Gerade ein halbes Jahr nach dem Ende von „Quadriga 2025“ begann bereits die diesjährige Ausgabe des Übungsclusters. Die Bundeswehr selbst spricht nicht mehr von reinen Übungen, sondern „einsatznahen Operationen“. Ein besonderer Schwerpunkt war der Anteil „Medic Quadriga“, bei dem ein Massenanfall von Verwundeten in Litauen, ihr Transport nach Deutschland und ihre Verteilung auf inländische Krankenhäuser in Zusammenarbeit mit zivilen Hilfsorganisationen durchgespielt wurde.
Als Hub dafür diente das ExpoCenter Airport am Flughafen BER. Wo im Juni wieder die zweijährliche Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA stattfindet, empfingen Sanitätskräfte der Bundeswehr, des Deutschen Roten Kreuzes, der Johanniter Unfallhilfe, des Malteser Hilfsdienstes und weiterer Organisationen 200 Übungsverwundete, bewerteten ihren Zustand und veranlassten ihren Weitertransport in Berliner und Brandenburger Krankenhäuser. Insge- samt waren dort und in Litauen 1.400 Kräfte beteiligt. Eigentlich sollte tatsächlich ein MedEvac-Airbus für den Flug aus dem Baltikum eingesetzt werden, wo das Sanitätsbataillon 45 am Anfang der Rettungskette steht. Wegen der Situation in der Nahostregion nach dem amerikanisch- israelischen Angriff auf den Iran wurde dieser allerdings kurzfristig für mögliche echte Missionen in Alarmbereitschaft versetzt. Stattdessen „poppten“ die Übungsverwundeten draußen vor der Messehalle auf, in der zehn Zeltstationen eingerichtet worden waren. Auf dem Flughafen-Vorfeld stand allerdings eine A400M, mit der die Übergabe von Patienten an zivile Krankenwagen geübt wurde. Diese fuhren sie wiederum ein paar Hundert Meter weiter zu wartenden Rettungshubschraubern für den Weitertransport. Die DRF und ADAC-Luftrettung sowie das Bundesinnenministerium hatten fünf Maschinen der Typen EC 135 und H145 für „Medic Quadriga“ zusammengezogen. Das Übungsgeschehen endete erst in den Notaufnahmen der Krankenhäuser.
Im Ernstfall bis zu 1.000 Verwundete pro Tag
Für die hohe Patientenzahl wurde eigens das digitale Berliner Rettungsleitsystem umprogrammiert. Im Ernstfall wäre deutschlandweit mit dem Eintreffen von bis zu 1.000 Verwundeten zu rechnen – pro Tag. Die Frage, wann die Aufnahmekapazität der Krankenhäuser erschöpft wäre, spielte bei der Übung allerdings keine Rolle. Die Teilnehmer konzentrierten sich auf die Frage, was bei den bestehenden Verfahren funktioniert und was nicht. Da habe es erheblichen Erkenntnisgewinn gegeben, hieß es aus der Leitung. In der Halle wurden die Übungsverwundeten durch zwei Zelte am Tor eingeschleust und dann zur Bewertung ihres Zustands und der Dringlichkeit von Weitertransport und Behandlung auf die übrigen Stationen verteilt. Die zivilen Organisationen arbeiten bei dieser Triage üblicherweise mit den Farbcodes Rot, Gelb und Grün, während in der NATO die Stufen T1 bis T4 verwendet werden. Da Patienten im Ernstfall auch in andere Länder weiterverlegt werden könnten, wurde hier einheitlich das NATOSystem genutzt. Bei der Übung wur
