Für den „Fight tonight“ ist die Priorisierung der vorhandenen materiellen Ausstattungen gegenwärtig unverzichtbar!
Herr Oberst, seit Mai 2024 gelten mit Inkrafttreten des „Osnabrücker Erlasses“ für die Bundeswehr neue Grundsätze zur Spitzengliederung und Führungsorganisation. Was hat sich für das ABC-Abwehrkommando der Bundeswehr geändert und wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit der neuen Struktur?
Mit dem Inkrafttreten des sogenannten „Osnabrücker Erlasses“ im Mai 2024 wurden die Führungsstrukturen der Bundeswehr insgesamt klarer, stringenter und stärker auf die Prinzipien der Einsatzorientierung und Verantwortungsbündelung ausgerichtet. Für das ABC-Abwehrkommando bedeutete dies vor allem eine präzisere Einordnung in die übergeordnete Führungsstruktur sowie eine stärkere Fokussierung auf die eigenen Kernfähigkeiten. Konkret hat sich gezeigt, dass Entscheidungswege gestrafft und Zuständigkeiten eindeutiger definiert wurden. Die Trennung zwischen truppendienstlicher Führung, Fähigkeitsentwicklung und Einsatzverantwortung ist klarer herausgearbeitet, was insbesondere in der Zusammenarbeit mit übergeordneten Kommandobehörden und im multinationalen Kontext zu mehr Transparenz führt. Gleichzeitig wurde die Rolle des Kommandos als zentraler Fähigkeits- und Expertiseträger im Bereich der ABC-Abwehr gestärkt. Aus meiner bisherigen Erfahrung heraus wirkt sich die neue Struktur positiv aus. Besonders die klareren Verantwortlichkeiten und verkürzten Abstimmungswege erhöhen die Reaktionsfähigkeit und unterstützen eine zielgerichtete Weiterentwicklung unserer Fähigkeiten. Natürlich bringt ein solcher Strukturwandel auch Anpassungsbedarf mit sich, etwa in der Feinabstimmung von Schnittstellen oder in etablierten Arbeitsabläufen. Diese Herausforderungen waren erwartbar und werden derzeit konstruktiv bearbeitet.
In der Gesamtbetrachtung bietet die neue Führungsorganisation aus meiner Sicht eine gute Grundlage, um die ABC-Abwehr noch konsequenter auf die aktuellen und zukünftigen Bedrohungslagen auszurichten und unseren Auftrag wirksam zu erfüllen.
Ebenfalls im vergangenen Jahr nahm das Kommando mit der Umgliederung der bisherigen aktiven und nichtaktiven ABC-Abwehrbataillone zu zwei teilaktiven Regimentern eine neue Gliederung ein. Welchen Gewinn an Fähigkeiten und Ressourcen bedeutet das?
Den ersten großen Schritt haben wir mit der Aufstellung der teilaktiven Regimenter, also der Zusammenlegung des jeweils aktiven mit dem nichtaktiven Bataillon gemacht. Der neue Regimentskommandeur hat nun das Kommando und die Verantwortung nicht nur über seine aktiven Kräfte, sondern gerade auch über seine Reservekompanien. Wir brauchen eine starke Reserve, gut ausgebildet, ausgestattet und so in Übung gehalten, dass sie im Notfall sofort einsatzbereit ist, damit mit den Reservistinnen und Reservisten ein taktischer Mehrwert erzielt wird.
Ausscheidende Zeitsoldatinnen und -soldaten sowie zukünftig ebenfalls die entlassenen Kameradinnen und Kameraden können nach ihrer Zeit als Wehrdienstleistende sofort im Verband beordert werden. Die Entscheidung des Generalinspekteurs, nun auch nichtaktive Einheiten materiell voll auszustatten, ist deshalb für uns ein großer Schritt nach vorne. Insgesamt hat die Einnahme der Regimentsstrukturen Zwischenführungsebenen abgebaut und zur Stärkung der Manöverelemente, insbesondere im Bereich ABCAufklärung, beigetragen.
Zudem gibt es noch das bereits 2022 aufgestellte ABC-Abwehrregiment 1. Wie sind der aktuelle Sachstand und die weiteren Planungen?
2022 haben wir das Regiment vorerst durch Binnenkompensation der Dienstposten aus dem Kommandobereich aufgestellt, um die Voraussetzungen für den strukturellen Aufwuchs zu schaffen. Seit Januar 2026 haben wir die circa 700 hierfür erforderlichen Dienstposten aus dem erweiterten Planungsrahmen zugewiesen bekommen, das heißt, jetzt kann es richtig losgehen mit dem Aufwuchs des Regimentes. Im Schwerpunkt gilt es die Infrastrukturprojekte am Standort zu forcieren und intensiv Personalwerbung und Personalgewinnung zu betreiben. Hierzu ist der Verband unter anderem damit beauftragt, ab Oktober 2026 beginnend eine Grundausbildung – im neuen Sprachgebrauch Heimatschutzausbildung – für bis zu 250 Rekrutinnen und Rekruten durchzuführen.
Die Bundeswehr soll weiterwachsen und braucht dazu auch die entsprechenden Mittel und Kräfte zur ABC-Abwehr. Sind weitere Aufstellungen geplant?
In Bezug auf den Aufwuchs der Bundeswehr sind durch mich als Verantwortlicher für das System ABC-Abwehr in der Bundeswehr alle Befähigungsstufen zu betrachten. Die Basisbefähigung, die das Überleben der oder des Einzelnen sicherstellen muss, bedarf natürlich der Vollausstattung mit der ABC-Schutzmaske und der persönlichen ABC-Schutzbekleidung. Die erweiterte Befähigung bezeichnet die vorbereitenden und reaktiven Maßnahmen auf den Ebenen der Einheiten, Verbände, Einrichtungen oder Dienststellen der Bundeswehr zum Schutz und zur begrenzten Fortführung des Auftrags unter ABC-Bedingungen.