Der HHK öffnet seine Archive. Wir werden ab jetzt in regelmäßigen Abständen unter dem Namen „DAMALS“ interessante Artikel und Einblicke aus der Vergangenheit veröffentlichen. Dies allerdings nicht aus rein historischen Gründen, sondern weil die Gedanken und Überlegungen heute angesichts der steigenden Aggression Russlands wieder aktueller sind denn je. Den Beginn macht dieser Artikel: 100 Jahre Deutsche Minenabwehrstreitkräfte, der in der Ausgabe 6 des Jahres 2005 erschien.
100 Jahre Deutsche Minenabwehrstreitkräfte – Teil 1
100 Jahre Deutsche Minenabwehrstreitkräfte Teil 1 Es begann am 31 . März 1905 um 14.20 Uhr. Zu dieser Stunde entstiegen Soldaten der „Nordseestation“ einem Sonderzug im Cuxhavener Bahnhof. Wenige Stunden später, genau um 20.37 Uhr folgten weitere Kameraden der „Ostseestation“. Diese Männer der ersten Stunde bildeten tags darauf die „Minenkompagnie“ und hatten den Auftrag, eine neue maritime Komponente aufzubauen: die Deutschen Minenabwehrstreitkräfte. Wie ist es aber zu erklären, dass diese Streitkräfte erst über ein Vierteljahrhundert nach der Einführung der Mine selbst ihren Dienst aufnahmen? Und: wie hat sich dieses eher defensive Seekriegsmittel seither entwickelt? Der nachfolgende Artikel wird sich im Kern mit diesen Fragen befassen. Die internationale Seeminenentwicklung und die Reaktion der deutschen Minenabwehr geben dabei im Wesentlichen die Gliederung vor.
Die Geburtsstunde
Lange führte die Seemine ein unbeachtetes und unauffälliges Dasein . Zwar konnte die Mine im deutsch-dänischen Krieg 1848 den Kieler Hafen vor der Invasion der überlegenen dänischen Flotte schützen, die Abhängigkeit einer manuell einzuleitenden Zündung jedoch beschränkte ihren Einsatz auf Sichtweite. 1877 hatte die Deutsche Marine ihre Minenentwicklungen zur Serienreife vorangetrieben und gab mit der C/77 ihre erste Ankertaumine, die bei Berührung die Detonation einleitete, in Produktion. Ähnliche Minenentwicklungen fanden in allen bedeutenden Marinen statt. Trotzdem maß man der Mine selbst nur eine zweitklassige, ja sogar heimtückische Rolle bei und schrieb ihr bestenfalls im Rahmen der Küstenverteidigung einen defensiven Beitrag zu.
Einer solch geringen Bedrohung wollte man durch ein leichtes Minensuchgerät begegnen, mit welchem jedes deutsche Linienschiff ausgestattet wurde. Dampfbarkasse und -pinasse fuhren mit diesem Gerät dem Mutterschiff voraus. Würde eine Mine festgestellt, so sollte das Linienschiff die Mine umfahren und so der Gefahr entgehen. Hiermit glaubte man sich ausreichend gewappnet und sah im Umgang mit der Mine ,, … keine besonderen Schwierigkeiten … “ voraus.
Wozu also spezielle Minenabwehrstreitkräfte?
Internationale Aufmerksamkeit erfuhr die Seemine 1904 im Russisch-Japanischen Krieg. Mehrere russische und japanische Kriegsschiffe gingen durch Minentreffer verloren oder wurden schwer beschädigt. Die Hilf- und Machtlosigkeit gegenüber der Mine, die Fehleinschätzung ihrer Bedrohung und ihre offensive und defensive Verwendbarkeit wurden schlagartig auch von der kaiserlichen Marine erkannt. Als Reaktion wurde am 1.4.1905 in Cuxhaven eine Minenkompanie aufgestellt, deren Aufgabe die Ausbildung der Besatzungen des Minen- und Minensuchdienstes war. Mit sechs kleinen (und veralteten) Torpedobooten nahmen die Männer dieses Verbandes ihren Dienst auf. Die anfängliche Ausrüstung bestand zunächst aus dem bereits oben erwähnten leichten Minensuchgerät, welches sich nach und nach als primitiv und weit gehend untauglich herausstellen sollte.
