Irankrieg: Ausweitung der Kampfzone und die kurdische Karte

US-Präsident Donald Trump bei einer Besprechung zum Irankrieg in seinem Anwesen Mar-a-Lago.
US-Präsident Donald Trump bei einer Besprechung zum Irankrieg in seinem Anwesen Mar-a-Lago. (Foto: Weißes Haus/Daniel Torok)

Eine Woche nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe haben Auswirkungen des Irankrieges den gesamten Nahen und Mittleren Osten erfasst. Beide Seiten setzten ihre vor allem mit Luftkriegsmitteln geführten Schläge fort. Nach der gezielten Ausschaltung großer Teile der iranischen Führung bombardierten die USA und Israel weitere Regierungs- und Einrichtungen des Raketen- und Nuklearprogramms sowie militärische Ziele und versenkten zahlreiche Einheiten der Seestreitkräfte des Iran. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg torpedierte ein amerikanisches U-Boot vor Sri Lanka ein gegnerisches Kriegsschiff. Die Fregatte Dena befand sich auf dem Rückweg von einer multinationalen Übung in Indien, als sie von der USS Charlotte versenkt wurde. Das iranische Trossschiff Bushehr ließ sich daraufhin zu seinem Schutz in Sri Lanka internieren, das Landungsschiff Lavan in Indien.

Über Teheran schoss ein israelisches Stealth-Kampfflugzeug F-35 einen iranischen Kampftrainer Jak-130 ab. In der Nacht zum Samstag gab es schwere Angriffe auf den Flughafen Teheran-Mehrabad. Der Iranische Rote Halbmond gab die Zahl der bestätigten Toten im Land mit bislang 1.332 an. Der Iran setzte seinerseits Vergeltungsschläge mit ballistischen Raketen und Drohnen gegen die arabischen Golfstaaten und Israel fort. In Israel kamen dabei während der Woche zwölf Zivilisten ums Leben, allerdings wurde die Intensität der Angriffe als gegenüber denen im letzten Jahr als geringer und abnehmend beschrieben. Auch in Bahrain, Kuwait, dem Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gab es mehrere Tote und zahlreiche Verletzte. Am heutigen Samstag entschuldigte sich der iranische Präsident Massud Peseschkian öffentlich bei den Nachbarstaten.

(Mutmaßliche) iranische Angriffe auf zahlreiche Nachbarländer

Dies und seine Aufforderung an das Militär, nur noch auf Angriffe von dort zu reagieren, wurde jedoch innenpolitisch von Hardlinern kritisiert Zu den größten Erfolgen des Irans gehörten Treffer auf amerikanische Radarstellungen in Jordanien, Katar und den VAE. Sechs US-Soldaten wurden bei einem Raketeneinschlag in eine Kommandozentrale in Kuwait getötet und weitere verwundet. Spekuliert wird, dass der Iran Aufklärungsdaten von Russland und/oder China erhielt, obwohl auch kommerzielle Satellitenbilder verwendet worden sein könnten. Der Abschuss von drei Kampfflugzeugen F-15E der U.S. Air Force vor Kuwait war dagegen ein Fall von „friendly fire“ durch eine kuwaitische F-18, der vermutlich der Nervosität aufgrund des iranischen Raketenbeschusses geschuldet war. Alle sechs Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Schleudersitz retten.

Eine Drohne, die den britischen Stützpunkt Akrotiri auf Zypern traf, wurde möglicherweise von iranischen Verbündeten aus dem Libanon gestartet. Mehrere weitere Drohnen wurden von britischen und griechischen Kräften abgefangen. Großbritannien, Griechenland und auch Frankreich verlegten daraufhin Marineschiffe ins östliche Mittelmeer. Israel setzte seine Luft- und Bodenoffensive gegen die pro-iranische Hisbollah im Libanon fort. Die Türkei meldete ebenfalls eine anfliegende Rakete, die nach unterschiedlichen Angaben entweder von einer spanischen Patriot-Batterie oder einem amerikanischen Lenkwaffenzerstörer im Mittelmeer abgefangen wurde. Der Iran bestritt, für diesen Vorfall sowie für die Einschläge von Drohnen auf einem Flughafen und nahe einer Schule in der Exklave Nachitschewan seines nördlichen Nachbarlands Aserbaidschan verantwortlich zu sein. Auch hier wurde eine weitere Drohne abgefangen.

