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Nachhaltige Strukturen zur Förderung von Spitzenforschung und Innovation – ein gemeinsamer Ansatz beider Universitäten der Bundeswehr

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Interview mit den beiden wissenschaftlichen Leiterinnen des dtec.bw

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Das dtec.bw ist als gemeinsames Zentrum der beiden Universitäten der Bundeswehr einzigartig in Deutschland, was zeichnet das Zentrum übergreifend aus?

Prof. Kern: Die Strukturen des dtec.bw sind wirklich besonders. Das wissenschaftliche Zentrum wird von beiden Universitäten der Bundeswehr getragen. Das bedeutet einerseits, wir unterliegen der akademischen Selbstverwaltung und sind frei in der Forschung, sodass, wie an anderen Universitäten, viele rein zivile Forschungsvorhaben umgesetzt werden. Andererseits bieten die Nähe zur Bundeswehr und das sichere Umfeld ideale Voraussetzungen für die Forschung für und mit der Bundeswehr. dtec.bw lebt vom gegenseitigen Austausch, zivile und militärische Anwendungsfälle befruchten sich gegenseitig und sind in einigen dtec.bw-Projekten von Beginn an mitgedacht. Das dtec.bw erlaubt es, an Schlüsselthemen der Digitalisierung und an Technologien von morgen zu forschen und das in einem breiten Themenspektrum, das einzigartig ist.  

Eva Maria Kern UniBw M Siebold

 

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. mont. Eva-Maria Kern ist Vizepräsidentin für Forschung, WissenschaftlichennNachwuchs und nachhaltige Entwicklung an der Universität der Bundeswehr   München, Wissenschaftliche Leiterin des dtec.bw an der UniBw M und Wissenschaftliche Direktorin und Sprecherin des dtec.bw. ( Foto © UniBw M/Siebold)

Prof. Schuler-Harms: Die Strukturen von dtec. bw fördern auch die Zusammenarbeit über beide Standorte der UniBw hinweg. Beide Universitäten nutzen diese Strukturen dazu, standort- und themenübergreifende Forschungsprojekte und Netzwerke zu intensivieren und zugleich die Universitäten im jeweiligen regionalen Rahmen zu stärken. Sowohl die Leitungen und die Geschäftsstelle als auch alle in den Projekten Forschenden stehen im ständigen Austausch und in Kooperationen mit Wissenschaft und Praxis. dtec.bw ermöglicht uns also, nachhaltige Strukturen zur Innovationsförderung an beiden Universitäten aufzubauen und uns zugleich zu vernetzen.

 Margarete Schuler Harms HSU UniBw H Schroêder

Univ.-Prof. Dr. iur. Margarete Schuler-Harms ist Vizepräsidentin für Forschung an der Helmut-Schmidt- Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg und Wissenschaftliche Leiterin des dtec.bw an der HSU/UniBw H. (Foto © HSU/UniBw H/Schröder).

Das dtec.bw wurde im August 2020 gegründet und aufgestellt. Was waren die wichtigsten Meilensteine bis jetzt?

Prof. Kern: Beide Universitäten der Bundeswehr haben schon vor der Gründung des dtec.bw jeweils über spezifische Forschungsprofile mit Bezug zur Digitalisierungs- und Technologieforschung verfügt. Daher waren unsere Forschenden auch in sehr kurzer Zeit in der Lage, eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Projektanträge einzureichen. Die letztendliche Auswahl der insgesamt 68 Projekte erfolgte in einem kompetitiven Verfahren, das jede UniBw mit Bezug zu ihrer strategischen Ausrichtung eigenverantwortlich gestaltete. Durch das dtec.bw ist es nun beiden UniBw möglich, ihre spezifische Profilierung weiter auszuprägen. Darüber hinaus war 2021 vor allem die Aufnahme in den DARP, den Deutschen Aufbau und Resilienzplan, ein großer und wichtiger Meilenstein. Dadurch wurde das Konzept des dtec.bw und das enorme Potenzial dahinter nochmals durch den Bundestag und die EUKommission bestätigt. Aber natürlich werden die Erfolge auch kontinuierlich evaluiert werden.

