Ein technologischer Schlüssel für künftige militärische Operationen
Airbus bezeichnet Manned- Unmanned Teaming (MUM-T), alternativ auch Crewed-Uncrewed Teaming (CUC-T) genannt, als die nahtlose Zusammenarbeit von bemannten und unbemannten Systemen, um gemeinsame Missionsziele zu erreichen.
Dabei dienen Drohnen als Multiplikatoren, die verschiedenste Aufgaben übernehmen, während die Besatzung und Drohnenpiloten in ihrem Luftfahrzeug in sicherer Entfernung die volle Kontrolle behalten. Die kooperative Zusammenarbeit von bemannten Plattformen (Hubschrauber oder Kampfflugzeuge) und unbemannten Systemen (UAS) in einem gemeinsamen Netzwerk gilt als technologischer Schlüssel für moderne militärische Operationen und wird bei Airbus in verschiedenen Sparten vorangetrieben. Mit dem Wingman für Jagdflugzeuge, dem Remote Carrier als Teil des Future Combat Air System (FCAS) sowie HTeaming, einer modularen Lösung zur Steuerung unbemannter Systeme direkt aus dem Cockpit eines Hubschraubers, verfolgt Airbus drei unterschiedliche Konzepte. Während sich die erstgenannten Projekte noch in der Konzeption und anfänglichen Erprobungsphase befinden, ist HTeaming von Airbus Helicopters bereits auf dem Weg zur Anwendung. Dazu erweitert Airbus Helicopters sein Segment um die Sparte Unbemannte Luftfahrzeuge (UAV/UAS), um auch entsprechende Drohnen unterschiedlichster Größe anbieten zu können, die für MUM-T befähigt sind.
Konzeption und Erprobung
Airbus Helicopters und die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA (Direction générale de l’armement) arbeiten intensiv an der Konzeption und Demonstration von Manned-Unmanned- Teaming-Systemen, um bemannte Hubschrauber mit unbemannten Flugsystemen zu vernetzen. Bereits Ende 2017 vereinbarte Airbus Helicopters ein wegweisendes Projekt mit der französischen Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA. Ziel war die Entwicklung eines unbemannten Luftfahrzeugs für Nachrichten gewinnung, Überwachungs- und Aufklärungsmissionen (ISTAR) im militärischen maritimen Umfeld. Aus diesem Projekt ging die Entwicklung des taktischen Drohnensystems VSR700 hervor. Die DGA-Kooperation zielte darauf ab, die Drohnensteuerung direkt in das Gefechtsführungssystem eines Schiffes zu integrieren und die Zusammenarbeit mit bemannten Hubschraubern zu ermöglichen.
Die anfängliche bilaterale Zusammenarbeit mit der DGA weitete sich Ende 2021 mit dem Projekt MUSHER auf europäische Ebene aus. MUSHER (Development of a generic European Manned UnmannShed Helicopter Environmental Response) ist ein wegweisendes Verteidigungsprojekt im Rahmen des EDIDP (European Defence Industrial Development Programme) der Europäischen Union, das die Entwicklung eines skalierbaren europäischen Systems für das Manned-Unmanned Teaming zum Ziel hat. Es soll die Zusammenarbeit verschiedener Plattformen unterschiedlicher Hersteller und europäischer Streitkräfte in einem gemeinsamen Netzwerk für Einsätze in ziviler und militärischer Umgebung ermöglichen. Zu den Partnern gehören neben Airbus Helicopters auch Unternehmen wie Leonardo, Thales (Überwachungsstationen) und Indra (Simulation) sowie weitere Industrie- und Forschungspartner aus mehreren EU-Mitgliedstaaten. Im Oktober 2024 lieferte eine groß angelegte Fähigkeitsdemonstration in Frankreich und Italien mit Beteiligung mehrerer Hubschrauber und unbemannter Systeme den Nachweis, dass Plattformen verschiedener Hersteller in unterschiedlichen, voneinander entfernten Operationsgebieten zeitgleich in einem gemeinsamen Netzwerk zusammenarbeiten können. Dabei wurden auch die Interoperabilitätsstufen (Level of Interoperability, LOI) 2 bis 4, also vom direkten Empfang von UAS-Daten durch die bemannten Hubschrauber und die Bodenstation bis hin zur Steuerung und Überwachung der UAS von den Hubschraubern, erfolgreich demonstriert.
