Der Konflikt im Iran eskaliert weiter. Am Wochenende wurden ein Öltanker und mehrere Stützpunkte angegriffen, immer mehr Seefahrer sitzen in der Region fest.
Die iranische Revolutionsgarde kündigte in der vergangenen Woche eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus an, die den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet. Die Meerenge ist ein wirtschaftliches ebenso wichtiges wie empfindliches Nadelöhr – etwa 20% des weltweiten Ölbedarfs passieren die Straße.
Am Wochenende wurde ein Öltanker angegriffen, der sich in der Region befand. Es handelt sich dabei Medienberichten zufolge um die „Prima“, ein 2010 gebautes und 111 m langes Schiff, das unter maltesischer Flagge fährt. Andere Quellen verbinden den Angriff mit dem Produktentanker „Louis P“, die sich derzeit in der Nähe des saudi-arabischen Hafens King Fahad Industrial Port in al-Dschubail befindet. Darauf deutet auch die Meldung der UKMTO hin, die einen Drohnenangriff auf ein nicht genanntes Schiff meldet, das sich an dieser Position befinde. Die „Louis P“ wurde 2016 gebaut, ist 169 m lang und fährt unter der Flagge der Marshallinseln. Die Revolutionsgarde setzte Drohnen ein, um den Tanker zu beschießen. Die Crew habe „wiederholte Warnungen“ ignoriert, heißt es.
Obwohl die Straße von Hormus auf AIS-Diensten so gut wie leer erscheint, sollen Branchenkreisen zufolge weiterhin Schiffe die Meerenge passieren. Zwar gibt es die Möglichkeit, Schiffe gegen Kriegsrisiken zu versichern. Diese Option sei jedoch enorm teuer und die Raten für Tanker so hoch, dass manche Reeder das Risiko für ihre Besatzung und die Schiffe rechtfertigen. Schon zuvor war es zu Angriffen auf Tanker gekommen.
Iran startet Drohnenangriffe
Neben dem Schlag auf den Tanker hat der Iran auch Drohnen gegen weitere Ziele eingesetzt. So kam es zu großen Offensiven gegen Israel, auch zwei US-Stützpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait wurden getroffen.
Derweil steigt die Zahl der Seeleute, die im Persischen Golf festsitzen, weiter an. Lagen die Angaben zu Beginn der letzten Woche noch bei 7.000, ist die Zahl inzwischen auf 20.000 gestiegen. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez beschrieb die Situation als „inakzeptabel“ und warnte vor dem Risiko, dem die Seeleute ausgesetzt seien. Zudem wies er auf die „hohe psychische Belastung“ hin.
Ölpreis steigt weiter
Der Konflikt hat direkte Auswirkungen – unter anderem auf den Ölpreis. Der Krieg sowie die Sperrung der Straße von Hormus führten dazu, dass der Preis für die Sorte „Brent“ zwischenzeitlich um 20% auf 111 $ je Barrel anstieg.
Eine De-Eskalation scheint derzeit weiterhin nicht in Sicht. Staaten ind er Region warnten den Iran vor weiteren Angriffen; Saudi-Arabien drohte, dass Teheran der „größte Verlierer“ des Konflikts sein werde. Die Türkei brachte zuletzt Kampfjets in Stellung auf Zypern, während Israel Angriffe auf die iranische Stadt Isfahan meldete. Die Ukraine, die sich selbst gegen Russland verteidigen muss, schickte Drohnen zum Schutz von US-Stützpunkten in der Region.
Die iranische Regierung scheint indes ihren bisherigen Kurs weiterzuverfolgen. Darauf deutet auch die Wahl von Modschtaba Chameini, Sohn des getöteten Ayatollah Ali Chameini, zum neuen religiösen Oberhaupt des islamisch geführten Staats hin.

