Gute Ausbildung und ein hoher Ausbildungsstand tragen wesentlich zur Abschreckung bei!

Sich auf das zukünftige Gefecht vorbereiten und dabei eine Balance zwischen Bewährtem und Neuem zu wahren. Darauf kommt es in der Ausbildung an. (Foto © Bw/Marco Dorow)
Sich auf das zukünftige Gefecht vorbereiten und dabei eine Balance zwischen Bewährtem und Neuem zu wahren. Darauf kommt es in der Ausbildung an. (Foto © Bw/Marco Dorow)

Herr General, das Ausbildungskommando ist Bestandteil der Führungsorganisation des Heeres. Vor welcher besonderen Herausforderung steht Ihr Verantwortungsbereich zurzeit?

Der Inspekteur des Heeres hat klare Prioritäten und Operationslinien für das Heer vorgegeben: Einsatzbereitschaft, Aufwuchs, Innovation und Führungskultur. Und dazu leisten wir unsere Beiträge, gleichzeitig und nicht nacheinander. Wir setzen zum einen unsere gute Ausbildung fort und verbessern sie dort, wo es notwendig ist. An den Truppen- und Führerschulen im Schwerpunkt für den Feldwebel- und Offiziernachwuchs und an den zentralen Ausbildungseinrichtungen für die Einheiten und Verbände des Feldheeres. Die Einsatzbereitschaft und Kriegstauglichkeit unserer Soldatinnen und Soldaten für die Landes- und Bündnisverteidigung und der Wille zum Sieg im Gefecht stehen dabei klar im Fokus. Gleichzeitig überlegen wir, welche Anpassungen im Ausbildungskommando erforderlich sind, um die Ausbildung zukünftig auch für vergrößerte Umfänge an Führernachwuchs und mit neuen Fähigkeiten zu gewährleisten. Dabei spielt natürlich auch das Thema Infrastruktur eine Rolle. Darüber hinaus bilden auch wir junge Soldaten in den ersten sechs Monaten ihrer Dienstzeit in der Basisausbildung sowie in der für einige vorgeschaltete militärische Vorausbildung aus. Und gleichzeitig bilden wir auch Kräfte der ukrainischen Streitkräfte aus und implementieren Lehren aus dem Ukrainekrieg in unsere eigene Ausbildung. Diese Erkenntnisse nutzen wir auch zur Fortentwicklung unserer Ausbildungssystematik für Krise und Krieg. Das ist keine abschließende Aufzählung, aber damit haben wir schon gut zu tun.

Sie sind seit über einem Jahr in dieser verantwortungsvollen Aufgabe. Welche Schwerpunkte mit welchem Ziel haben Sie gesetzt?

Mir kommt es derzeit im Wesentlichen auf vier Dinge an. Erstens müssen wir die hohe Ausbildungsqualität an unseren Schulen und zentralen Ausbildungseinrichtungen halten und unsere Trainingsteilnehmenden weiterhin bestmöglich ausbilden. Das muss wertebasiert und praxisbezogen auf den Linien Handwerk, Körper und Geist erfolgen und hat zum Ziel, dass sie selber gut führen, ausbilden und erziehen sowie gewinnen wollen und können. Und zweitens, auch wenn unsere Ausbildung bereits sehr gut ist, kommt es mir darauf an, dass wir die Ausbildungen und Trainings in allen Bereichen, sei es inhaltlich oder strukturell, immer wieder hinterfragen und auf das Wesentliche reduzieren, um damit zu einer Erfolg versprechenden Einfachheit zu gelangen. Denn wir machen teilweise zu viel. Für die Ausbilderinnen und Ausbilder vor Ort sowie für die in der Ausbildung verantwortlichen Vorgesetzten will ich dafür größtmögliche Flexibilität sowie Freiräume schaffen. Drittens schaue ich auch sehr genau auf die Aus- und Weiterbildung des Stammpersonals des Ausbildungskommandos. Denn das ist die Basis für die eigene Einsatzbereitschaft und die gute Ausbildung von anderen. Und viertens werden wir alles tun, um unsere ukrainischen Partner weiter bestmöglich in Deutschland auszubilden, damit sie in ihrem Verteidigungskampf erfolgreich bestehen.

