Das Ende der Panzergrenadiere, wie wir sie kennen

Das Ende der Panzergrenadiere? Schützenpanzer Puma im Angriff. (Foto © Bw/Waldemar Zorn)
Das Ende der Panzergrenadiere? Schützenpanzer Puma im Angriff. (Foto © Bw/Waldemar Zorn)

Mit dem Wandel des Kriegsbildes, der Stärkung der Infanterie durch den Einsatz weitreichender Wirkmittel und dem daraus resultierenden abnehmenden Einsatzwert der Kampfpanzer verlieren die Panzergrenadiere entscheidend an Bedeutung, wenn sie an der bisherigen Kampfweise festhalten. Dieser Artikel fordert zur Anpassung der Kampfweise der Panzergrenadiere an die Realitäten des modernen Gefechtsfeldes auf. Der Fokus liegt entsprechend auf der taktischen Ebene mit den heute verfügbaren technischen Mitteln.

Panzergrenadiere sind keine Dragoner

Panzergrenadiere sind keine Dragoner. Auch wenn sie viel miteinander gemein haben, wie beispielsweise die taktische Mobilität und den Wechsel der Kampfweise, sind Panzergrenadiere die Folge der operativen Idee des auf Panzern basierenden mechanisierten Stoßkeils. Die Erkenntnis, dass der Panzer gegen die gegnerische Infanterie zu schützen ist, gleichzeitig jedoch die eigene Infanterie mit der Beweglichkeit der Panzer mitzuhalten hat, ist die Geburtsstunde der Panzergrenadiere. Am 18. Juni 2025 veröffentlichte die Redaktion der Bundeswehr das Video: „Wie wir kämpfen – Panzergrenadiere greifen an“. Zu sehen ist der klassische Kampf der Grenadiere um Sperren inklusive Wechsel der Kampfweise. Tätigkeiten, die jeder Panzergrenadier aus dem FF kann oder können sollte. Einsatzgrundsätze, die im Wesentlichen seit dem Zweiten Weltkrieg Bestand haben.

In seinem Standartwerk „Strategy. The Logic of War and Peace“ hat Edward Luttwak auf niederer taktischer Ebene die mit Panzerabwehrwaffen ausgerüstete Infanterie im Kosten-Nutzen-Vergleich dem Kampfpanzer als überlegen beschrieben. Erst durch den massierten Einsatz von Panzern als Stoßkeil wird dieser Vorteil aufgrund der höheren Mobilität und Schwerpunktbildung aufgehoben. Zwar könne der Mobilitätsnachteil ebenfalls kompensiert werden, jedoch wäre hierfür bespielweise der Einsatz von Hubschraubern notwendig. Hierdurch wiederum verschiebt sich die Kosten-Nutzen- Relation zuungunsten der Infanterie. Was Luttwak nicht bedacht hatte, war die enorme Reichweitenerweiterung der Infanterie durch gelenkte, abstandsfähige Wirkmittel. Die Rolle der Drohne auf dem Gefechtsfeld der Gegenwart entzog sich seiner Vorstellungswelt.

Das Kriegsbild in der Ukraine

Auf taktischer Ebene ist der Krieg in der Ukraine durch die sogenannte Greyzone geprägt. Diese Todeszone mit einer Tiefe von 20 Kilometern und mehr ist ein Bereich höchster Aufklärungsdichte und Letalität. Beinahe jedwede Bewegung bei Tag und eingeschränkter bei Nacht wird aufgeklärt und unmittelbar bekämpft. Die Tiefe variiert in der Anzahl und Reichweite der eingesetzten gelenkten, weitreichenden Wirkmöglichkeiten. In den vergangenen Kriegsjahren hat sich eine immer größere Palette von unbemannten Systemen entwickelt. Von mehrere Hundert Kilometer in die Tiefe des Raums aufklärenden Starrflüglerdohnen über Multirotordrohnen als Relais, Bomber oder Abfangjäger bis zu den medial omnipräsenten First-Person-View-Drohnen (FPV-Drohne). Hundert Drohnen pro Quadratkilometer sind an den Frontlinien in der Ukraine häufiger die Regel als die Ausnahme. Es ist heute nahezu sicher, dass die militärische Nutzung der Drohnentechnologie und deren Vernetzung ausschlaggebend dafür ist, dass die Front in der Ukraine fast erstarrte.

Als Richtwert benötigen die Panzertruppen im Angriff fünf Minuten für einen Kilometer. In der Phase Einbruch verdoppelt sich der Zeitansatz. Unter Anwendung der gültigen Einsatzgrundsätze der Grenadiere sind diese somit über anderthalb Stunden der stetigen Bedrohung durch unbemannte, gelenkte Systeme der gegnerischen Infanterie ausgesetzt. Ein Wechsel der Kampfweise oder der abgesessene Einsatz des Panzervernichtungstrupps verbietet sich in dieser Phase, sollen die bereits geringen Überlebenschancen nicht noch weiter vermindert werden.

Aufgrund der überlegenen Reichweite drohnenbefähigter Infanterie ist davon auszugehen, dass ein direktes Feuergefecht mit Bord- und Handwaffen zwischen Panzergrenadieren und feindlicher Infanterie nicht zustande kommt. Der Gegner kann wirken, während Panzergrenadiere aus eigener Kraft das Feuer nicht erwidern können. Hinzu kommt, wie bereits im Dezember 2023 durch den damaligen stellvertretenden Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Andreas Marlow, festgestellt wurde, dass die Aufklärung durch Drohnen in der Tiefe eine Konzentration gepanzerter Kräfte für die Schwerpunktbildung erheblich erschwert. Der Feind kann frühzeitig weitreichend gegen diese Kräftekonzentrationen wirken oder seinen eigenen Schwerpunkt rechtzeitig so verlagern, dass der Durchbruch nachhaltig verwehrt wird.

Von Oberstleutnant i.G. Marco Heß, in einer vorherigen Verwendung G3 einer Heeresbrigade

Den kompletten Beitrag lesen Sie in Ausgabe 4/26 des HHK!

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