UniBw M UniBw M Siebold

Bibliotheksgebäude der Universität der Bundeswehr München (Foto © UniBw M/Siebold)

Prof. Schuler-Harms: Ein weiterer wichtiger Meilenstein war zudem die Berufung des hochkarätig besetzten Kuratoriums in München und Hamburg, das mit seinen Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Politik dem Zentrum zukünftig beratend zur Seite stehen wird. Die Vernetzung ist wirklich ein wiederkehrendes und gelebtes Thema bei dtec.bw. Bisher konnten bereits zahlreiche erfolgreiche Kooperationsvereinbarungen mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Dienststellen der Bundeswehr geschlossen werden. Jede Kooperation an sich stellt einen „kleinen“ Meilenstein für dtec.bw dar, um Forschung auch immer mit Bedarfen zu verknüpfen.

Das dtec.bw betreibt keine Auftragsforschung und unterliegt der akademischen Selbstverwaltung, profitiert dennoch auch die Bundeswehr durch das Zentrum?ää

Prof. Kern: Die Bundeswehr ist in vielen unserer Projekte einer der relevanten Bedarfsträger und Kooperationspartner. Viele Projekte streben zudem eine Doppelverwendungsfähigkeit der entwickelten Güter an (Dual Use), d. h. eine zivile und militärische Nutzung wird mitgedacht. So wird z. B. im Projekt „FLAB-3Dprint“ gemeinsam mit dem WIWeB in Erding ein Hightech-Forschungslabor für Additive Fertigung aufgebaut. 3D-gedruckte, komplexe Bauteile aus Metallen, Kunststoffen oder Keramiken haben erhebliches Potenzial für Anwendungen in allen zivilen und militärischen Industriezweigen sowie der Medizin. „FLAB-3Dprint“ leistet hier Pionierarbeit zu Methoden der Digitalisierung, die für die Bundeswehr (Stichworte Ersatzsteile im Einsatz oder Fertigungsverfahren für FCAS und MGCS), aber auch die Gesellschaft allgemein von höchster Relevanz sein werden.

HSU UniBw H HSU UniBwH Scheiblich

Campus zwischen Hauptgebäude und Mensa der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (Foto © HSU/UniBwH/Scheiblich)

Prof. Schuler-Harms: Alle dtec.bw-Projekte forschen zu digitalen Technologien, die für unterschiedliche Bereiche interessant sind. Die Hamburger dtec.bw- Projekte wurden in vier Forschungsschwerpunkten, den sogenannten Dachprojekten, zusammengefasst. Etliche Projekte fokussieren über die digitalen Technologien hinaus die mit ihnen verbundene Transformation in Gesellschaft, Bildung und Arbeitswelt. Eines der Dachprojekte umfasst beispiels weise Forschungsprojekte zum Bildungsbereich und zur Kompetenzbefähigung in der digitalen Arbeitswelt. Gerade die COVID-19-Pandemie hat die Relevanz dieses Forschungsbereiches deutlich aufgezeigt. Das Projekt „KoDiA – Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt“ beispielsweise forscht und arbeitet daran, die Kompetenzen der Gesellschaft zur Teilhabe an der digitalen Arbeitswelt zu stärken. Die Ergebnisse, die hier entstehen, betreffen alle Arbeitsbereiche unserer Gesellschaft, von der Bundeswehr als Arbeitgeber bis hin zu Berufsschulen und anderen Bildungseinrichtungen.

Ein Ziel des dtec.bw ist es gezielt Innovationen zu fördern und auch auf die Straße bringen. Wie setzen Sie das um? 

