Ein Jahr Heimatschutz im Heer

Heimatschutzsoldaten kurz vor dem Sprung auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. (Foto © Bw/Benjamin Vorhölter)
Heimatschutzsoldaten kurz vor dem Sprung auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. (Foto © Bw/Benjamin Vorhölter)

Am 14. März 2025 wurden im Rahmen eines Appells in der Berliner Julius-Leber-Kaserne die Heimatschutzdivision offiziell aufgestellt und die bestehenden Heimatschutzkräfte formell dem Heer unterstellt,das damit eine vierte Division erhielt.

Als Ehrengast nannte der frühere Bundespräsident Joachim Gauck diese Aufstellung „ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich unser Land seiner Verantwortung stellt“. Er betonte, dass sich die „Grund-annahmen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik als fehlerbehaftet“ erwiesen hätten und forderte einen „grundlegenden und dauerhaften Mentalitätswandel in Politik und vor allem auch in der Breite der Gesellschaft“ in Bezug auf die Verteidigung des Landes. Ein Jahr ist seitdem vergangen, ein Jahr, das die Angehörigen der Heimatschutzkräfte intensiv genutzt haben, um den Aufbau der Division voranzutreiben.

Vorausgegangen waren weitreichende Strukturentscheidungen zur Zukunft der Bundeswehr, die Verteidigungsminister Boris Pistorius am 30. April 2024 mit dem Osnabrücker Erlass öffentlich vorgestellt hatte. Angesichts einer sich verschärfenden Bedrohungslage war die Prämisse, die Bundeswehr vor allem für die Landes- und Bündnisverteidigung optimal aufzustellen. Als eine Konsequenz dieser Entscheidungen sollten die Heimatschutzkräfte integraler Bestandteil des Deutschen Heeres werden. So sollen sie künftig einen Beitrag für eine effektive konventionelle Abschreckung leisten.

Außerhalb des Spannungs- und Verteidigungsfalles gehören zum Auftrag der Heimatschutzkräfte unter anderem subsidiäre Unterstützungsleistungen nach Artikel 35 des Grundgesetzes in der Amtshilfe bei Naturkatastrophen oder schweren Unglücksfällen. Darüber hinaus finden sich die beiden Aspekte, die im Verteidigungsfall zur größten Aufgabe der Heimatschutzkräfte würden. Nämlich der sogenannte Host Nation Support, also die Unterstützung befreundeter Streitkräfte in Deutschland und die Aufmarschunterstützung für NATO-Kräfte in einem Verteidigungsfall.

Letzteres bedeutet auch, dass die Absicherung eines möglichen Aufmarsches alliierter Truppen in und durch Deutschland mehrheitlich in der Verantwortung der Heimatschutzdivision läge und somit der Erfolg des Aufmarsches nicht unwesentlich von Heimatschutzkräften abhinge. Kernannahme des Einsatzes der Heimatschutzkräfte ist, dass die anderen Heeresdivisionen im Verteidigungsfall an der NATO-Ostflanke operierten und somit vor allem die Heimatschutzkräfte innerhalb Deutschlands aktiv blieben. Der Schutz Deutschlands, die Unterstützung ziviler Behörden und die Sicherung verteidigungswichtiger Infrastruktur lägen infolgedessen in ihren Händen.

Die Aufstellung der Division erfolgte fast genau drei Jahre nach der Ausrufung der „Zeitenwende“ durch den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz. Bereits davor gab es ein noch zaghaftes „Revival“ des Heimatschutzes in der Bundeswehr. Nachdem sämtliche Heimatschutzbataillone, die als teil- beziehungsweise nichtaktive Truppenteile im Territorialheer seit 1965 als Heimatschutztruppe bezeichnet wurden, Anfang 2007 aufgelöst worden waren, verfügte die Bundes-wehr für mehrere Jahre über keine Kräfte mehr, deren expliziter Auftrag der Schutz des deutschen Staatsgebietes war.

Erst im Jahre 2011 führten sicherheitspolitische Bedenken im Rahmen der wesentlichen Verkleinerung der Bundeswehr dazu, dass mit der „Konzeption der Reserve“ (KdR) die Aufstellung von Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften (RSUKr) beschlossen wurde. Für die Wahrnehmung von Schutz- und Sicherungsaufgaben kritischer Infrastruktur in Notstandslagen oder Einsätze in der Katastrophenhilfe

Von den Landesregimentern zur Heimatschutzdivision

Ein Pilotprojekt zur Wiederaufstellung von Heimatschutzverbänden in Form von sogenannten Landesregimentern begann am 1. April 2019 mit dem Landesregiment Bayern (heute Heimatschutzregiment 1). Die drei fränkischen der sieben bestehenden bayerischen RSU-Kompanien wurden dem Regiment unterstellt. Daraufhin wurde am 6. April 2021 die Aufstellung von fünf weiteren Regimentern bis 2025 bekannt gegeben.

Von Generalmajor Andreas Henne, Kommandeur Heimatschutzdivision

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 2/26 des HHK!

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