Airbus Helicopters setzte in dieser Demonstration die H130 FlightLab als bemannte Plattform und die VSR700 als UAS auf einem DGA-Testgelände in Frankreich ein, während zeit gleich Leonardo mit einem Hubschrauber und einem optional bemannten Luftfahrzeug in Italien operierte. Die MUSHER-Demonstration bestand aus verschiedenen Szenarien, bei denen die verschiedenen Flugzeuge gleichzeitig in Frankreich und Italien flogen. Die Missionen basierten auf Operationskonzepten, die von den Verteidigungsministerien Frankreichs, Italiens und Spaniens definiert wurden. Ein Szenario zeigte beispielsweise UAS und bemannte Hubschrauber gemeinsam in einer Antipirateriemission. Das UAS führte zunächst eine Überwachungsmission durch. Als es verdächtige Aktivitäten auf einem Boot entdeckte, wurde ein Hubschrauber zum Ort des Geschehens entsendet, der zur Vorbereitung eines möglichen Eingreifens die volle Kontrolle über das UAS übernahm.

HTeaming von Airbus
Airbus Helicopters hat das HTeaming-System als modulare MUM-T-Lösung entwickelt und 2025 während der Paris Air Show erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. HTeaming ermöglicht Hubschrauberbesatzungen, unbemannte Flugsysteme direkt während des Fluges zu steuern und deren Sensoren sowie Effektoren in ihre Einsätze zu integrieren. HTeaming kann entweder als eigenständiges System (Stand-alone Solution) über ein Tablet mit Benutzeroberfläche (Human-Machine Interface, HMI), Modem und vier am Hubschrauber montierten Antennen oder vollintegriert in das Missionssystem des Hubschraubers genutzt werden. Die Lösung ist plattformunabhängig konzipiert, sodass sie auf verschiedenen Hubschraubertypen installiert und unterschiedliche Drohnentypen steuern kann. Eine spezialisierte Software ermöglicht die autonome Verwaltung von Drohnenschwärmen in Echtzeit, einschließlich Aufgabenplanung und Kollisionsvermeidung. Das System konnte bereits erfolgreich in verschiedene Hubschraubertypen von Airbus Helicopters als Stand-alone-Lösung oder auch vollintegriert eingesetzt werden. Neben der H145M haben die H130, H135M, H160 sowie die H225M als weitere Muster in verschiedenen Testflügen mit unterschiedlichen Drohnen MUM-T-Operationen durchgeführt. Die H145M beispielsweise hat im Rahmen der Erprobung die Teamfähigkeit im Verbund unter anderem mit der LUNA NG von Rheinmetall wie auch der Vector-Drohne von Quantum Systems bis zum höchsten Level of Interoperability bewiesen.
HTeaming wird bislang als Stand-alone Solution angeboten. Airbus Helicopters arbeitet jedoch intensiv daran, das System schrittweise direkt in das Missionssystem seiner verfügbaren unterschiedlichen Hubschraubermuster zu integrieren und es möglichst schnell anbieten zu können.

Die unbemannten Systeme im MUM-T
Parallel zum HTeaming-System bietet Airbus auch unbemannte Systeme an, die erfolgreich in MUM-T-Anwendungen zum Einsatz kommen. So kann Airbus Helicopters bereits jetzt schon eine zuverlässige Gesamtlösung bestehend aus bemannter Plattform und UAS anbieten. Dazu gründete Airbus im Oktober letzten Jahres das Kompetenzzentrum Drohnen und führt sein Angebot an taktischen Drohnensystemen unter dem Dach von Airbus Helicopters zusammen. Mit der Konsolidierung der UAS-Produktlinien entsteht ein umfassendes Angebot, das von leichten Aufklärungsdrohnen bis hin zu maritimen Mehrzwecksystemen reicht. Die Modelle Aliaca (25 kg, bis zu sechs Stunden Flugzeit), Flexrotor (25 kg, zehn bis zwölf Stunden Flugzeit) und Capa-X (120 kg, bis zu 20 kg Nutzlast) decken das mittlere Segment ab, während die VSR700 mit 750 kg Startgewicht als Mehrzweck-UAS für Überwachung, Fracht und Küstenoperationen positioniert ist. Das neue Kompetenzzentrum bündelt Entwicklung, Betrieb und Support und beschleunigt die Kooperation zwischen bemannten und unbemannten Systemen.
