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„Schwerer Waffenträger Infanterie“ wird ab 2025 ausgeliefert

Die Bundeswehr erhält die Boxer-Variante "Combat Reconnaissance Vehicle - RECON II" als neuen "Schweren Waffenträger Infanterie“. ©Australian Government Defense/LSIS Nadav Harel
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Koblenz/Berlin/Canberra, 21. März 2024. In einer digitalen „signing ceremony“ wurde heute die Beschaffung von insgesamt 123 neuen „Schweren Waffenträgern Infanterie“ (sWaTrg Inf) vereinbart. Nach gestriger Billigung durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages konnte der sogenannte Government-to-Government-Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der australischen Regierung geschlossen werden. Dies teilten das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und die Firma Rheinmetall heute mit.

Zur Lieferung der gepanzerten Fahrzeuge wird Australien einen entsprechenden Produktionsvertrag mit dem Hersteller Rheinmetall Defence Australia (RDA) abschließen. Die Boxer-Fahrzeuge sWaTrg Inf werden von RDA unter Nutzung der Produktionskapazitäten am „Military Vehicle Centre of Excellence“ in Redbank, Queensland, hergestellt. Ein weiterer Unterstützungsvertrag wird zwischen dem BAAINBw und Rheinmetall Landsysteme (RLS) geschlossen, der zur Unterstützung in der Nutzung dient und eine Verfügbarkeitsgarantie beinhaltet.

Das Vertragswerk für den schweren Waffenträger wird eingerahmt durch einen Vier-Parteien-Vertrag, der verschiedene Themen zwischen allen Beteiligten regelt, darunter auch die Gewährleistung. Finanziert wird das Vorhaben aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Der Government-to-Government-Vertrag ermöglicht Deutschland die schnellstmögliche Beschaffung von marktverfügbarem Material bei voller Forderungserfüllung zum Einstieg in die Mittleren Kräfte des Heeres.

Das Vorhaben wird auf Basis der australischen Boxer-Variante „Combat Reconnaissance Vehicle – RECON II“ realisiert, die dort im eigenen Projekt „LAND 400 Phase 2“ entwickelt wurde. Dieses System besteht aus einem Boxer-Fahrmodul und einem spezifischen Missionsmodul mit bemanntem Turm. Die Grundkonfiguration des Fahrzeugs ermöglicht die kurzfristige Bereitstellung einer weiteren Variante in der BOXER Produktfamilie und die mittelfristige Versorgung über das bestehende logistische System der Bundeswehr. Zusätzliche Ausbildungen können außerdem deutlich reduziert werden. Gleichzeitig gewährleistet der Kauf marktverfügbarer Fahrzeuge in Australien die schnellstmögliche Ausrüstung der Mittleren Kräfte des Heeres.

Der Radpanzer dient, als Nachfolgesystem des Waffenträgers Wiesel 1, der direkten taktischen Feuerunterstützung und weitreichenden Panzerabwehr für die Infanterieverbände der Bundeswehr. Er vereint die Fähigkeiten von bisher zwei Wiesel 1-Varianten sowie der zum Munitionstransport eingesetzten Zusatzfahrzeuge in einer Plattform und stellt einen idealen Mix aus hoher Verfügbarkeit, Schutz und Modularität dar. Das Waffensystem ermöglicht zudem kurzfristig von anderen Nationen unabhängige Schritte in Richtung Mittlerer Kräfte und damit die mittelfristig dringend gebotene Interoperabilität mit Verbündeten.

Ein erstes Referenzfahrzeug soll noch in diesem Halbjahr zu Nachweiszwecken zur Verfügung stehen. Insgesamt werden 123 schwere Waffenträger an Deutschland geliefert. Die ersten 19 Serienfahrzeuge werden ab 2025 erwartet. Bis 2030 sollen die restlichen 103 Fahrzeuge zulaufen.

Armin Papperger, der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall AG: „Wir sind sehr stolz, mit dem Schweren Waffenträger Infanterie ein wesentliches Element für die neue Kräftekategorie des Deutschen Heeres, die ‚Mittleren Kräfte‘ liefern zu dürfen. Um dem Heer schnellstmöglich die benötigten Gefechtsfahrzeuge zur Verfügung stellen zu können, binden wir nicht nur unsere deutschen, sondern auch die australischen Standorte in unserem Rheinmetall-Netzwerk ein.“

Im vergangenen Jahr war eine umfassende deutsch-australische Kooperation auf den Weg gebracht worden. So hatten Bundeskanzler Olaf Scholz und der australische Premierminister Anthony Albanese im Juli 2023 in Berlin am Rande eines Deutschland-Besuchs ein entsprechendes Grundsatz­abkommen vereinbart. Eine Zusammenarbeitserklärung war zuvor am 23. März 2023 in Canberra durch den australischen Minister für Verteidigungsindustrie, Pat Conroy MP, und den deutschen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Thomas Hitschler, unterzeichnet worden. Damit ist die Grundlage für die weitere vertragliche Ausgestaltung zwischen dem australischen und dem deutschen Verteidigungsministerium sowie auch Rheinmetall gelegt.

In Australien ist Rheinmetall der größte Lieferant von Militärfahrzeugen für die dortigen Streitkräfte. Neben dem im Rahmen des Vorhabens Land 400 Phase 2 gelieferten 211 Boxer-Fahrzeugen – davon 133 in der Variante CRV mit dem bemannten Lance-Turm – betreut das Unternehmen auch die HX-Flotte der australischen Streitkräfte, die über 2900 Fahrzeuge umfasst. Rheinmetall liefert zudem das Täuschkörpersystem Multi-Ammunition Soft-Kill System an die Royal Australian Navy, betreibt Trainingssysteme für die Streitkräfte und hat über 200 HX-LKW an die New Zealand Defence Force ausgeliefert.
(red/PIZ AIN/RM)

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