Replique hat aus einer Idee im BASF-Inkubator ein Fertigungsnetzwerk mit mehr als 450 Partnern aufgebaut
Was tun, wenn ein Bauteil dringend gebraucht wird, der passende Lieferant aber fehlt? Weil es ihn nicht mehr gibt, weil er ausgelastet ist oder weil sich kleine Stückzahlen für ihn nicht lohnen? Vor dieser Frage stehen Instandhalter und Beschaffer immer häufiger, in der Industrie ebenso wie bei den Streitkräften. Betroffen sind vor allem Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge, die über Jahrzehnte im Einsatz sind. Das Gerät funktioniert noch, die Teile dafür werden aber nicht mehr hergestellt. Ebenso schwierig wird es, wenn der Bedarf plötzlich steigt und die bestehenden Lieferanten nicht mitkommen.
Oft bleibt dann nur, eine komplette Baugruppe zu tauschen oder über Monate einen neuen Lieferanten zu qualifizieren. In der Zwischenzeit steht die Anlage still oder das Fahrzeug ist nicht einsatzbereit. Das dachten sich auch Dr. Max Siebert und Dr. Henrike Wonneberger von Replique. „Ich war schockiert, wie lange es dauern kann, ein einfaches Ersatzteil zu bekommen“, erinnert sich Siebert an seine Zeit bei BASF. 2020 gründeten die beiden Replique im Business-Inkubator der BASF. Ihr Ziel war, Bauteile digital vorzuhalten und auf Abruf zu fertigen, wenn sie tatsächlich gebraucht werden, möglichst in der Nähe des Bedarfsorts.
Über eine Plattform Zugriff auf ein weltweites Fertigungsnetzwerk
Um die Idee umzusetzen, haben sie mit Replique eine digitale Plattform entwickelt und das Unternehmen 2023 als eigenständige GmbH aus der BASF ausgegründet. Die Plattform verbindet Kunden mit qualifizierten Fertigungspartnern und wählt für jeden Auftrag den passenden Betrieb aus, abhängig von Verfahren, Werkstoff, Standort und freier Kapazität. Konstruktionsdaten bleiben geschützt, und jeder Schritt vom Auftrag bis zur Auslieferung wird dokumentiert. Replique ist nach ISO 27001 für Informationssicherheit und nach ISO 9001 für Qualitätsmanagement zertifiziert. Für regulierte Branchen fertigt Replique nach geltenden Normen und Standards, inklusive der geforderten Nachweise.

Was mit 3D-Druck als Schlüsseltechnologie für die On-Demand-Fertigung begann, umfasst heute auch CNC-Bearbeitung, Guss, Schmieden, Spritzguss und weitere Verfahren, inklusive Nachbearbeitung bis zum einsatzfähigen Bauteil. Mit über 500 Werkstoffen von Kunststoffen bis zu Metalllegierungen findet sich so für jedes Bauteil die passende Lösung. Insgesamt gehören mehr als 450 qualifizierte Fertigungspartner weltweit zum Netzwerk. Zu den Kunden zählen unter anderem Alstom, MAN, Danfoss, Roche und BASF.
Replique: In der Industrie bewährt, auf die Streitkräfte übertragbar
Weil die Fertigung auf viele Betriebe verteilt ist, lässt sich der Ausfall eines einzelnen Standorts schnell ausgleichen. Für den Bahnhersteller Alstom fertigt Replique zum Beispiel gegossene Kühler für italienische Züge aus den 1960er-Jahren, deren ursprünglicher Lieferant nicht mehr zur Verfügung steht. Das Modell hilft auch bei Lieferkettenstörungen oder Naturkatastrophen. Bei einem großen Nutzfahrzeughersteller fiel beispielsweise eine Gießerei aus, die die Bezugsquelle für ein Bauteil war. Kurzfristig wurden mehr als 2.000 Stück benötigt.
Replique ließ das Teil daraufhin parallel bei mehreren Partnern aus dem Netzwerk im 3D-Druck fertigen, sodass die Produktionsbänder ohne Unterbrechung weiterlaufen konnten. Das Prinzip lässt sich auf militärische Anwendungen übertragen, dort allerdings mit deutlich höheren Anforderungen an Geheimschutz, Einsatzdruck und rüstungsspezifische Zulassung.
Replique hat die dafür nötigen Mechanismen bereits vorgesehen. Konstruktionsdaten werden nach Geheimschutzvorgaben behandelt, der Export beim Datentransfer über Ländergrenzen wird kontrolliert und gegebenenfalls eingeschränkt, und die Fertigungsstandorte werden nach rüstungsspezifischen Normen qualifiziert. Wie dezentrale Fertigungsnetzwerke die Versorgung der Streitkräfte widerstandsfähiger machen können und welche Voraussetzungen dafür zu schaffen sind, beschreibt Dr. Max Siebert im Fachbeitrag „Vom Single Point of Failure zum resilienten Fertigungsnetzwerk“.