Am Ende der vierten Woche des Irankriegs haben die mit dem Teheraner Regime verbündeten jemenitischen Huthi wie lange erwartet erstmals wieder eine ballistische Mittelstreckenrakete auf Israel abgefeuert. Zuvor hatte ein Sprecher der Gruppe gewarnt, dass jede Nutzung des Roten Meeres für Operationen gegen den Iran ebenfalls eine Antwort nach sich ziehen werde. Die Huthi hatten bereits während des Gazakrieges Schiffe vor der Küste des Jemen angegriffen, die sie als mit Israel verbunden betrachteten, und wiederholt vom Iran gelieferte Raketen und Drohnen gegen dieses eingesetzt. Neue Angriffe zusätzlich zur faktischen Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran könnten die globale Versorgungssituation mit wichtigen Gütern wie Öl, aber auch Aluminium, Düngemitteln und Helium weiter verschärfen.
Auch der Iran selbst setzte seine Angriffe auf Einrichtungen der USA und deren Verbündeten in den arabischen Golfstaaten und Israel auf niedrigem, aber stetigem Niveau fort. Bei einem Treffer auf einen Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien wurden zwölf US-Soldaten verwundet, davon zwei ernsthaft, und ein Tankflugzeug vom Typ KC-135 beschädigt. Bereits früher waren bei einem solchen Angriff fünf Maschinen dieses Modells beschädigt worden. Jetzt zirkulierende Satellitenaufnahmen sollen zeigen, dass eine davon zerstört wurde. Dies wäre der zweite Totalverlust, nachdem bei einer Kollision zweier KC-135 über dem Irak eine mit der sechsköpfigen Besatzung abstürzte, während die andere beschädigt in Israel landen konnte. Insgesamt sind nach US-Angaben neben 13 Gefallenen bislang über 300 amerikanische Soldaten verwundet worden, davon die überwiegende Anzahl leicht.
Angriffe auf Stützpunkte in der gesamten Region
Im Irak kommt es weiterhin zu Kämpfen zwischen US-Truppen und pro-iranischen Schiiten-Milizen, die als Teil der Volksmobilmachungseinheiten (PMF) offiziell Teil der nationalen Sicherheitskräfte sind. Da auch Stützpunkte der NATO-Ausbildungsmission im Irak unter Feuer gerieten, wobei ein französischer Soldat starb, zog das Bündnis deren Angehörige bereits Ende der letzten Woche aus dem Land ab. Die irakische Regierung wiederum verurteilte amerikanische Luftangriffe auf PMF-Stützpunkte und erteilte diesen offiziell die Erlaubnis zur Verteidigung hiergegen. Nach einem Bericht der New York Times zwingen die Schäden und die fortbestehende Bedrohungslage an zahlreichen Militärbasen der Region die USA dazu, Personal wo möglich in Hotels oder weiter entfernte Länder zu verlegen und die Operationen per Telearbeit zu unterstützen.
Währenddessen wird an diesem Wochenende die amphibische Kampfgruppe um die USS Tripoli mit der 31st Marine Expeditionary Unit (MEU) des U.S. Marine Corps aus Asien im Einsatzgebiet erwartet. Die Marines könnten amphibische Operationen gegen die Inseln und möglicherweise auch Küstenpositionen entlang der Straße von Hormus durchführen, um die Öffnung der Meerenge zu erzwingen. Zudem wird über die Besetzung der Ölverladeinsel Kharg im Norden des Persischen Golfs spekuliert, über die rund 90 Prozent der weiterhin laufenden iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Die Kampfgruppe um die USS Boxer mit der 11th MEU folgt mit zwei bis drei Wochen Abstand. Auch ein Bataillon sowie der Divisionsstab der 82. Airborne Division mit insgesamt rund 1.000 Mann erhielten Marschbefehle in den Nahen Osten.
Widersprüchliche Signale zum Fortgang des Irankrieges
Zuletzt berichtete das Wall Street Journal über Pläne zur Entsendung weiterer 10.000 US-Soldaten aus Infanterie- und gepanzerten Einheiten. Damit sollten US-Präsident Donald Trump mehr militärische Optionen gegeben werden, während er gleichzeitig eine Verhandlungslösung mit dem Iran versuche. Zuvor hatte Trump sein bereits von zwei auf fünf Tagen verlängertes Ultimatum zur Öffnung der vom Iran faktisch blockierten Straße von Hormus um zusätzliche zehn Tage bis zum 6. April ausgedehnt. Die neuen Truppen, die zu den schon rund 50.000 in der Region eingesetzten – vorwiegend von Luft- und See- sowie Unterstützungskräften – hinzukämen, sollen offenbar auch Druck für Verhandlungen auf das Teheraner Regime ausüben. Bislang haben beide Seiten einander widersprechende und vermutlich gegenseitig inakzeptable Bedingungen für ein Ende der Kämpfe genannt.
Aus den USA kommen weiterhin widersprüchliche Signale zum weiteren Fortgang. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio sprach nach Presseberichten beim Treffen der G7-Staaten in Frankreich diese Woche davon, dass die Operationen noch zwei bis vier Wochen, jedoch nicht Monate dauern könnten. Die israelische Regierung befürchtet offenbar die schnelle Erklärung eines Waffenstillstands durch Trump und hat ihre Angriffe auf das Industriepotenzial des Irans konzentriert, um dieses noch möglichst weitgehend zu zerstören. Zugleich machen Gerüchte über einen „letzten Schlag“ der USA die Runde, um das Teheraner Regime zum Einlenken zu zwingen oder zumindest einen Sieg erklären zu können. Nach den Erfahrungen mit bisherigen Ankündigungen und Erfolgen dürfte allerdings beides nicht so einfach werden, so dass auch die Ölpreise zuletzt eine erneute Aufwärtstendenz zeigten.
Stefan Axel Boes