Gleiches galt für die Boote selbst, die nur soweit verändert wurden, um Platz für das Minenabwehrgerät zu schaffen. leichte Suchgeräte, sowie leichte und schwere Räumgeräte wurden nach und nach entwickelt und eingerüstet. Während das leichte Suchgerät der Überprüfung der Seewege und der Feststellung von Minen diente, wurde das leichte Räumgerät zu deren Beseitigung eingesetzt und arbeitete zuverlässig. Das schwere Räumgerät dagegen hatte zwar eine größere Räumbreite, war aber weniger brauchbar. Es zerriss die Ankertaue bzw schleppte die Minen zusammen, so dass sie sich gegenseitig vernichteten. Verschleppte aber auch einzelne Minen oder deren Gefäße tauchten unter dem Räumgerät unbeschadet durch. Alle Geräte waren Verbundgeräte und wurden von zwei oder mehr Fahrzeugen gezogen.
Bis 1914 sollte sich auf diesem Gebiet nur wenig verändern; den Minensuchern blieb weiterhin ein Rand- und Schattendasein vorbehalten. Auch schien das Vertrauen in die Minensucher – besonders in den ersten Jahren – nur gering zu sein. In der zum Ende des ersten Jahrzehntes veröffentlichten ,,Marine-Kunde “ traut man den Räumgeräten im besten Fall ein Verschleppen der Minen zu. Beseitigungsmöglichkeiten sieht man eher in der „Gegenmine „, einer starken Sprengladung, die in der Nähe befindliche Minen zur Detonation bringen sollte oder dem Opfergang von „geringwertigen“ Schiffen, die der Flotte vorausfahrend sich „ selbst … dabei opfern“ sollten . 1912 wurde mit der „Einheitsmine Typ A“ (EMA) eine weiterentwickelte Ankertaumine eingeführt, die gegenüber der zuverlässiger, wirksamer und einfacher zu bedienen war.
Erster Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg wurde zur Bewährungsprobe der noch jungen Minenabwehrstreitkräfte, wie der kaiserlichen Marine selbst. Minen wurden von allen Kriegsparteien in großer Stückzahl und praktisch „weltweit“ eingesetzt. Mehrere 100.000 Minen forderten knapp 400 Kriegsschiffe und über 500 Handelsschiffe als Opfer. Wie bereits oben angedeutet sollten sich hierbei die im deutschen Minenabwehrdienst befindlichen Fahrzeuge – fast ausschließlich ehemalige T-Boote – für die gewaltige Aufgabe des Minensuchens als untauglich erweisen. Der Entschluss, spezielle Fahrzeuge zu entwickeln und einzuführen, die auch die Bezeichnung „Minensuchboot“ verdienten, fand in rekordverdächtiger Zeit seine Umsetzung. Schon nach wenigen Monaten konnte das erste Minensuchboot in Dienst gestellt werden und bereits im Jahre 1915 gingen die ersten Boote in den Fronteinsatz. Aus diesen anfänglich skeptisch betrachteten Einheiten entwickelte sich bis zum Folgejahr das M-Boot Typ 16, welches mit 525 t Verdrängung auch den Anforderungen der Nordsee überaus gerecht wurde und sich hervorragend bewähren sollte.

Wenngleich die Verluste durch Minen beträchtliche Ausmaße annahmen, rangierten diese „Erfolge“ doch weit hinter den Versenkungen, die durch die gleich junge Torpedowaffe erzielt wurden. Vielleicht wurde auch aus diesem Grunde die Mine und ihre Gefahr, die sie auch für standfeste und schwere Einheiten darstellte, immer wieder unterschätzt, wenn nicht gar völlig übersehen. Dabei wurde die Mine, insbesondere auf russischer Seite, erheblich weiterentwickelt. Dieses zeigte sich u.a. in der Steigerung ihrer Sprengkraft, ihrer Einsatztiefe, aber auch ihrer Räumresistenz, welches die Seemine zu einem wichtigen und effizienten Seekriegsmittel heranreifen ließ. Bereits im ersten Kriegsjahr wurde die deutsche GOEBEN durch zwei russische Minen im schwarzen Meer an der Ansteuerung zum Bosporus beschädigt. Die Minen lagen auf 180 m Wassertiefe, ,, … was bis dahin nicht für möglich gehalten war“. Hierdurch wurde die Mine zu einem Kampfmittel, welches auch fern der eigenen Küste eingesetzt werden konnte.