GenMaj Rohde ist seit 24. September 2024 Kommandeur des Ausbildungskommandos. (Foto © Bw)
GenMaj Rohde ist seit 24. September 2024 Kommandeur des Ausbildungskommandos. (Foto © Bw)

Das Heer erhält in naher Zukunft ein großes Spektrum neuer Waffensysteme und hiermit verbundener Fähigkeiten, wie den schweren Waffenträger Infanterie, den Schützenpanzer (SPz) Rad, das Nah- und Nächstbereichssystem Skyranger, den Spähpanzer Luchs, neue Mörser- und Artilleriesysteme. Dies hat Auswirkungen auf die Ausbildungsinfrastruktur und das Personal. Welche Herausforderungen sehen Sie hier?

Der Zulauf neuer Waffensysteme ist essenziell für den Aufwuchs und die volle Einsatzbereitschaft des Heeres. Neue Systeme lösen in der Regel jedoch Altsysteme nicht nahtlos ab. Zusätzlich zur Ausbildung an neuen Systemen muss immer die an den Altsystemen fortgesetzt werden. Daher bedeutet Zulauf für die Ausbildungsorganisation als Ganzes stets eine Doppelbelastung, was personelle, materielle und infrastrukturelle Ressourcen bindet. Ich mache das an einem Beispiel fest. An der Technischen Schule des Heeres (TSH) bilden wir Instandsetzungsfeldwebel für den SPz Puma aus, müssen aber parallel auch die Qualifizierung von Personal auf dem Altsystem SPz Marder gewährleisten, der immer noch genutzt wird. Herausfordernd ist dabei in vielen Bereichen die nicht vorhandene oder adäquate Ausbildungsinfrastruktur. Und mit dem Aufwuchs des Heeres allgemein müssen wir auch den Aufwuchs der Ausbildungsorganisation mitdenken. Diese gilt es sukzessive an die neuen Bedarfe anzupassen. So wird die Artillerieschule künftig deutlich mehr Personal ausbilden, weil die Truppengattung insgesamt aufwächst. Wie genau, das werden die kommenden Entscheidungen zeigen. Dafür sind Ausbildungspersonal, Gerät sowie Ausbildungs- und Wohninfrastruktur erforderlich. Weiterhin müssen wir bereits jetzt die Ausbildung und das Personal für Unbemannte Systeme, Loitering Munition Systems und die wieder aufzustellende Heeresflugabwehrtruppe in unseren Überlegungen berücksichtigen.

 

Ist das Ausbildungskommando personell und materiell für die aktuellen Aufträge gut aufgestellt und gibt es Nachsteuerungsbedarf?

Personell sind wir in der Gesamtsicht gut aufgestellt, sowohl was die Quantität als auch die Qualität angeht. Das bedeutet aber nicht, dass es an der einen oder anderen Stelle keine längeren Vakanzen oder personelle Herausforderungen gibt. Und wir stellen wie die Divisionen und anderen Dienststellen regelmäßig auch Einzelpersonal für Auslandseinsätze ab. Wo ich seit Längerem Nachsteuerungsbedarf sehe, ist die Erhöhung des Anteils an Frauen in Ausbildungsverwendungen in den Ausbildungseinrichtungen. Da bewegt sich etwas, aber da könnten wir nach meiner Einschätzung noch mehr erreichen. Hinsichtlich der materiellen Lage und Ausstattung des Ausbildungskommandos mit Großgerät sind Anzahl und Einsatzbereitschaft wie im Heer insgesamt derzeit nicht zufriedenstellend. Die betroffenen Ausbildungseinrichtungen müssen daher einen großen planerischen und organisatorischen Aufwand betreiben, um dauerhaft Ausbildung zu gewährleisten. Wie im muss der Zulauf an Waffensystemen und Großgerät erst noch ankommen. Das aktuell verfügbare Gerät wird natürlich intensiv genutzt und bedarf aufgrund des teilweisen hohen Alters eines erhöhten Wartungsaufwands, was längere Ausfallzeiten zur Folge hat. Das führt dann letztlich zu einer nicht zufriedenstellenden Einsatzbereitschaft von Material für die Ausbildung.

Interview mit Generalmajor Olaf Rohde, Kommandeur Ausbildungskommando

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 1/26 des HHK!

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