Die elektronische Gesundheitsakte

Noch werden bei der Triage wie hier bei der Übung „Medic Quadriga 2025“ herkömmliche Verfahren wie Laufzettel verwendet, in Zukunft will die Bundeswehr die Rettungskette digitalisieren. (Foto © Boes)
Noch werden bei der Triage wie hier bei der Übung „Medic Quadriga 2025“ herkömmliche Verfahren wie Laufzettel verwendet, in Zukunft will die Bundeswehr die Rettungskette digitalisieren. (Foto © Boes)

„Cornerstone“ der digitalen Transformation der Gesundheitsversorgung

Die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (GesVersBw) ist derzeit noch von isolierten Datenquellen geprägt. Auszugsweise seien handschriftliche Krankenakten, einzelne Expertensysteme (beispielsweise Krankenhausinformationssystem) und behördliche Register genannt. Diese Datensilos erschweren den schnellen Zugriff auf relevante Befunde, erhöhen das Risiko von Fehlentscheidungen und führen zu unnötigen Doppeluntersuchungen.

Die elektronische Gesundheitsakte der Bundeswehr (eGABw) wird zukünftig sämtliche gesundheitsrelevanten Informationen aus den Primärsystemen bündeln: Anamnese, Diagnose, Befunde, Laborwerte, Bildgebung, Medikationshistorie, Impfungen etc. an einem einzigen virtuellen Ort. Damit wird die Grundlage geschaffen für eine Single Source of Truth. Das Vorliegen strukturierter, qualitätsgesicherter Gesundheitsdaten ist auch Voraussetzung, um Analysen und Entscheidungen mithilfe von KI-Methoden sachgerecht zu unterstützen.

Im Kern der Anfangsbefähigung der eGABw steht das Health Information Management System (HIMS). Das HIMS ist keine Ersatzlösung für bestehende Expertensysteme (Radiologie-Informationssystem (IS), Labor-IS, Pathologie-IS usw.), sondern ein Integrations- und Orchestrierungs- Hub, der Daten aus den Primärsystemen verbindet und für den Nutzer bereitstellt. Hiermit verbunden ist das Ziel, die Versorgungs- und Begutachtungsqualität zu steigern und Daten interoperabel für weitere zukünftige Applikationen bereitzustellen. Es befindet sich bereits in der Realisierungsphase durch die BWI GmbH und die Schweizer Firma the-i-engineers AG. Über das HIMS umfasst die vernetzte GesVersBw zukünftig neben den bundeswehrinternen, sektorenübergreifenden Geschäftsprozessen auch die Zivil-Militärische Zusammenarbeit und die multinationale Kollaboration im Bündnis.

Kernfunktionen des HIMS

  • Integration & Orchestrierung: Das System als Integrationsplattform verbindet eine heterogene Systemlandschaft (Primäranwendungen aus ambulanter und stationärer Versorgung, medizinische Geräte, externe Schnittstellen) über etablierte Standards wie HL7 FHIR, DICOM und REST-APIs. Dadurch entsteht eine einheitliche Datenbasis.
  • Fachliche Unterstützung: Als zentraler Service für die elektronische Gesundheitsakte werden mit Termin-, Dokumenten- und Auftragsmanagement Prozesse in der Gesundheitsversorgung unterstützt, sodass der administrative Workload in allen Teilprozessen des Leistungsprozesses „Gesundheitsversorgung sicherstellen“ reduziert werden kann.
  • Dokumente & Daten: Die Dokumentenmanagementfunktion ermöglicht ein Metadaten-Management und wird durch eine zentrale Suche mit Multimedia-Archiv ergänzt. Dieses Multimedia-Archiv ist eine zentrale Ablage für beliebige Dokumenten- und Medientypen und fungiert als Langzeitspeicher.
  • Analyse & Auswertung: Unter Beachtung der regulatorischen Vorgaben wird HIMS als Plattform für Auswertung und Analyse in der Lage sein, Datensätze zu anonymisieren, pseudonymisieren und nach Nutzervorgaben zu transformieren für Use Cases wie Reports oder Dashboards.

Durch diese Säulen wird das Health Information Management System zum Single Truth Provider für den „Datenschatz” der Gesundheitsversorgung. HIMS wird ein Referenz-Informationsmodell nutzen, das an HL7 FHIR angelehnt ist und Industriestandards im Bereich der Terminologien wie unter anderem SNOMED CT, ICD-10-GM (perspektivisch ICD-11) und LOINC unterstützt. Die Interoperabilität mit dem zivilen Gesundheitssystem wird durch die Berücksichtigung und Implementierung der Standards der Telematikinfrastruktur sichergestellt.

Von Autorenteam Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr

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