Periskopfoto des Jagd-U-Boots USS Charlotte von der Versenkung der iranischen Fregatte Dena vor Sri Lanka.
Periskopfoto des Jagd-U-Boots USS Charlotte von der Versenkung der iranischen Fregatte Dena vor Sri Lanka. (Foto: US DoD)

Das Drohnen- und Ölpreisproblem

Berichten zufolge erweist sich die Abwehr iranischer Drohnen am Persischen Golf wie zu erwarten mit den vorhandenen begrenzten Flugabwehrmitteln als schwierig beziehungsweise unverhältnismäßig teuer. Demzufolge hat der Iran bislang insgesamt mehr als 2.000 Flugkörper eingesetzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben nach Anfragen aus den arabischen Golfstaaten und den USA die Lieferung von Drohnenabwehrmitteln im Tausch gegen von der Ukraine dringend benötigte Patriot-Flugkörper angeboten. Sein Land befürchtet, dass sich die eigene Situation im russischen Angriffskrieg wegen des hohen Patriot-Verbrauchs am Golf weiter verschlechtert. Luft- und Seedrohnen trafen dort insbesondere Öleinrichtungen und Handelsschiffe.

Aufgrund explodierender Versicherungs- und Transportkosten kam der Verkehr durch die Straße von Hormus zum Erliegen, worauf die internationalen Ölpreise anzogen. Dies setzt insbesondere die Regierung von US-Präsident Donald Trump unter Druck, die vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November ohnehin mit der weiter schwierigen Wirtschaftssituation im Inland zu kämpfen hat. Zuletzt gab das Weiße Haus eine geplante Dauer der Angriffe von vier bis sechs Wochen an, bis der Iran „nicht länger eine Bedrohung für die USA und unsere Truppen im Nahen Osten“ darstellen könne. Trump hatte zuvor eine „bedingungslose Kapitulation“ und seine Beteiligung an der Auswahl des nächsten iranischen Führers gefordert. Später sagte er, die Kapitulation könne auch festgestellt werden, wenn der Iran nicht mehr zum Kämpfen fähig sei.

Kurdische Intervention im Irankrieg fraglich

Unbestätigten Berichten zufolge bereitet sich das zuständige U.S. Central Command allerdings mit Personalbeorderungen auf eine Einsatzdauer von 100 Tagen oder sogar bis September vor. Im Irak bombardierten die USA derweil ebenfalls mit dem Iran verbündete Kräfte, nachdem diese angeblich amerikanische und kurdische Ziele angegriffen hatten. Die irakische und kurdische Führung wiesen jedoch angebliche US-Pläne zurück, das Land für eine Offensive gegen den Nachbarn Iran zu nutzen. Berichten zufolge sind sowohl die USA als auch Israel seit Längerem mit iranisch-kurdischen Gruppen über eine Unterstützung für einen Aufstand gegen Teheran im Gespräch. Ende Februar gingen fünf dieser Gruppen, die den Irak als Rückzugsraum nutzen, ein Bündnis ein.

Allerdings sind sich die verschiedenen Kurdengruppen im Iran, Irak, in Syrien und der Türkei auch untereinander nicht unbedingt wohlgesonnen. Hinzu kommt das Schicksal früherer US-Verbündeter wie zuletzt in Afghanistan. In Syrien überließ Trump kurdische Milizen sowohl in seiner ersten Amtszeit als auch erst kürzlich den Angriffen türkischer beziehungsweise syrischer Truppen. 1991 schlug das Regime von Saddam Hussein nach dem Ersten Irakkrieg den Aufstand von Kurden im Norden und schiitischen „Marsch-Arabern“ im Süden brutal nieder. Verschiedene kurdische Stimmen haben daher Zurückhaltung bei einem solchen Bündnis geäußert. Ob die USA auf diese und andere iranische Minderheiten mit separatistischen Bestrebungen wie die Belutschen an den Grenzen zu Afghanistan und Pakistan als „Bodentruppen“ zählen können, ist damit ungewiss.

Stefan Axel Boes

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