Das Deutsche Heer hat 2023 mit der Umgliederung der Panzerbrigade 21 den Aufbau der Mittleren Kräfte begonnen. Die Mittleren Kräfte sollen die Fähigkeitslücke zwischen den Leichten und Schweren Kräften schließen.
Das entstehende Kräftekontinuum begegnet den Herausforderungen, die sich aus der Landes- und Bündnisverteidigung vor allem an der NATO-Ostflanke ergeben. Ihr grundlegendes Credo lautet: Fahren und kämpfen auf Rädern. Neben zwei Brigaden mit Leichten und vier Brigaden mit Schweren Kräften werden drei Brigaden mit Mittleren Kräften aufgebaut.
Mittleren Kräfte des Heeres: Stand der Umgliederung
Als erstes wächst die Panzerbrigade 21 zur Brigade Mittlere Kräfte auf. Die Jägerbataillone 1, 413 und 91 sind der Brigade ebenso unterstellt worden wie das Aufklärungsbataillon 7, das Panzerpionierbataillon 1 und das Versorgungsbataillon 7. Das Artilleriebataillon 215 wird seit 2025 neu aufgestellt. Noch in diesem Jahr soll die anfängliche Einsatzbereitschaft (IOC) der Brigade der NATO angezeigt werden und die Brigade kann Aufgaben im Rahmen der Bündnisverteidigung übernehmen. Ein Jahr später soll die volle Einsatzbereitschaft erreicht werden.
Der Zulauf der neuen Systeme hält mit dieser Zeitplanung nicht Schritt. Deshalb wird es erforderlich sein, zunächst mit Substituten zu arbeiten. Das betrifft insbesondere die Artillerie und die Pioniere, die weiterhin mit Kettenfahrzeugen ausgestattet sein werden. Für die Verlegung über große Entfernungen wird die Brigade zunächst noch auf Unterstützung angewiesen sein. Daher wird die Brigade IOC noch nicht über alle geforderten Fähigkeiten verfügen. Zudem wird die Brigade entgegen der angestrebten Zielstruktur über keine Grenadiere verfügen. Die Planung für den Aufbau der Flugabwehrkräfte ist noch nicht abgeschlossen. Ab 2027 soll die Umgliederung der Panzergrenadierbrigade 41 zur Brigade Mittlere Kräfte beginnen. Später folgt die Deutsch-Französische Brigade.
Ausrüstung der Brigade
Trotz der Bezeichnung Panzerbrigade sind Infanteriekräfte unterschiedlicher Ausprägung der Schwerpunkt des Großverbandes. Deren Hauptkampfmittel sind Handfeuerwaffen, wie das neue Sturmgewehr G95, und Mörser, unterstützt durch Maschinenkanonen auf verschiedenen Trägerfahrzeugen. In diesem Artikel liegt der Schwerpunkt auf dem Großgerät, das der Brigade die geforderte Feuerkraft sowie die taktische und strategische Mobilität verleiht. Basis vieler Hauptwaffensysteme ist das Gepanzerte Transport Kraftfahrzeug (GTK) Boxer von ARTEC mit dem querschnittlichen Fahrmodul und Missionsmodulen für die unterschiedlichen Aufgaben. Daneben werden der Piranha von GDELS und der Patria 6×6 CAVS (Common Armoured Vehicle System) als Trägerfahrzeuge eingeführt.
Führungsfahrzeuge
Der Brigadestab und die Bataillonsstäbe sind mit dem Boxer-Führungsfahrzeug ausgestattet, der als bewegliche Kommandostelle den geschützten Arbeitsplatz für den Kommandeur und seinen Stab bereitstellt. Darüber hinaus stehen geschützte und ungeschützte Führungs- und Verbindungsfahrzeuge (Dingo, Eagle) zur Verfügung.
Schwerer Waffenträger Infanterie
Die Einführung des Schweren Waffenträgers Infanterie (sWaTrgInf) hat gerade begonnen. Er löst den Wiesel 1 ab und bringt die Feuerkraft zur Unterstützung des infanteristischen Kampfs in die radbasierten Infanterieverbände. Der Lance-Turm im Missionsmodul trägt die gleiche 30-mm-Maschinenkanone (MK30-2) wie der Schützenpanzer Puma. Sie verschießt programmierbare Airburst-Munition (ABM) zur Bekämpfung von Zielen hinter Deckungen und im Flug (zum Beispiel Hubschrauber und Drohnen). Die ersten Fahrzeuge laufen mit etwa einem Jahr Verspätung jetzt der Truppe zu. Alle 123 bestellten Schweren Waffenträger Infanterie sollen bis 2030 geliefert sein.
Infanteriekampffahrzeug Schakal
Der Radschützenpanzer Schakal ist mit dem Geschützturm des Puma ausgerüstet und kann neben der 30-mm-Hauptwaffe auch Panzerabwehrlenkraketen MELLS einsetzen. Im Kampfraum findet eine Absitzgruppe mit bis zu sieben Soldaten Platz. Der Schakal ist der erste Boxer mit dem neuen Common Drive-Modul, das eine erhöhte Tragfähigkeit von 40 Tonnen besitzt. 44 Schakale sollen den Kern eines Panzergrenadierbataillons bilden, von denen mindestens zwei geplant sind. Bisher sind 185 Schakal bestellt worden, für weitere Fahrzeuge sind Finanzmittel freigegeben, also wird sich die Zahl der Bataillone erhöhen. Die ersten Radschützenpanzer Schakal werden 2027 erwartet. Bis 2031 soll die erste Tranche ausgeliefert sein.
Radhaubitze RCH 155
Das Artilleriebataillon 215 wird als erster Verband mit der Radhaubitze RCH 155 ausgestattet. Die RCH 155 ist die weltweit einzige Haubitze, die während der Fahrt feuern kann; ideal zur Unterstützung der strategischen Verlegung der Mittleren Kräfte. Die Haubitze wirkt mit konventionellen Geschossen auf bis zu 40 Kilometer. Mit moderner Präzisionsmunition wie Vulcano werden Reichweiten bis 70 Kilometer erzielt. Von 229 geplanten Einheiten sind 84 fest bestellt. Erste Serienfahrzeuge sollen ab 2028 an das Bataillon geliefert, bis 2030 soll die Vollausstattung erreicht werden.
