Mit dem System PEGASUS (Persistent German Airborne Surveillance System) vollzieht die Bundeswehr einen historischen und strategisch entscheidenden Schritt: den Wiederaufbau einer bedeutenden Fähigkeit moderner Streitkräfte, der luftgestützten signalerfassenden Aufklärung.
Seit der Außerdienststellung der alten Aufklärungsflugzeuge vom Typ Breguet Atlantic im Jahr 2010 bestand eine Fähigkeitslücke in diesem Bereich. PEGASUS ist das Waffensystem, um diese Lücke dauerhaft zu schließen und Deutschland wieder in die Lage zu versetzen, elektronische Signale über große Distanzen hinweg autonom aufzuklären, ein Faktor, der in der aktuellen sicherheitspolitischen Lage von herausragender Bedeutung ist.
Das technische Konzept: Zivile Basis für militärische Missionen
Im Gegensatz zu klassischen Militärflugzeugen setzt PEGASUS auf eine bewährte zivile Plattform, die umfassend für militärische Zwecke umgerüstet wird. Die Basis bildet das Geschäftsreiseflugzeug Bombardier Global 6000, eine strategische Entscheidung zugunsten von Effizienz und Zuverlässigkeit.
- Die technischen Eckdaten der Plattform unterstreichen ihre Eignung für Langstreckenmissionen:
- Reichweite: Circa 11.000 Kilometer ermöglichen den Einsatz in weit entfernten Räumen ohne häufige Tankstopps.
- Geschwindigkeit: Bis zu 950 Kilometer pro Stunde erlauben eine schnelle Reaktion auf sich ändernde Lagen.
- Einsatzprofil: Langstrecken-Aufklärung aus großer Flughöhe, was die Überlebensfähigkeit erhöht und den Sicht- und Erfassungsbereich maximiert.
- Flottenstärke: Geplant ist zunächst der Aufbau einer Flotte aus drei Flugzeugen, die eine lückenlose Abdeckung gewährleisten sollen.
Die Global 6000 dient als ideales Trägerfahrzeug, da sie über die notwendige Stabilität, den Platz für Sensoren und die Energieversorgung verfügt, um komplexe Aufklärungssysteme zu betreiben, ohne dabei die aerodynamischen Eigenschaften eines reinen Kampfflugzeugs zu benötigen.
Die Kernfähigkeit: SIGINT – das unsichtbare Ohr im elektromagnetischen Umfeld
Das Herzstück von PEGASUS ist die Fähigkeit zur Signals Intelligence (SIGINT). Diese Technologie erlaubt es der Bundeswehr, das elektromagnetische Umfeld nicht nur wahrzunehmen, sondern aktiv zu analysieren. Das System erfasst, klassifiziert und lokalisiert drei Hauptkategorien von Signalen:
- Kommunikationssignale: Dazu gehören militärische Funkgeräte, Datenlinks und Kommunikationsnetze.
- Radarsignale: Die Erfassung von Suchradaren, Feuerleit- und Luftabwehrradaren.
- Allgemeine elektronische Emissionen: Jedes Gerät, das Funkwellen aussendet, kann potenziell identifiziert werden.
Durch die Analyse der gewonnenen Daten wird die Bundeswehr zu einem bestimmenden Akteur im Informationsraum. Kommunikationsstrukturen können aufgedeckt, Radarstellungen präzise lokalisiert und gegnerische Aktivitäten in Echtzeit bewertet werden. Das Ergebnis sind detaillierte Lagebilder, Frühwarnungen vor militärischen Aktionen und fundierte Bedrohungsanalysen, die für die Entscheidungsfindung auf höchster Ebene unverzichtbar sind.
Missionssystem aus deutscher Hand
Das zentrale Aufklärungssystem, das diese Fähigkeiten erst ermöglicht, stammt von dem deutschen Technologieunternehmen Hensoldt und repräsentiert den aktuellen Stand der Technik im Bereich der Fernmeldeaufklärung und Elektronischen Aufklärung.
Ein entscheidendes Merkmal ist seine rein passive Arbeitsweise. Das System sendet keine eigenen Signale aus, sondern klärt ausschließlich das elektromagnetische Umfeld auf. Die technischen Fähigkeiten umfassen:
- Breitband-Erfassung: Es deckt einen breiten Frequenzbereich ab und erfasst somit fast
alle modernen militärischen Kommunikationssysteme. - Geolokation: Durch die Auswertung von Signalen können die genauen
Standorte von Sendern ermittelt werden (Triangulation). - Echtzeitanalyse an Bord: Die Daten werden nicht erst am Boden ausgewertet, sondern bereits im Flug
durch leistungsstarke Computer analysiert. Dies reduziert die Reaktionszeit erheblich. - Sensorfusion: Das System kann Daten aus verschiedenen Sensoren zusammenführen und korrelieren, um ein
konsistentes und genaues Lagebild zu erstellen.
Durch den Einsatz von KI-Algorithmen kann das Missionssystem aus riesigen Datenmengen automatisch neue Bedrohungsmuster erkennen und eine elektronische Gefechtsfeldaufstellung (EOB) generieren, die zeigt, wo sich welche gegnerischen Systeme befinden