Mit dem ersten Spatenstich startet am kommenden Montag, 27. April, im brandenburgischen Oehna das privat finanzierte Infrastrukturprojekt Netz 33, das Maßstäbe für resiliente und leistungsfähige digitale Glasfasernetze in Deutschland setzen will. Auf den ersten rund 130 von insgesamt 33.000 Kilometern entsteht entlang eines Schienenkorridors erstmals eine Glasfaser-Teststrecke der nächsten Generation. Sie verbindet reale Langstreckenbedingungen mit moderner Technologie und richtet den Fokus auf Sicherheit und hochperformante Datenübertragung. Dies ist der erste konkrete Baustein für ein künftiges bundesweites digitales Rückgrat (Backbone) entlang deutscher Bahntrassen.
Mit der Teststrecke, die die Orte Jüterbog, Falkenberg (Elster) und Lutherstadt Wittenberge verbindet, will das Projekt eine praxisnahe Umgebung schaffen, in der Nutzer konkret erfahren sollen, wie ein solches Netz auch in Krisen- und Störungsszenarien funktioniert. Diese Entwicklungs- und Erprobungsumgebung soll es Interessenten erstmals ermöglichen, auch individuelle Anwendungen auf Basis von Glasfasertechnologie unter echten Betriebsbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln. Angesichts wachsender hybrider Bedrohungen gewinnt digitale Infrastruktur strategisch weiter an Bedeutung. Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom von 2025 entsteht der deutschen Wirtschaft durch Diebstahl, Spionage und Sabotage inzwischen ein jährlicher Schaden von fast 300 Milliarden Euro.
Ein Netz, das auch auch im Krisenfall funktioniert
„Um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können, braucht Deutschland ein sicheres, resilientes und hochleistungsfähiges digitales Rückgrat. Im Moment gibt es einige Insellösungen, aber kein bundesweit hochvermaschtes Backbone-Netz. Deutschland braucht in unsicheren Zeiten aber ein Netz für die nächste Generation, das auch im Krisenfall funktioniert. Und das bauen wir mit Netz 33. Unser Anspruch und der unserer starken Partner ist ein souveränes Backbone-Netz für Wirtschaft, Staat und kritische Infrastrukturen“, so Bruno Reufels, CEO von Netz 33 und der Muttergesellschaft Niedax Group.
Im Unterschied zu klassischen Laborumgebungen oder rein kommerziellen Netzen bildet die Netz-33-Teststrecke laut Unternehmen reale Anforderungen eines zukünftigen resilienten Backbone-Netzes ab. Mit einer Gesamtlänge von 130 Kilometern erlaube sie umfassende Tests zu Signalstabilität, Dämpfung, Redundanz und Netzverhalten unter realen Umweltbedingungen, sogar im Falle von Anschlägen und Sabotage. Hier könnten Interessenten unter Realbedingungen und auf Wunsch auch unter Cyber-Angriff-Szenarien ihre zum Teil sehr spezifischen Anwendungen testen. Für Finanzinstitute beispielsweise sei es ein Wettbewerbsvorteil, wenn ein Netz mikrosekunden-kurze Übertragungszeiten ermöglicht. Nur so seien High-Frequency-Trading (HFT) und algorithmische Orders ohne Verzögerungen möglich.
Fokus auf Resilienz und kritische Infrastrukturen
Versicherer wiederum wollen sicherstellen, dass ein Netz die Analyse riesiger Datensätze zu Unfallmustern, Wetterrisiken oder Betrugserkennung gewährleistet. Dazu sind sehr hohe Upload-/Download-Raten und niedrige Latenz erforderlich. Bei Netz 33 kommen Glasfasern von Corning auf Basis des internationalen Standards „ITU G.654.E“ zum Einsatz. Diese hochleistungsfähigen Glasfasern bilden die Grundlage des Backbone-Netzes mit mehr als 2 x 288 Fasern und ermöglichen eine Vielzahl von Test- und Anwendungs-Szenarien sowie eine langfristige und zukunftssichere Skalierbarkeit.
Das Projekt Netz 33 soll gezielt die steigenden Anforderungen an sichere und ausfallsichere Kommunikationsnetze addtessieren. Im Kontext regulatorischer Vorgaben wie NIS2 und dem KRITIS-Dachgesetz will das Vorhaben neue Maßstäbe für die digitale Resilienz in Deutschland setzen. Die Teststrecke ist eingebettet in das Gesamtkonzept von Netz 33, das perspektivisch ein bundesweites Glasfasernetz mit rund 33.000 Kilometern Länge, über 10.000 Zugangspunkten und mehr als 300 Ringstrukturen mit einer extrem dichten Vermaschung vorsieht. Diese Architektur ermöglicht eine besonders hohe Ausfallsicherheit und flexible Umleitung von Datenströmen im Störungsfall.
Redaktion/sab