Bei den Kämpfen um die Halbinsel Gallipoli kam der Seemine ein weiteres Mal eine wesentliche Bedeutung zu. Minen sperrten sehr wirkungsvoll die Dardanellen. Da dieses Minenfeld landseitig auch durch Artillerie geschützt wurde, konnten die Al liierten keine Minenabwehrverbände einsetzen, um eine Sperrlücke zu schlagen. Um wiederum die landfesten Artilleriestellungen zu schützen, wurde ein kleines, aber sehr effizientes Minenfeld auf der mutmaßlichen „ Bombardementstellung … ausgelegt“. In diesem Minenfeld sanken drei englische Linienschiffe und ein Schlachtkreuzer erlitt erhebliche Schäden. So verhinderte die Mine den Durchbruch der überlegenen al liierten Seestreitkräfte.
Die Grenzen der Minenabwehr dagegen deckte das Unternehmen „Albion“ auf. Unter diesem Decknamen verstand sich die Landung deutscher Heeresverbände auf den baltischen Inseln im Oktober 1917. Zwar wurde die russische Minenbedrohung korrekt eingeschätzt, jedoch beschränkten sich die Minenabwehrmaßnahmen aus Gründen der Geheimhaltung der Gesamtoperation zeitlich auf das Unternehmen selbst. Hierdurch wollte man verhindern, dass die Minenräumoperationen Hinweise auf eine geplante Landung gäben und so das gesamte Unternehmen in Gefahr brächten. Die Sperrlücken sollten also während des Anmarsches der Flotte durch unmittelbar voranfahrende Minenräumverbände geschlagen werden, eine Taktik, die bislang nicht ausreichend eingeübt wurde. Die vorgesehenen Anmarschwege mit Kursänderungen von annähernd 90 Grad, wie auch die Wetterbedingungen behinderten die Minensuchboote dergestalt, dass deren ohnehin geringe Marschgeschwindigkeit noch weiter reduziert wurde, und so der Zeitplan der Operation in Gefahr geriet. Deshalb wurden die Minenabwehreinheiten von dieser Aufgabe entbunden und die Flotte marschierte ohne diesen Schutz weiter voran. Während Minenräumoperationen in Sichtweite einer folgenden Flotte gewährleisteten, dass sich diese auch im abgesuchten Wasser aufhält, waren die dürftigen Navigationsmittel während der Operation „Albion“ indirekte Ursache diverser Minentreffer an deutschen Kriegsschiffen. Die zeitgleich zum Anmarsch durchgeführten abgesetzten Minenräumoperationen in der Tagga-Bucht hatten eine navigatorische Ungenauigkeit von annähernd zwei Seemeilen. Diese führte dazu, dass die für die deutschen Kampfeinheiten vorgesehenen Gebiete nur teilweise bzw. gar nicht abgesucht wurden. So wurden innerhalb weniger Minuten u.a . die Linienschiffe BAYERN und GROSSER KURFÜRST durch Minen beschädigt. Zur Ehrenrettung der Minensuchverbände sei aber erwähnt, dass die eigens hierfür verankerten Feuerschiffe den Navigationsfehler verursacht hatten . Gleichwohl forderte die Operation ,,Albion“ den vollen Einsatz der Minensuchverbände. 156 Männer fielen, mehrere Minensuch- und -räumboote gingen verloren.
Bewertet man die Operation „Albion“ aus Sicht der Minenabwehr, so wird deutlich, dass die vorhandenen Verbundgeräte zu schwerfällig waren und nur bei geringem Seegang und geringer Geschwindigkeit effektiv arbeiteten. Darüber hinaus benötigen Minenabwehroperationen Zeit! Die Räumfahrt liegt deutlich unter zehn Knoten und erlaubt kein zeitgleiches Anrücken der Flotte mit den Minensuchverbänden. Dabei garantiert ein einmaliges Überlaufen mit ausgebrachtem Gerät auch nicht den gewünschten Freiräumungsgrad. Die ungenauen Navigationsmittel erfordern ferner, abgesuchte Gebiete mit Fahrwasserbojen oder anderen geeigneten Mitteln zu bezeichnen, um sicherzustellen, dass die zu schützenden Fahrzeuge sich auch dort aufhalten, wo die Minensucher ihre Arbeit geleistet haben.