Prof. Kern:  Wir sind in Deutschland sehr gut in der Grundlagenforschung. Das reine Hervorbringen der Idee genügt jedoch nicht, erst bei Produktion und Markteinführung sprechen wir von einer Innovation. Wir begleiten die dtec.bw-Forschungsprojekte, um einen systematischen und strukturierten Wissens- und Technologietransfer sicherzustellen. Dafür erarbeiten wir Formate für den Wissensaustausch nach „innen“ und „außen“, wir haben Kompetenzen zum Technologiescouting sowie zur Gründungs- und Patentberatung. Ein besonders innovatives Format ist Teil des dtec.bw-Projektes „SeRANIS – Seamless Radio Access Networks for Internet of Space“. Ausgewählten Start-ups wird der Mitflug bei der geplanten Kleinsatellitenmission ermöglicht. Die Start-ups werden nicht nur methodisch, sondern vor allem technisch begleitet und „fit gemacht“. Damit können diese ihre Technologie erstmals direkt im Weltraum testen und verifizieren. Bedarfsträger haben dann die Möglichkeit, eine ganz andere Qualität an nutzbaren Ergebnissen bzw. erprobten Produkten zu bekommen. Im Verlauf der nächsten Jahre werden weitere Inkubator- und Acceleratorprogramme zur Gründungsförderung vom dtec.bw Innovation Center gemeinsam mit founders@unibw, dem Gründungszentrum der UniBw M, angeboten.

Prof. Schuler-Harms: Auch in Hamburg entstehen Strukturen und Programme zur Bündelung von Technologien, Ideen, Erkenntnissen und Technologietransfer mit dem Ziel, Forschende in den dtec. bw-Projekten zu unternehmerischem Denken und Handeln zu motivieren und Unternehmensgründungen zu stimulieren – kurz: Innovationen „auf die Straße zu bringen“. Über ein ausgedehntes Netzwerk sollen im norddeutschen Raum Investoren und Unternehmenspersönlichkeiten als potenzielle Mitgründer für Ausgründungen angesprochen und gewonnen werden. Es ist uns wichtig, Spin-off-Initiativen der dtec.bw-Projekte programmatisch und auch situativ zu fördern und zu coachen. Die Unterstützung reicht von der Konzeption der Geschäftsmodelle, Business-Planning und der Entwicklung von Prototypen bis zur Gründung, Finanzierung und Kommerzialisierung der Ausgründungen. Beispielsweise wird das Projekt „Fab City“ eine neue Art der urbanen Wertschöpfung mittels dezentraler Open Labs in der Metropolregion Hamburg etablieren. Dabei wird das Potenzial neuer digitaler Fertigungsmethoden für die Bevölkerung, lokale Unternehmen und Start-ups nutzbar gemacht. Die Gründungsförderung im gesamten dtec. bw-Verbund werden wir in bewährter Weise nach dem Prinzip der wechselseitigen Abstimmung und Vernetzung organisieren.  

Das dtec.bw ist noch ein recht junges wissenschaftliches Zentrum. Wie sieht die weitere Entwicklung aus, was sind die nächsten Schritte?

Prof. Schuler-Harms: Der Ausbau der Infrastruktur, die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses und die Gewinnung weiterer Kooperationspartner sind natürlich an beiden Standorten zentrale Themen, ebenso wie der Aufbau der Gründungsunterstützung. Wir wünschen uns auch und arbeiten daran, dass dtec.bw an Bekanntheit und Vernetzung gewinnt und dass die in den Forschungsprojekten liegenden Potenziale optimal genutzt werden. Wir sind der Überzeugung, dass wir gerade im Hinblick auf die im Koalitionsvertrag verankerten Ziele wirklich eine Menge zur Stärkung der Innovationskraft des Landes beitragen können. Uns ist deshalb auch der Austausch mit der Politik ein zentrales Anliegen. Durch dtec.bw entstehen Forschungsinfrastrukturen und -möglichkeiten, von denen die Gesellschaft in Zukunft profitieren kann – das ist eine große Chance.

Prof. Kern: Ein neues übergreifendes Forschungszentrum aufzubauen, ist eine große, aber auch sehr spannende Herausforderung. Ein wesentlicher Meilenstein wird die Evaluation durch den Wissenschaftsrat bis zum Sommer 2023 sein. Der Wissenschaftsrat wird dtec.bw, seinen Mehrwert und die aufgebauten Strukturen genau unter die Lupe nehmen. Die nächsten Schritte betreffen vor allem den weiteren Ausbau der Forschungsinfrastruktur, der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Gründungsunterstützung und natürlich die fortlaufende Vernetzung. Vor allem auch die Möglichkeit, Innovationen mit anderen Innovationstreibern und -einheiten innerhalb und außerhalb der Bundeswehr gemeinsam voranzutreiben, hat großes Potenzial.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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