Zentral geführte Heimatschutzkräfte gibt es in der Bundeswehr wieder seit April 2025, also seit etwas mehr als einem Jahr. In das Deutsche Heer integriert bilden sie die Heimatschutzdivision mit derzeit sechs Regimentern, 60 Heimatschutzkompanien an 42 Standorten und damit den vierten Großverband des Heeres.
Ihre Rückkehr folgte der Prämisse, dass die Bundeswehr neben dem Schutz der NATO-Ostflanke auch auf dem eigenen Territorium für Sicherheit sorgen und Deutschlands Rolle als logistische Drehscheibe der NATO sichern muss.
Ihre Rückkehr folgte der Prämisse, dass die Bundeswehr neben dem Schutz der NATO-Ostflanke auch auf dem eigenen Territorium für Sicherheit sorgen und Deutschlands Rolle als logistische Drehscheibe der NATO sichern muss. Der Aufstellung vorausgegangen waren weitreichende Strukturentscheidungen zur Zukunft der Streitkräfte, die Verteidigungsminister Boris Pistorius im April 2024 mit dem „Osnabrücker Erlass“ öffentlich vorgestellt hatte. Angesichts einer sich verschärfenden Bedrohungslage war die Konsequenz, die Bundeswehr vor allem für die Landes- und Bündnisverteidigung effektiv aufzustellen. Als Folge dieser Entscheidungen sollten die Heimatschutzkräfte integraler Bestandteil des Deutschen Heeres werden. So sollen sie einen Beitrag für eine glaubhafte konventionelle Abschreckung leisten. Darüber hinaus finden sich die beiden Aspekte, die im Verteidigungsfall zu den größten Aufgaben der Heimatschutzkräfte würden, nämlich: der sogenannte Host Nation Support, also die Unterstützung befreundeter Streitkräfte in Deutschland und die Aufmarschunterstützung für NATO-Kräfte in einem Verteidigungsfall.
Letzteres bedeutet auch, dass die Absicherung eines möglichen Aufmarsches alliierter Truppen in und durch Deutschland mehrheitlich in der Verantwortung der Heimatschutzdivision läge. Außerhalb des Spannungs- und Verteidigungsfalls gehören zum Auftrag der Heimatschutzkräfte unter anderem subsidiäre Unterstützungsleistungen nach Artikel 35 des Grundgesetzes im Rahmen der Amtshilfe bei Naturkatastrophen oder schweren Unglücksfällen. Kernannahme für den Einsatz der Heimatschutzkräfte ist, dass die anderen Heeresdivisionen im Verteidigungsfall an der NATO-Ostflanke operierten und somit nur die Heimatschutzkräfte innerhalb Deutschlands aktiv blieben. Der Schutz Deutschlands, die Unterstützung ziviler Behörden und die Sicherung verteidigungswichtiger Infrastruktur lägen infolgedessen in ihren Händen. Die Aufstellung der Division erfolgte fast genau drei Jahre nach der Ausrufung der „Zeitenwende“ durch den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz.
Bereits davor gab es ein noch zaghaftes Revival des Heimatschutzes in der Bundeswehr. Nachdem sämtliche Heimatschutzbataillone, die als teilaktive beziehungsweise nichtaktive Truppenteile im Territorialheer seit 1965 als Heimatschutztruppe bezeichnet wurden, Anfang 2007 aufgelöst worden waren, verfügte die Bundeswehr für mehrere Jahre über keine Kräfte mehr, deren expliziter Auftrag der Schutz des deutschen Staatsgebietes war. Erst im Jahr 2011 führten sicherheitspolitische Bedenken im Rahmen der Verkleinerung der Bundeswehr dazu, dass mit der „Konzeption der Reserve“ (KdR) die Aufstellung von Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften (RSUKr) beschlossen wurde. Für die Wahrnehmung von Schutz- und Sicherungsaufgaben kritischer Infrastruktur in Notstandslagen oder für Einsätze in der Katastrophenhilfe besann man sich auf das Potenzial der Reservisten, mit denen die RSU-Kompanien befüllt wurden. Ein Pilotprojekt zur Wiederaufstellung von Heimatschutzverbänden begann am 1. April 2019 mit dem Landesregiment Bayern, dem heutigen Heimatschutzregiment 1. Die drei fränkischen der sieben bestehenden bayerischen RSU-Kompanien wurden dem Regiment unterstellt. Daraufhin wurde am 6. April 2021 die Aufstellung von fünf weiteren Regimentern bis 2025 bekannt gegeben.
Schon im Juli 2021 wurden die seinerzeit 30 RSU-Kompanien auf Weisung der damaligen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in Heimatschutzkompanien umbenannt. Die Kompanien und mit ihrer Aufstellung auch die Regimenter wurden von den Landeskommandos geführt, die wiederum dem damaligen Territorialen Führungskommando der Bundeswehr unterstellt waren. Eine einheitliche Führung der Heimatschutzkräfte gibt es somit erst (wieder) mit der Aufstellung der Heimatschutzdivision in der heutigen Form.