Start in eine neue Ära: Am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg hat der erste Hörsaal die Ausbildung am Leichten Kampfhubschrauber (LKH) H145M begonnen. An der Hubschrauberführergrundausbildung nehmen zehn Offiziere teil: vier aus Deutschland sowie jeweils drei aus den Niederlanden und Dänemark.
Eigentlich sollte es im Simulator beginnen. Da aber die Full Flight Simulatoren noch nicht zur Verfügung stehen, stand gleich nach wenigen Tagen der erste Realflug im LKH auf dem Dienstplan. „Die Lehrgangsteilnehmer sind davon begeistert“, berichtet der niederländische Hörsaalleiter Major Willem, schon seit fünf Jahren als Ausbilder und Verbindungsoffizier in Bückeburg. „Alle sind top motiviert!“
Die sechs Fluglehrer wurden zuvor bei Airbus in Manching ausgebildet. Acht H145M ohne Waffenanlagen stehen für die Ausbildung zur Verfügung. Der Lehrgang dauert rund ein Jahr. Nach der Theorie, davon vieles im Eigenstudium, folgen normalerweise 255 Flugstunden, davon rund die Hälfte im Simulator. Da aber noch kein H145M – Simulator zur Verfügung steht, startete der erste Durchgang gleich mit Realflugausbildung. 189 Stunden sind dafür eingeplant. Das Training für Instrumentenflug folgt dann später im EC 135-Simulator. Für spezifische H145M-Notverfahren sind sechs Stunden in einem zivilen Simulator vorgesehen.
Die Zeit drängt
Eine hohe Flexibilität war angesagt, um die Ausbildung schon jetzt zu beginnen, unterstreicht der Kommandeur des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums, Oberst Thomas Nikolai. Aber die Zeit drängt. Der LKH wird Ende dieses Jahres im Kampfhubschrauberregiment 36 eingeführt, wo er als Brückenlösung und Technologieträger eine zentrale Rolle im Fähigkeitsaufwuchs der Heeresflieger spielt.

Derzeit sind elf Maschinen in Bückeburg eingetroffen, bis Ende dieses Jahres werden es 16 sein. Bis 2028 sollen dann insgesamt 23 LKH (ohne Waffensysteme, aber aufrüstbar für die Rolle „Kampf“) zulaufen, davon 18 für die Hubschrauberführergrundausbildung und fünf für taktische Weiterbildung. Ein Anteil der Ausbildung soll nach Fritzlar ausgelagert werden, um die Schulung an LKH mit Waffensystemen durchzuführen.
„Wir werden die Ausbildungskapazitäten deutlich ausbauen“, erklärt Oberst Nikolai. Die Anzahl der Hörsäle werde von derzeit fünf/Jahr auf neun/Jahr im Jahr 2030 erhöht. Allein die Heeresfliegertruppe habe jährlich einen Bedarf von 46 Hubschrauberführern. Hinzu kommen die künftigen Piloten für Luftwaffe und Marine sowie die internationalen Teilnehmer. In der Zielperspektive sind es damit 92 Hubschrauberführer/Jahr in der Grundausbildung.
Das Simulator-Problem
Bis zum Jahr 2028 sollen für H145M insgesamt acht Full-Flight-Simulatoren (FFS) im sogenannten Level D (eine Stunde im Simulator wird als eine Stunde Realflug anerkannt) einsatzbereit sein. Geplant war der Start mit vier FFS im Jahr 2026. Die stehen aber absehbar nicht zur Verfügung. Vier EC 135-Simulatoren werden derzeit im bestehenden Simulatorgebäude von einer zivilen Firma zu H145M-FFS umgebaut. Nur die äußere Hülle bleibt. Innen wird das neue Cockpit installiert, das Motion-System wird von hydraulischen auf elektrischen Betrieb umgestellt.
Vertraglich vorgesehen war die Einführung der Simulatoren zum 01.12.2026, erklärte ein Sprecher des BAAINBw auf Nachfrage des HHK. Eine genaue Zeitlinie für die Einführung der Simulatoren kann derzeit noch nicht benannt werden. Es wird derzeit geprüft, die Simulatorausbildung zeitweise bei einem zivilen Dienstleister in Kanada durchzuführen.

© Airbus Helicopters
Operative Relevanz
„Ziel ist es, mit zwölf voll operativ einsatzbereiten Luftfahrzeugen eine Erstbefähigung für den Kampf aus dem bodennahen Luftraum dem Deutschen Heer sowie der NATO im Jahr 2029 zur Verfügung zu stellen“ erklärt Brigadegeneral Dr. Volker Bauersachs, Kommandeur Kommando Hubschrauber, General Flugbetrieb im Heer und General der Heeresfliegertruppe. „Schnell, flexibel, geländeunabhängig und schlagkräftig: Die Aviation Brigade ist die beste Reserve, die sich ein Korps vorstellen kann!“
Im Jahr 2032 will die Heeresfliegertruppe in den geplanten drei Kampfhubschrauberbataillonen über je 24 LKH verfügen und parallel die Ausbildung des fliegerischen Nachwuchses mit 23 Luftfahrzeugen sicherstellen. Insgesamt sind also 95 H145M für das Heer eingeplant. „Mit der ersten Hubschrauberführergrundausbildung ist der Einstieg in den LKH gelungen“, sagt der General der Heeresfliegertruppe. Im Oktober soll die erste Maschine in Fritzlar eintreffen. „Wir müssen jetzt in der Qualifizierung der Bewaffnung entscheidend weiterkommen“, fordert Bauersachs und erwartet eine hohe Verfügbarkeit des Systems.
Digitalisierte Gefechtsführung
Die Fähigkeiten der Heeresflieger liegen bislang insbesondere im Close Fight mit dem Kampfhubschrauber Tiger und dem Lufttransport mit dem NH90. Durch den LKH kommt die Fähigkeit für den Deep Fight, den Kampf in der Tiefe des Raumes, hinzu. Zusätzlich zur Bewaffnung mit 20-mm-Kanone, 70-mm-Raketen (gelenkt und ungelenkt) sowie Spike ER2 wird er über Fähigkeiten im Manned-Unmanned Teaming verfügen, also dem vernetzten Einsatz unbemannter Systeme. Dazu gehören auch Loitering Munition sowie der Einsatz von Air Launched Effects (ALE), unbemannten Flugkörpern mit variablen Aufgaben, die aus dem Hubschrauber heraus gestartet werden. Der operative Einstieg soll 2028 erfolgen, um für eventuelle Aufträge ab 2029 bereit zu sein.
Aus der Brückenlösung werde ein Kampfhubschrauber und Technologieträger, der es in sich habe, freut sich Bauersachs und stellt fest: „Der LKH ist unser Einstieg in eine voll digitalisierte Gefechtsführung. Er ist Ausdruck und fester Bestandteil der Modernisierung des Heeres und der Streitkräfte auf einem digitalisierten, vernetzten und hoch komplexen Gefechtsfeld.“
Burghard Lindhorst
