Ein Jahr Aviation Brigade

Die Aviation Brigade der Bundeswehr bei der Übung „Griffin Lightning 2025“ in Litauen. (Foto © Bw/Bill Drechsler)
Die Aviation Brigade der Bundeswehr bei der Übung „Griffin Lightning 2025“ in Litauen. (Foto © Bw/Bill Drechsler)

Sachstand und Ausblick

Mit der veränderten Sicherheitslage in Europa, dem zunehmend aggressiven Vorgehen Russlands gegenüber seinen europäischen Nachbarländern wurde es erforderlich, den Schutz des NATO-Bündnisgebietes auf dem europäischen Festland in Richtung Osten gegen Aggressionen und Angriffe zu verstärken. Dieser Prozess begann bereits deutlich vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Allerdings markiert der 24. Februar 2022 eine Zäsur.

In Deutschland prägte Bundeskanzler Olaf Scholz diesen Schritt mit dem Begriff „Zeitenwende“. Das allgemeine Umdenken westlicher Staaten führte zu einer signifikanten Erhöhung der Truppenpräsenz im östlichen Bündnisgebiet. Letztere soll der Abschreckung potenzieller militärischer Angriffe auf NATO-Mitgliedstaaten dienen und ist Ausdruck der Rückbesinnung auf die kollektive Landes- und Bündnisverteidigung. In der Konsequenz wurde auch für die Bundeswehr eine Neuausrichtung, Modernisierung und Aufwuchs beschlossen, um so den Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Rechnung zu tragen.

Die baltischen Staaten und Polen mit ihren Grenzen zu Russland und Weißrussland bilden die Nordost-Flanke des NATO-Bündnisgebietes. Als taktische Führungs- ebene in der Dimension Land ist das Multinationale Korps Nordost mit Hauptquartier in Stettin für einen Teil dieses Raumes verantwortlich. Damit fällt dem Korps initial eine entscheidende Rolle in der möglichen Verteidigung des Bündnisgebiets zu. Der Einsatzraum besteht aus mitunter geografisch anspruchsvollem Gelände.

Besonders der Suwałki- Korridor (auch: Suwałki-Lücke), die Zone zwischen Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad, durch die auch die Grenze zwischen Litauen und Polen verläuft, ist ein kritischer Bereich. Er bildet die einzige Landverbindung der NATO in die baltischen Staaten. Im Westen davon liegt die Oblast Kaliningrad. Zu Russland gehörend, sind dort atomwaffenfähige Iskander– Raketen sowie potente Luftabwehrsystemen vom Typ S-400 stationiert.

Das gesamte Gebiet ist auch in der Dimension Land hoch militarisiert und stellt mit seinen dauerhaft eisfreien Häfen einen wichtigen Stützpunkt für die russische Ostseeflotte dar. Daraus erwächst die Gefahr, dass ein expansionistisch auftretendes Land, so wie Russland sich in den vergangenen Jahren positionierte, Möglichkeiten sucht, um den Landzugang zu dieser bedeutenden Exklave zu nehmen, wenn nötig mit militärischer Gewalt.

Wie passt die Aviation Brigade zum deutschen Engagement?

Deutschland nimmt als stärkste Wirtschaftskraft Europas eine bedeutende Rolle bei der Erhöhung der Truppenpräsenz im östlichen Europa ein. Damit zeigt die Bundesrepublik klar ihre Verantwortung im Bündnis und in Europa. In seiner ersten Regierungserklärung bekräftigte Bundeskanzler Friedrich Merz am 14. Mai 2025 diese Verantwortung und setzt mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius den seit 2022 eingeschlagenen Weg konsequent fort. In diesem Zusammenhang wurden im Jahr 2024 deutsche Hubschrauberkräfte als sogenannte Aviation Brigade NATO Force Model 2025 – 2027 (AvnBde NFM 25-27) der NATO zugesagt.

Damit leistet Deutschland einen wesentlichen Beitrag mit Hochwertressourcen. Bei der AvnBde NFM 25-27 handelt es sich um ein ablauforganisatorisch aufgestelltes Manöverelement in Stärke einer verminderten Brigade unter Bündelung von Hubschrauberkräften des Heeres und der Luftwaffe. Diese sind dem Multinationalen Korps Nordost assigniert, das mit ihnen Fähigkeiten erhält, die geländeunabhängig, schnell und schlagkräftig zum Einsatz gebracht werden können. Als Korpstruppe des Multinationalen Korps Nordost befindet sich die Aviation Brigade seit dem 1. Januar 2025 in der Aufstellung mit dem Ziel einer initialen Operationsfähigkeit im höchsten NATO-Bereitschaftsgrad. Hintergrund dieser ablauforganisatorischen Lösung ist, dass die Streitkräfte im Jahr 2011 einer grundlegenden Strukturreform unterzogen wurden. Aus damaliger Sicht erfolgte eine Optimierung auf das wahrscheinlichste Einsatzspektrum im Rahmen des internationalen Krisenmanagements. Dementsprechend sind auch die Hubschrauberkräfte der Bundeswehr in ihrer Grundgliederung dahingehend aufgestellt, derartige Einsatzszenarien bestmöglich zu unterstützen. Der zur Umgliederung in tragfähige aufbauorganisatorische Strukturen benötigte zeitliche Vorlauf stand in der volatilen sicherheitspolitischen Lage, die zügiges Handeln erforderte, nicht zur Verfügung.

Um der Zusage Deutschlands, das Multinationale Korps Nordost in Stettin mit Hubschrauberkräften zu unterstützen, gerecht zu werden, war daher eine schnelle Lösung auf Basis der aktuellen Struktur der Heeresfliegertruppe unausweichlich. Dies erfolgte im Rahmen einer Leistungsvereinbarung zwischen Heer und Luftwaffe, also dem Zusammenschluss von Kampfhubschraubern Tiger, Transporthubschraubern NH90 und CH-53 sowie Kräften zur Einsatzunterstützung und für den Objektschutz. Ebenfalls dabei sind Führungsunterstützungskräfte aus dem Verantwortungsbereich des Kommandos Cyber- und Informationsraum sowie sanitätsdienstliches Personal aus dem Unterstützungsbereich der Bundeswehr.

Von Autorenteam Kommando Hubschrauber

Den kompletten Beitrag lesen Sie in Ausgabe 4/26 des HHK!

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