Interview mit Generalmajor Armin Fleischmann, Kommandeur Unterstützung CIR und Abteilungsleiter Planung CIR und Digitalisierung Bundeswehr sowie Beauftragter Weltraum CIR
Herr General, eine sehr umfangreiche Dienstpostenbeschreibung. Helfen Sie uns bitte, was genau sind Ihre Aufgaben?
Als Kommandeur Unterstützungskräfte CIR bin ich der nächsthöhere Vorgesetzte von drei Verbänden. Das ist das Ausbildungszentrum CIR, das Zentrum Geoinformationswesen der Bundeswehr und das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr und Fähigkeitsentwicklung CIR.

In der Verwendung Abteilungsleiter Planung/Digitalisierung leite ich zudem praktisch unsere einstufige Weiterentwicklung in fachlicher Hinsicht mit dem Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr. Und zwar einmal für das Teilportfolio Cyber/IT und dann für das Portfolio CIR. Also im Wesentlichen für das, was wir originär unter Cyber/IT verstehen. Das Portfolio CIR schließt ja auch noch EloKa, Fernmeldeaufklärung, Geoinformationswesen, operative Kommunikation, Cyber-Operationen und so weiter ein.
Seit dem 1. Oktober 2025 habe ich vom stellvertretenden Inspekteur noch eine zusätzliche Aufgabe übernommen, die in letzter Zeit für Furore sorgt, nämlich die Einsatzunterstützung aus dem Weltraum. Insofern sage ich immer: Viel Platz gibt es nicht mehr auf der Visitenkarte.
Was beschäftigt Sie in dieser Funktion aktuell besonders?
Sie brauchen nur auf die aktuellen Krisenherde gucken. Für uns ist wichtig, was wir daraus für die Landes- und Bündnisverteidigung in Deutschland lernen können. Wir analysieren unsere Systeme und schauen, wo wir besser werden müssen. Wir haben zunehmend Herausforderungen aufgrund der Menge an hochpriorisierten Projekten. Sie wissen ja, dass der Einzelplan 14 deutlich erhöht wurde. Das bedeutet auch, dass wir mehr Projekte gemeinsam mit dem Beschaffungsamt und der Industrie realisieren. Wir haben einen extremen Zeitdruck bis 2029. Das heißt, wir brauchen eine schnellere Realisierung. Und das ohne zusätzliches Personal, insbesondere bei neuen Fähigkeiten. Das sind natürlich Herausforderungen, da würden wir uns manchmal auch einfachere Verfahren wünschen.
Wo haben Sie bei diesem Aufgabenumfang Schwerpunkte gesetzt?
Eigentlich sind es, wenn ich ehrlich bin, momentan Schwerflächen. Einer der wichtigsten Punkte ist SATCOM Stufe 4. Wir wollen eine neue Low-Earth Orbit-Konstellation, kurz LEO, in der Bundeswehr aufbauen, also etwas Ähnliches wie Starlink, aber natürlich mit unserem regionalen Schwerpunkt. Und wir haben die sehr wichtigen Themen Aufklärung und elektronische Kampfführung oder Themen wie „rote Netze“, der Umstieg in die Cloud, und zwar in die sichere Cloud. Dazu kommen die Einführung und Nutzung von KI in der Bundeswehr. Ein weiteres Thema ist Software und – ganz, ganz wichtig – Frequenzen für die Bundeswehr.

Als Abteilungsleiter Planung sind Sie einerseits für die Weiterentwicklung der Teilstreitkraft CIR und andererseits zum Beispiel als ein Arbeitsmuskel des BMVg IC auch für die Digitalisierung in der Bundeswehr zuständig. Können Sie uns schon einen ersten Einblick in die geplante Weiterentwicklung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum geben?
Für diese Aufgaben haben wir als Arbeitsmuskel das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr und Fähigkeitsentwicklung CIR. Dort haben wir mehr als tausend Projekte, die maßgeblich für die Modernisierung und Digitalisierung der Streitkräfte sind. Ein Beispiel dafür ist die Weiterentwicklung der satellitengestützten Kommunikation, die ich bereits angesprochen habe, wo wir eine LEO-Konstellation mit mehreren Hundert Satelliten aufbauen wollen.
Dann kommt das Thema Combat Cloud, also wie vernetzen wir unsere Systeme mit modernen Technologien auch in Bezug auf Cloud-Nutzung. Dann stellt sich die Frage der KI-Nutzung, insbesondere für die Panzerbrigade 45 in Litauen: Wie können wir die Brigade dort bestmöglich im Aufklärungs- und Wirkungsverbund unterstützen? Thema ist momentan auch die Fähigkeitserweiterung, die wir uns durch Software-Defined Defence in der Fähigkeitsentwicklung versprechen, sodass wir durch Software unsere Waffensysteme wesentlich schneller optimieren können.
Das Ganze muss natürlich auch sicher sein. Das heißt, wir benötigen zeitgemäße Zero-Trust-Architekturen, also auf gut Deutsch: Traue keinem. Diese Architekturen muss man in die Projekte integrieren. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, damit unsere Kameradinnen und Kameraden auch über sichere Systeme verfügen. Ein leidiges Thema sind Frequenzen. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder sehr, sehr viele Frequenzen für irgendwelche Projekte und wirtschaftlichen Entwicklungen an die Industrie verloren. Wir brauchen Frequenzen nicht nur für uns, für die modernen Funkgeräte, die wir zurzeit in die Bundeswehr einführen. Wir brauchen auch Frequenzen – Deutschland ist ein mögliches Aufmarschgebiet – für unsere alliierten Partner, sodass diese, wenn sie zu uns kommen, auch mit ihren Systemen arbeiten können.
Dann gibt es noch die elektronische Kampfführung und Aufklärung. Da sind wir momentan massiv dabei, für den Fall der Fälle Sachen zu entwickeln. Das Thema Drohnen ist für uns auch von Interesse, insbesondere die Steuerung, die Schnittstellen und die Software für die Steuerung und für die Ableitung von Daten. Das sind einige Punkte, mit denen wir uns momentan beschäftigen.
Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 2/26 des HHK!
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