Intelligente Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen

H135M Nival und Flexrotor-Drohne während der Erprobung durch die spanische Marine  (Foto ©Airbus)
H135M Nival und Flexrotor-Drohne während der Erprobung durch die spanische Marine  (Foto ©Airbus)

Ein technologischer Schlüssel für künftige militärische Operationen

Airbus bezeichnet Manned- Unmanned Teaming (MUM-T), alternativ auch Crewed-Uncrewed Teaming (CUC-T) genannt, als die nahtlose Zusammenarbeit von bemannten und unbemannten Systemen, um gemeinsame Missionsziele zu erreichen.

Dabei dienen  Drohnen als Multiplikatoren, die verschiedenste Aufgaben übernehmen,  während die Besatzung und Drohnenpiloten in ihrem  Luftfahrzeug in sicherer Entfernung die volle Kontrolle behalten.  Die kooperative Zusammenarbeit von bemannten Plattformen  (Hubschrauber oder Kampfflugzeuge) und unbemannten Systemen  (UAS) in einem gemeinsamen Netzwerk gilt als technologischer  Schlüssel für moderne militärische Operationen und  wird bei Airbus in verschiedenen Sparten vorangetrieben. Mit  dem Wingman für Jagdflugzeuge, dem Remote Carrier als Teil  des Future Combat Air System (FCAS) sowie HTeaming, einer  modularen Lösung zur Steuerung unbemannter Systeme direkt  aus dem Cockpit eines Hubschraubers, verfolgt Airbus drei  unterschiedliche Konzepte. Während sich die erstgenannten  Projekte noch in der Konzeption  und anfänglichen Erprobungsphase  befinden, ist HTeaming  von Airbus Helicopters bereits auf dem Weg zur Anwendung.  Dazu erweitert Airbus Helicopters sein Segment um die Sparte  Unbemannte Luftfahrzeuge (UAV/UAS), um auch entsprechende  Drohnen unterschiedlichster Größe anbieten zu können, die für  MUM-T befähigt sind.

Konzeption und Erprobung

 Airbus Helicopters und die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde  DGA (Direction générale de l’armement) arbeiten intensiv  an der Konzeption und Demonstration von Manned-Unmanned-  Teaming-Systemen, um bemannte Hubschrauber mit  unbemannten Flugsystemen zu vernetzen. Bereits Ende 2017  vereinbarte Airbus Helicopters ein wegweisendes Projekt mit der  französischen Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA. Ziel war die  Entwicklung eines unbemannten Luftfahrzeugs für Nachrichten gewinnung, Überwachungs- und Aufklärungsmissionen (ISTAR)  im militärischen maritimen Umfeld. Aus diesem Projekt ging die  Entwicklung des taktischen Drohnensystems VSR700 hervor.  Die DGA-Kooperation zielte darauf ab, die Drohnensteuerung  direkt in das Gefechtsführungssystem eines Schiffes zu integrieren  und die Zusammenarbeit mit bemannten Hubschraubern  zu ermöglichen.

Die anfängliche bilaterale Zusammenarbeit mit der DGA weitete  sich Ende 2021 mit dem Projekt MUSHER auf europäische  Ebene aus. MUSHER (Development of a generic European  Manned UnmannShed Helicopter Environmental Response) ist  ein wegweisendes Verteidigungsprojekt im Rahmen des EDIDP  (European Defence Industrial Development Programme) der Europäischen  Union, das die Entwicklung eines skalierbaren europäischen  Systems für das Manned-Unmanned Teaming zum Ziel  hat. Es soll die Zusammenarbeit verschiedener Plattformen unterschiedlicher  Hersteller und europäischer Streitkräfte in einem  gemeinsamen Netzwerk für Einsätze in ziviler und militärischer  Umgebung ermöglichen. Zu den Partnern gehören neben Airbus  Helicopters auch Unternehmen wie Leonardo, Thales (Überwachungsstationen)  und Indra (Simulation) sowie weitere Industrie-  und Forschungspartner aus mehreren EU-Mitgliedstaaten.  Im Oktober 2024 lieferte eine groß angelegte Fähigkeitsdemonstration  in Frankreich und Italien mit Beteiligung mehrerer  Hubschrauber und unbemannter Systeme den Nachweis, dass  Plattformen verschiedener Hersteller in unterschiedlichen, voneinander  entfernten Operationsgebieten zeitgleich in einem gemeinsamen  Netzwerk zusammenarbeiten können. Dabei wurden  auch die Interoperabilitätsstufen (Level of Interoperability,  LOI) 2 bis 4, also vom direkten Empfang von UAS-Daten durch  die bemannten Hubschrauber und die Bodenstation bis hin zur  Steuerung und Überwachung der UAS von den Hubschraubern,  erfolgreich demonstriert.

Airbus Helicopters setzte in dieser Demonstration die H130  FlightLab als bemannte Plattform und die VSR700 als UAS  auf einem DGA-Testgelände in Frankreich ein, während zeit gleich Leonardo mit einem Hubschrauber und einem optional  bemannten Luftfahrzeug in Italien operierte. Die MUSHER-Demonstration  bestand aus verschiedenen Szenarien, bei denen  die verschiedenen Flugzeuge gleichzeitig in Frankreich und Italien  flogen. Die Missionen basierten auf Operationskonzepten,  die von den Verteidigungsministerien Frankreichs, Italiens und  Spaniens definiert wurden. Ein Szenario zeigte beispielsweise  UAS und bemannte Hubschrauber gemeinsam in einer Antipirateriemission.  Das UAS führte zunächst eine Überwachungsmission  durch. Als es verdächtige Aktivitäten auf einem Boot  entdeckte, wurde ein Hubschrauber zum Ort des Geschehens  entsendet, der zur Vorbereitung eines möglichen Eingreifens die  volle Kontrolle über das UAS übernahm.

