herstellen und Aufrechterhalten der Abschreckungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft sind strukturelle, materielle und individuelle Einsatzbereitschaft sowie Ausbildung und Übung wesentliche Eckpfeiler.

In einer sicherheitspolitischen Lage, die durch hybride Bedrohungen, asymmetrische Konflikte und derzeit im Kontext des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine auch durch den Einsatz von Massenvernichtungsmitteln gekennzeichnet ist, gewinnt die ABC-Abwehr immens an Bedeutung. „Die Bedrohung durch atomare, biologische und chemische Kampfstoffe ist real. Sie ist nicht abstrakt oder weit hergeholt. Der Einsatz von einigen dieser Wirkmittel in den letzten Jahren ist hundertfach belegt. Sowohl in der Ukraine als auch darüber hinaus“, betont der Kommandeur des ABC-Abwehrkommandos der Bundeswehr Oberst Stephan Saalow.

Die Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben der Bundeswehr in Sonthofen ist das zentrale Kompetenzzentrum für die Ausbildung der erforderlichen Fähigkeiten zur Abwehr solcher Bedrohungen. Zwischen dem Auftrag zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft im Grundbetrieb und der parallelen Vorbereitung auf das hochanspruchsvolle Aufgabenportfolio einer Schule in Krise und Krieg bewegt sich die Dienststelle in einem Spannungsfeld aus Tradition, Innovation und operativer Notwendigkeit.

Ziel ist es, durch professionelle und an den Erfordernissen des Einsatzes ausgerichtete Ausbildung im Gesamtkontinuum Frieden – Krise – Krieg den notwendigen Beitrag für die gesamten Streitkräfte zur Herstellung von Gefechtstauglichkeit unter den besonderen Bedingungen aktueller und möglicher ABC-Bedrohungen bis hin zum Einsatz unter ABC-Bedingungen zu leisten.

Handlungsfelder in der Ausbildung

Die Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben als zentrale Ausbildungseinrichtung für das System ABC-Abwehr der Bundeswehr führt die trainingsgebundene Individualausbildung für das Personal der erweiterten und qualifizierten Befähigung aller militärischen und zivilen Organisationsbereiche der Bundeswehr durch. Diese Ausbildung ist in mehrere Handlungsfelder gegliedert, die von der taktischen Ausbildung der Truppe bis zur wissenschaftlich- technischen Weiterbildung reichen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Befähigung der Soldatinnen und Soldaten, in einem kontaminierten Umfeld handlungsfähig zu bleiben und die Fortführung des Auftrags sicherzustellen. Dies umfasst beispielsweise die

  • Beherrschung der eigenen Schutzmittel,
  • den taktischen Einsatz von ABC-Aufklärungssystemen,
  • die Durchführung von Dekontaminationsmaßnahmen und
  • die Sicherstellung lebenswichtiger Versorgungskomponenten wie Wasseraufbereitung.

Ausbildung, egal ob trainingsgebundene Individualausbildung, Teamausbildung, Truppenausbildung oder auch Ausbildung im Einsatz zur Landes- und Bündnisverteidigung, ist der wesentliche Eckpfeiler der Einsatzbereitschaft. Sie muss fordernd, adaptiv, realitätsnah, kompetenzorientiert und nicht zuletzt attraktiv durchgeführt werden, um einen wesentlichen Beitrag zur Befähigung und Motivation der Soldatinnen und Soldaten zu leisten.

Trainingsgebundene Ausbildung legt den Grundstein, die Vertiefung und Professionalisierung erfolgt dann in der Truppe auf dem Dienstposten, im Team, in der Aufgabe. Das Ausbildungssystem muss zur Resilienz, Flexibilität und lagegerechten Anpassung befähigen. „Jedem Soldaten und allen Vorgesetzten muss bewusst sein: Die Gefährdung ist real, kann jedoch durch umfassende Ausbildung und regelmäßige Übung der jeweiligen ABC-Schutzmaßnahmen minimiert werden. Hierzu passen wir die zentralen, fachlichen Vorgaben für die verschiedenen Befähigungsstufen fortlaufend an“, so Oberst Saalow. „Zusätzlich stellen wir mit dem „Portal Fachinformationen ABC-Abwehr“ erstmals eine zentrale Informationsaustauschplattform für alle Angehörigen des Bundesministeriums der Verteidigung zur Verfügung. Damit tragen wir zur Verbesserung der Vorbereitung jedes Einzelnen im System ABC-Abwehr bei, um Aufgaben unter ABC-Bedrohung, aber vor allem auch unter ABC-Bedingungen erfüllen zu können“, bekräftigt Saalow.

Ein besonderes Augenmerk wird an der Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben auf die kompetenzorientierte Ausbildung gelegt: Nicht das reine Faktenwissen steht im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, Wissen, Fertigkeiten und Haltungen in komplexen Situationen zu verknüpfen. Entscheidungsfähigkeit, Teamarbeit, Improvisationsvermögen und körperliche Belastbarkeit sind dabei Schlüsselfaktoren. Es geht hierbei um die Evolution der militärischen Ausbildung, begonnen mit der konsequenten Umstellung auf die Lehr- und Lernmethode der kompetenzorientierten Ausbildung als handlungsbasiertes und praxistaugliches Verfahren.

Von Autorenteam Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 1/26 des HHK!

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