Seit dem 11. Mai 2025 besteht zwischen den beiden südasiatischen Nuklearmächten Indien und Pakistan, nach dem islamistischen Terrormord an 26 Hindu-Touristen in Kaschmir am 22. April und den von Pakistan seither wohl erwarteten zwei Wellen indischer Angriffe auf Terror- und dann Militärziele in Pakistan als Operation „Sindoor“, ein vorläufig haltender Waffenstillstand.
Im Folgenden soll hier aber nicht nochmals tiefer auf die auf die Teilung von 1947 zurückreichenden Ursachen bzw. der Asymmetrie des „beherbergten Terrorismus“ als staatlicher Politik des versus Indien stets schwächeren Pakistans eingegangen werden. Dennoch bietet sich inzwischen eine Art Erstbilanz oder Beurteilung an sowie Ableitungen bzw. Lehren aus den rund 90-minütigen Luftkämpfen und den folgenden Luftschlägen.
Der Autor ist sich mit professionellen Beobachtern einig, dass diese Duelle mit den beteiligten Stückzahlen die größte „Luftschlacht“ seit dem Zweiten Weltkrieg waren. Oder was Jets betrifft, die größte seit dem Koreakrieg. Selbst in den arabischisraelischen Kriegen von 1967 und 1973 oder im Vietnamkrieg waren beidseits nicht mehr als 50 bis 80 Maschinen auf einmal beteiligt. Hier waren es in einer einzigen Nacht aber zuerst 60 und später 72 indische sowie ihnen gegenüber 42 pakistanische Kampfflugzeuge. Und gleich vorweg eine Besonderheit oder eine heute technisch besser realisierte Rückkehr des Konzepts aus dem Kalten Krieg: den feindlichen Bomber über große Distanzen mit großen Flugkörpern auszuschalten.
Denn es gab keine sogenannten Dogfights innerhalb der nachts sowieso irrelevanten menschlichen Sichtweite, alle Beteiligten blieben in dieser Schlacht über ihrem Territorium, nahmen sich nur als Radar- bzw. Datenlink-Kontakte wahr und kämpften mit Abstandswaffen, und sie trafen auch.
Beispielloser Deutungs- bzw. Propagandakrieg
Nur: was bzw. wen und wie viele und womit? Darüber Klarheit bzw. Bestätigungen zu erhalten bzw. nur mit der eigenen Erzählung medial zu punkten, daran arbeiten heftig die „Infowar-Teams“ der beiden Kontrahenten. Auf jeden Fall eine ganz eigene Liga, in dieser Hinsicht eine Meisterklasse – noch aktiver als jene beim Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Mehr von den Pakistanis als auf indischer Seite werden Dutzende von Fotos und Videos als unwiderlegbare Beweise für Flugzeugverluste und Waffenwirkung verbreitet, die – für sich länger mit Militärluftfahrt Beschäftigende – oft schon auf den ersten Blick als solche nicht halten. Ob in absichtlicher propagandistischer Absicht oder bar jeder Sachkenntnis seitens der „Handygrafen“ auch aus der lokalen Bevölkerung, zeigen sie entweder (in Indien aber wahrlich nicht so seltene) Szenen von Unfällen und Abstürzen ohne jegliches Kampfgeschehen, die oft Jahre alt sind. Oder leicht erkennbar Flugzeugtrümmer von Mustern, welche am aktuellen Geschehen überhaupt nicht beteiligt waren.
Da taucht auch einmal ein MiG-21-Heck auf, obwohl der Typ diesmal (im Gegensatz zu 2019 – Balakot) von den Indern nicht mehr eingesetzt wurde. Reste einer nur in der Pakistan Air Force (PAF) fliegende Mirage-V werden zu einer indischen Mirage-2000. Verbeulte abgeworfene Zusatztanks müssen – 100-fach geteilt mit hundert aufgeregten Männern rundum – als abgeschossene Flugzeuge herhalten. Ein- und derselbe Feuerball oder Szenen brennender Trümmer sind einmal ein Absturz und dann wieder ein Artillerieeinschlag an der Kaschmir-Kontrolllinie, wie es beliebt. Oder man verbreitet ungeniert eingefügte Videoschnipsel oder Screenshots aus inzwischen sehr guten WarSim-Games als echt und man verfälscht Briefings mittels KI-Statements. Werte Kommunikations- und PsyOps-Offiziere in unseren Landen: Hier können Sie definitiv etwas lernen und das selbst auch schräge Blogger, russische „Desinformatija“-Fabriken, propalästinensische Trolle oder sogar das israelische Militär – ein neuer Standard der Informationskriegsführung!