Trotz der objektiven Minenerfolge wurde der Minenentwicklung von deutscher Seite nicht der erforderliche Nachdruck verliehen. Im Prinzip wurde die bereits zu Beginn des Krieges vorhandene Seemine nur weiterentwickelt und in einigen Details verbessert. Dieses führte auf englischer Seite dazu, dass der Hilflosigkeit zu Beginn des Krieges bald eine Beherrschung der Situation folgte. Einerseits gelang es den Engländern, deutsche Minenlegeoperationen in englischen Gewässern wirkungsvoll zu verhindern, andererseits wurden die Abwehr- und Schutzmaßnahmen konsequent weiterentwickelt. Die anfänglich völlig unzuverlässig arbeitenden Verbundgeräte wurden verbessert und durch Einschiffgeräte (,,schnelle Heckgeräte“) ergänzt. Schiffsschutzgeräte, so genannte Paravane wurden entwickelt und schützten die englischen Großkampfschiffe annähernd hundertprozentig gegen deutsche Ankertauminen, wobei sie eine Marschfahrt bis 28 Knoten erlaubten; welch ein Unterschied zu den primitiven deutschen B ugsch utzgeräten, die bestenfalls bis 14 kn wirksam arbeiteten. Auch die Minenentwicklung wurde auf englischer (und amerikanischer) Seite zunächst bedächtig, ab 1917 konsequent vorangetrieben. Wesentliche technische Verbesserungen der Mine, aber auch die Entwicklung effektiver Minenlegetaktiken, steigerten den Kampfwert des Minenfeldes erheblich. So verhinderte die Einführung der Antennenmine, dass U-Boote eine Ankertauminensperre einfach untertauchen konnten. Die Genauigkeit bei der Bestimmung der Gefäßtiefe erlaubte bei hoher Sicherheit, dass flach gehende Fahrzeuge die eigenen Minensperren schützten und darüber hinaus auf Grund ihrer Anwesenheit dem Gegner eine Minenfreiheit suggerierten. Umgekehrt sorgten „Scheinsperren“ zur irrigen Annahme der Anwesenheit von Minen, hielten aber diese Gebiete für eigene Operationen offen.
Und schließlich führten Beobachtungen englischer U-Boote zu ausgereiften Minenlegetaktiken, indem sie die deutschen Minenabwehrmethoden und -taktiken aufklärten. Zum Ende des Krieges kamen auf englischer Seite völlig neuartige Minen zum Einsatz. Es handelte sich um die ersten Grundminen, die auf das Magnetfeld eines passierenden Schiffes reagierten und hierdurch zur Detonation kamen. Diese Abstandsminen konnten durch keines der vorhandenen Räumgeräte geräumt werden. Das baldige Ende des Krieges jedoch verhinderte größere Erfolge dieser Mine, wie auch die Entwicklung entsprechender Abwehrgeräte.
Entwicklung der Minenabwehr zwischen den Kriegen
Mit dem verlorenen Krieg und den unmittelbaren Auswirkungen, der katastrophalen Versorgungslage und den Zwängen des Versailler Vertrages, war die militärische Stärke Deutschlands auf einem Tiefpunkt angekommen. Artikel 193 des Versailler Vertrages verpflichtete den Verlierer zum Räumen der noch ausliegenden Seeminen. Hierzu ordneten die Siegermächte an, eine Anzahl von Minenräumfahrzeugen in Dienst zu halten . Diese Aufgabe wurde zur wichtigsten der Marine und stellte eine gehörige Herausforderung dar. Zwar herrschte weniger ein Mangel an geeigneten Fahrzeugen als vielmehr an Personal. Zu stark war die anti-militärische Haltung in der Bevölkerung. Trotz der allgemeinen Not konnte das erforderliche Personal nur mit Mühe angeheuert werden, obwohl die Bezahlung erheblich angehoben und zugleich Gefahrenzulagen, Hinterbliebenenversorgung und andere Vergünstigungen gewährt wurden. Im Frühjahr 1919 umfassten die Minenräumverbände in Nord- und Ostsee über 250 Fahrzeuge. Mit diesen wurden die Hauptverkehrswege innerhalb weniger Monate von der Minenbedrohung befreit. Mit Erreichen dieses Teilzieles konnte die Anzahl der Minenräumverbände erheblich reduziert und das verbleibende Personal in die vorläufige Reichsmarine übernommen werden. Die Beseitigung der restlichen Minenbedrohung blieb auch die nächsten Jahre noch eine wichtige Aufgabe, welche u.a. durch die Kohlenknappheit und andere Ereignisse erheblich behindert wurde und erst 1922 für erledigt erklärt wurde.
36 M-Boote wurden von der Reichsmarine in Dienst gehalten, aber zunächst für andere Aufgaben eingesetzt; von einem regulären Minenräumverband konnte nicht mehr die Rede sein . Erst im Oktober 1924 wurde mit der 1. Minensuchhalbflottille wieder ein kleiner, aus vier Booten bestehender Minensuchverband ins Leben gerufen. Hieraus entwickelte sich in den Folgejahren eine einsatzbereite und für den Minenabwehrkampf gut ausgerüstete Minenabwehrkomponente. Mit Neubauten, wie den M-Booten 1935 und 1939 wurden auf die „hervorragenden Erfahrungen “ der M-Boote 1916 zurückgegriffen.

