Marine begibt sich ins XLUUV-Zeitalter

Die Marine testet beim Operational Experimentation (OPEX) das Large Unmanned Underwater Vehicle (Large UUV) Blue Whale in der Eckenförder Bucht, am 12.11.2024.
Die Marine testet beim Operational Experimentation (OPEX) das Large Unmanned Underwater Vehicle (Large UUV) Blue Whale in der Eckenförder Bucht, am 12.11.2024.

Mit der Übernahme des autonomen Unterwasserfahrzeugs BlueWhale durch die Deutsche Marine erreicht der in Grundsatzdokumenten angekündigte Wandel einen ersten sichtbaren Kulminationspunkt: Die Marine ist auf dem Weg zu einer Flotte aus vernetzten bemannten und unbemannten Plattformen unter, auf und über Wasser. BlueWhale ist dabei nicht nur ein weiteres unbemanntes System, sondern ein Schlüsselbaustein im Spannungsfeld von „Kurs Marine 2025“, „Zielbild Marine 2035+“ und den für 2026 formulierten Absichten des Inspekteurs der Marine.

Am 25. Februar 2026 haben TKMS und Israel Aerospace Industries (IAI) im Marinestützpunkt Eckernförde das großformatige autonome Unterwasserfahrzeug Blue-Whale offiziell an die Deutsche Marine übergeben. Die Zeremonie, an der unter anderem BMVg-Staatssekretär Jens Plötner und der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, teilnahmen, markiert
zugleich einen sichtbaren Einstieg Deutschlands in das internationale Segment der Extra Large Unmanned Underwater Vehicles (XLUUV).

Die Übergabe folgt auf erfolgreiche Erprobungen in der Ostsee, die 2024/25 in mehreren Phasen durchgeführt wurden. BlueWhale musste und konnte in einer maritimen Umgebung, die durchaus als akustisch, hydrografisch und nautisch komplex bezeichnet werden kann, seine Fähigkeiten in der Uboot-Ortung, Minenaufklärung und maritimen Aufklärung demonstrieren. Kaack hatte diese Tests bereits im Herbst 2025 als „wichtigen Meilenstein“ im Aufbau unbemannter Unterwasserfähigkeiten und als handfesten Beleg für die Umsetzungsfähigkeit des Kurses Marine bezeichnet. BlueWhale wurde auf der Messe Undersea Defence Technology (UDT) in Rostock im Mai 2023 einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

Kurs Marine 2025, Zielbild 2035+ und die Drohnenflotte

Mit Kurs Marine 2025 und dem Zielbild Marine 2035+ hat die Marine ihren Anspruch formuliert, sich von einer primär plattformzentrierten Flotte zu einer hybriden Flotte als einem vernetzten System aus bemannten und unbemannten Trägern zu entwickeln. In den Dokumenten wird der Aufbau von

  • Future Combat Surface Systems (FCSS),
  • Large Remote Multi-purpose Vessels (LRMV) und
  • Large Uncrewed Underwater Vehicles (LUUV) sowie
  • der systematische Einsatz von Drohnen von Bord über und unter Wasser

nicht als Option, sondern als Zielvorgabe beschrieben. Der Leitsatz „every unit a drone carrier“ macht deutlich, dass unbemannte Systeme als integraler Teil künftiger Einsatzgruppen verstanden werden, nicht als nachgeordnete Nischenfähigkeit. Das Zielbild 2035+ spricht explizit von einer „Vielzahl unbemannter Systeme“, die durch vernetzte Sensorik, KI-gestützte Auswertung und robuste Führungsfähigkeit das Lagebild ergänzen und Wirkung ermöglichen sollen, insbesondere in Randmeeren, beim Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur und zur Abwehr hybrider Bedrohungen.

Im Kurs Marine stellt der Inspekteur eine Zukunft vor, in der unbemannte Systeme in einer hybriden Marine alltäglich sind. Unbemannte Unterwasserfahrzeuge sollen künftig neben bemannten Ubooten die Unterwasseraufklärung übernehmen. Vizeadmiral Kaack hat diese konzeptionelle Linie in seinen „Absichten 2026“ und öffentlichen Äußerungen nochmals zugespitzt: Unbemannte Systeme sollen dort vorne stehen, wo das Risiko hoch ist, die Distanz gering und der Gegner nah, während bemannte Großplattformen im Nordatlantik, in der Ubootjagd und in der kollektiven Abschreckung eingebunden bleiben. Die Marine sei „im Aufbruch“, so Kaack, und erwarte 2026 die „schnelle Übernahme, Integration und Nutzung“ zahlreicher neuer Drohnensysteme auf, unter und über der Wasseroberfläche. Vor diesem Hintergrund wird BlueWhale ausdrücklich als Baustein in einer Gesamtentwicklung verstanden, nicht als isoliertes Einzelprojekt.

Von Hans-Uwe Mergener

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