MUM-T in den Streitkräften
Bei der Entwicklung und Implementierung von MUM-T arbeitet Airbus eng mit Streitkräften zusammen, die mit verschiedenen Hubschraubertypen von Airbus Helicopters ausgerüstet sind. An erster Stelle ist Frankreich zu nennen. Sowohl die französische Marine (Marine nationale française) als auch die Heeresfliegertruppe ALAT (Aviation légère de l’armée de Terre) erproben seit einigen Jahren MUM-T in ihren Bereichen. Die französische Heeresfliegertruppe erprobt das Konzept aktuell intensiv mit dem leichten Hubschrauber Gazelle sowie dem als Caïman bezeichneten mittleren Transporthubschrauber NH90 TTH. So wurden bereits im Rahmen von Versuchen und Truppenübungen kleine FPV-Drohnen (First Person View) zu Aufklärungszwecken aus dem Hubschrauber heraus gestartet und von einem Operator im Flug direkt gesteuert. Die Gazelle wie auch der Caïman dienen hierbei als fliegender Kommandoposten. Durch die Kopplung mit Drohnen kann der Hubschrauber aus sicherer Entfernung oder hinter Deckung operieren, während die Drohne die Aufklärung übernimmt oder Ziele direkt angreift. Das eingesetzte System nutzt spezielle Funkverbindungen und Datenlinks, um das Videobild der Drohne in Echtzeit auf ein Tablet oder Display im Cockpit zu übertragen. Die sowohl bei den Marinefliegern als auch den Heeresfliegern gewonnenen Ergebnisse legen den Grundstein für die Integration von Drohnen-Schwarm-Technologien in den neuen Mehrzweck-Hubschrauber H160M Guépard. Darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung des Kampfhubschraubers Tiger zur Mk3-Version. Eine nicht minder wichtige Position bei der Implementierung von MUM-T nehmen die spanischen Streitkräfte ein. Im Mai 2025 testete die spanische Marine (Armada Española) auf dem Luftwaffenstützpunkt Coronel Maté in Madrid in einem Flugversuch erfolgreich das Zusammenwirken zwischen einem Airbus H135M Nival und der Flexrotor-Drohne. Dabei führte die Flexrotor-Drohne eine Aufklärungsmission durch, bei der die Aufklärungsdaten in Echtzeit ins Cockpit des Hubschraubers übertragen wurden. Auch die Heeresfliegerkräfte der spanischen Armee (Fuerzas Aeromóviles del Ejército de Tierra, FAMET) erproben MUM-T intensiv. In einem Test auf dem Truppenübungsplatz Chinchilla nahe Albacete erprobten die spanischen Heeresflieger die Integration der Loitering Munition Q-SLAM-40 des spanischen Herstellers Arquimea in einen NH90 TTH und deren präzisen Einsatz aus der Luft. Die Q-SLAM-40 ist eine Kleindrohne, die gleichermaßen für Präzisionsangriffe gegen Bodenziele, aber auch zur Drohnenabwehr eingesetzt werden kann.
Auch Singapur gehört zu den Nationen, deren Streitkräfte sich mit MUM-T beschäftigen. Im Juni vergangenen Jahres startete Airbus Helicopters mit der Defence Science and Technology Agency (DSTA) eine umfangreiche Testkampagne, in der eine mit HTeaming ausgerüstete H225M der Republic of Singapore Air Force (RSAF) unter realen Bedingungen gemeinsame Einsätze mit der Flexrotor-Drohne durchführte. Im Rahmen der Testkampagne wurde auch eine Such- und Rettungsmission (SAR) simuliert, in deren Verlauf ein abgestürzter Pilot gerettet werden sollte. Der erfolgreiche Abschluss der Erprobung sowie die Ergebnisse der Kampagne wurden offiziell während der Singapore Airshow 2026 präsentiert.
Carsten Vennemann
Den Beitrag lesen Sie im WTR AIR POWER.


