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MITA – Wie Künstliche Intelligenz die taktische Aufklärung beschleunigt

Die unterschiedlichen Sensoren sind zu einem Netzwerk verbunden, das eine Überwachung großer Gebiete ermöglicht. (Foto ©BWI/Helsing)
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Von Claus Hirschmann, BWI innoX, Leiter Innovationsexperiment MITA

Im Falle eines militärischen Angriffs kann eine schnelle und präzise Aufklärung entscheidend sein. Wie Künstliche Intelligenz (KI) hierzu beitragen kann, erproben die Bundeswehr, ihr primärer Digitalisierungspartner BWI und das Software- und KI-Unternehmen Helsing in einem Innovationsexperiment. Das Vorhaben trägt den Namen MITA – Military Internet of Things für die taktische Aufklärung.

Bei der militärischen Aufklärung wird derzeit überwiegend auf herkömmliche Sichtungen gesetzt. Das heißt: Soldat*innen beobachten das Gelände beispielsweise aus Fahrzeugen heraus oder analysieren Drohnenbilder und übermitteln diese Informationen zumeist per Sprechfunk an den Gefechtsstand. Dort werden die Beobachtungen gesammelt, interpretiert und manuell in eine Lagekarte eingetragen.

Mit Sensornetzwerken große Gebiete überwachen

MITA könnte diesen analogen Prozess durch das Zusammenspiel verschiedener Sensoren und KI-gestützter Auswertung deutlich beschleunigen und qualitativ verbessern. Hierzu werden Sensoren mit UWB-Technologie (Ultra-Wideband) in kleine, robuste und kostengünstige Kugeln verbaut, die zum Beispiel per Abwurf aus einem Helikopter in den zu überwachenden Gebieten ausgebracht werden. Jede Kugel kann feindliche Bewegungen sowohl über eine Art Lichtschranke als auch über ein Bodenradar erfassen. Alle UWB-Sensoren sind miteinander vernetzt und können auf diese Weise großflächige Bereiche für die Aufklärung abdecken. Auch schwer zugängliche Bereiche oder solche, die aus Sicherheitsgründen schwer aufklärbar sind, können gut überwacht werden. Die UWB-Sensoren wurden speziell von der BWI gemeinsam mit dem Hardware-Unternehmen Lateration XYZ entwickelt. Sie lassen sich mit der bestehenden Sensorik der Bundeswehr verknüpfen und sind aufgrund der genutzten Frequenzen von der feindlichen Aufklärung nicht identifizierbar.

3D-Lagebild in Echtzeit mittels automatisierter Aufklärung und Datenfusion durch KI

Dringt etwa ein feindlicher Panzer in das vom Sensornetzwerk überwachte Gebiet ein, erkennt dieses in Sekundenschnelle Ort und Bewegungsrichtung des Objektes. Durch den Einsatz von Drohnen kann der Zielbereich zusätzlich aufgeklärt werden. Das KI-System detektiert, lokalisiert und klassifiziert anschließend das Objekt. Mithilfe einer Helsing-Software werden alle Sensordaten automatisch fusioniert, ausgewertet und in Echtzeit in ein dreidimensionales Lagebild überführt. Alle Daten stehen somit ohne Zeitverzögerung zur Verfügung und können für die Entscheidungsfindung durch die militärische Führung verwendet werden. Auf Grundlage dieser durch den Menschen getroffenen Entscheidung und unter Nutzung der umfassend verfügbaren Informationen kann der Operateur Waffensystem und Munition auswählen und das Ziel zuweisen. Die Soldat*innen am Effektor erhalten die Koordinaten des Ziels in Echtzeit und können dadurch ohne Verzögerung das Objekt bekämpfen

Erfolgreiche Tests und positives Nutzerfeedback

Das gemeinsame Innovationsexperiment von Bundeswehr, BWI und Helsing hat die ersten beiden Erprobungsphasen im Dezember 2022 und Mai 2023 bereits erfolgreich abgeschlossen. Mit positivem Fazit: Mit MITA lassen sich Feindbewegungen auf dem Gefechtsfeld in Sekundenschnelle erkennen. Auf diese Weise kann MITA in einer Einsatzsituation den gesamten Prozess von der Aufklärung bis zur Führung beschleunigen und damit wertvolle Zeit sparen, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden kann.

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