Darüber hinaus waren diese Boote mit einer beachtlichen Artilleriebewaffnung ausgestattet, waren ölbefeuert und 18 kn schnell. R-Boote, kleine, wendige und schnelle Fahrzeuge, rundeten den maritimen Fuhrpark ab. Diese M- und R-Boote sollten sich auf allen Kriegsschauplätzen bewähren; doch dazu später. Der Versailler Vertrag verbot auch die Entwicklung von Seeminen. Dennoch fand sie auf deutscher Seite im Geheimen statt und knüpfte an die bereits im Ersten Weltkrieg begonnenen Versuche an, die u.a. der Untersuchungen des Einflusses eines passierenden Schiffes auf das Erdmagnetfeld galten. Diese Forschungen durch den Physiker Prof. Dr. Bestelmeyer führten bereits 1924 zu gesicherten Ergebnissen und 1929 zur Beschaffung der ersten Grundminen mit c Diese Mine bildete auch die technische Basis für durch U-Boote (TMB & TMC) und Flugzeuge legbare Grundminen (LMA & LMB), die in den Folgejahren entwickelt wurden .
Die Nachkriegszeit wurde aber auch dazu genutzt, eigene und anderer Erfahrungen in der Minenabwehr mit dem Ziel auszuwerten, bessere und effektivere Räumgeräte zu entwickeln. Nach englischen Vorbild wurde ein Einschiffgerät (Scherdrachengerät = SDG) entwickelt, das durch Seherdrachen auf Breite geschert, durch einen Tiefendrachen und Trageschwimmer auf eine gewünschte Tiefe gebracht wurde. Die Räumleine konnte hierbei mit Schneidgreifern, später auch mit Sprenggreifern bewehrt werden, welchen die Aufgabe zukam, das Minenankertau zu durchtrennen . Das SDG hatte diverse Vorteile gegenüber dem Verbunogerät: die Räumfahrt war höher, die Handhabung einfacher und die Beweglichkeit der Einheit wurde weniger eingeschränkt. Dazu erlaubte ein Räumen in Formation, dass nachfolgende Räumboote im geräumten Wasser folgten. Ferner konnte mit dem SDG das Minensuchen und -räumen „in Einern “ erledigt werden, welches durch die vielfache Bewehrung der Räumleinen auch erlaubte, selbst bei Räumerfolgen die Operation fortzusetzen, bevor die Räumleine mit neuen Greifern wieder aufmunitioniert werden musste.
Neben dem SDG entwickelte die Deutsche Marine ein Otter-Räumgerät (ORG). Hierbei kam der Marine der Zu- und Glücksfall zu Hilfe, als anfangs der 20er Jahre eine abgerissene englische Paravane an der deutschen Nordseeküste angeschwemmt wurde. Mit dieser gelang zügig ein wirksamer Nachbau. Die Paravane hatte den großen Vorteil, dass sie auf Grund ihrer Konstruktion ohne Trageschwimmer auf einer bestimmten Tiefe steuerte und gleichzeitig durch Abspreizen eine Räumbreite erzielte. Hierdurch konnte sie – wie bereits oben erwähnt – bei sehr hohen Geschwindigkeiten eingesetzt werden. Auf deutscher Seite wurden das ORG zunächst als Bugschutz der Minensuchboote eingesetzt. Erstaunlicherweise beschränkten sich die Entwicklungen nur auf Räumgeräte gegen Ankertauminen. Obwohl Deutschland – wie auch England – Magnetminen einführte, wurde keine Abwehrmethode gegen diese Grundminen entwickelt.
Zweiter Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg kam für die Kriegsmarine zu einem ungelegenen, besser: zu frühen Zeitpunkt. Wesentliche Rüstungsvorhaben (Z-Plan) liefen erst an und hätten erst Mitte der 1940er Jahre Auswirkungen gezeigt. Doch wie war es um die Minenwaffe und Minenabwehr bestellt? Deutschland setzte die Mine sowohl defensiv als auch offensiv ein. Der so genannte ,,Westwall“ mit seinen gewaltigen Minenfeldern hatte die Aufgabe, die Deutsche Bucht seeseitig gegen das Eindringen englischer Überwasserstreitkräfte und U-Boote in der Nordsee abzuriegeln.
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HARDTHÖHENKURIER • 6/05 53
HARDTHÖHENKURIER • 6/2005
Autor: Ulrich Linke
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