H160 und VSR700 im gemeinsamen Einsatz. (Foto ©Airbus)
H160 und VSR700 im gemeinsamen Einsatz. (Foto ©Airbus)

HTeaming von Airbus 

Airbus Helicopters hat das HTeaming-System als modulare  MUM-T-Lösung entwickelt und 2025 während der Paris Air  Show erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. HTeaming ermöglicht  Hubschrauberbesatzungen, unbemannte Flugsysteme direkt  während des Fluges zu steuern und deren Sensoren sowie  Effektoren in ihre Einsätze zu integrieren. HTeaming kann entweder  als eigenständiges System (Stand-alone Solution) über  ein Tablet mit Benutzeroberfläche (Human-Machine Interface,  HMI), Modem und vier am Hubschrauber montierten Antennen  oder vollintegriert in das Missionssystem des Hubschraubers  genutzt werden. Die Lösung ist plattformunabhängig konzipiert,  sodass sie auf verschiedenen Hubschraubertypen installiert und  unterschiedliche Drohnentypen steuern kann. Eine spezialisierte  Software ermöglicht die autonome Verwaltung von Drohnenschwärmen  in Echtzeit, einschließlich Aufgabenplanung und  Kollisionsvermeidung. Das System konnte bereits erfolgreich in  verschiedene Hubschraubertypen von Airbus Helicopters als  Stand-alone-Lösung oder auch vollintegriert eingesetzt werden.  Neben der H145M haben die H130, H135M, H160 sowie  die H225M als weitere Muster in verschiedenen Testflügen mit unterschiedlichen Drohnen MUM-T-Operationen durchgeführt.  Die H145M beispielsweise hat im Rahmen der Erprobung die  Teamfähigkeit im Verbund unter anderem mit der LUNA NG von  Rheinmetall wie auch der Vector-Drohne von Quantum Systems  bis zum höchsten Level of Interoperability bewiesen.

HTeaming wird bislang als Stand-alone Solution angeboten.  Airbus Helicopters arbeitet jedoch intensiv daran, das System  schrittweise direkt in das Missionssystem seiner verfügbaren  unterschiedlichen Hubschraubermuster zu integrieren und es  möglichst schnell anbieten zu können.

Ein Crewmitglied an Bord der H225M der RSAF empfängt auf seinem Tablet Aufklärungsdaten von einer Flexrotor-Drohne in Echtzeit. (Foto ©Airbus)
Ein Crewmitglied an Bord der H225M der RSAF empfängt auf seinem Tablet Aufklärungsdaten von einer Flexrotor-Drohne in Echtzeit. (Foto ©Airbus)

Die unbemannten Systeme im MUM-T 

Parallel zum HTeaming-System bietet Airbus auch unbemannte  Systeme an, die erfolgreich in MUM-T-Anwendungen zum Einsatz  kommen. So kann Airbus Helicopters bereits jetzt schon  eine zuverlässige Gesamtlösung bestehend aus bemannter  Plattform und UAS anbieten. Dazu gründete Airbus im Oktober  letzten Jahres das Kompetenzzentrum Drohnen und führt  sein Angebot an taktischen Drohnensystemen unter dem Dach  von Airbus Helicopters zusammen. Mit der Konsolidierung der  UAS-Produktlinien entsteht ein umfassendes Angebot, das von  leichten Aufklärungsdrohnen bis hin zu maritimen Mehrzwecksystemen  reicht. Die Modelle Aliaca (25 kg, bis zu sechs Stunden  Flugzeit), Flexrotor (25 kg, zehn bis zwölf Stunden Flugzeit)  und Capa-X (120 kg, bis zu 20 kg Nutzlast) decken das mittlere Segment ab, während die VSR700 mit 750 kg Startgewicht als  Mehrzweck-UAS für Überwachung, Fracht und Küstenoperationen  positioniert ist. Das neue Kompetenzzentrum bündelt Entwicklung,  Betrieb und Support und beschleunigt die Kooperation  zwischen bemannten und unbemannten Systemen.

MUM-T in den Streitkräften 

Bei der Entwicklung und Implementierung von MUM-T arbeitet  Airbus eng mit Streitkräften zusammen, die mit verschiedenen  Hubschraubertypen von Airbus Helicopters ausgerüstet sind.  An erster Stelle ist Frankreich zu nennen. Sowohl die französische  Marine (Marine nationale française) als auch die Heeresfliegertruppe  ALAT (Aviation légère de l’armée de Terre) erproben  seit einigen Jahren MUM-T in ihren Bereichen. Die französische  Heeresfliegertruppe erprobt das Konzept aktuell intensiv  mit dem leichten Hubschrauber Gazelle sowie dem als Caïman  bezeichneten mittleren Transporthubschrauber NH90 TTH. So  wurden bereits im Rahmen von Versuchen und Truppenübungen  kleine FPV-Drohnen (First Person View) zu Aufklärungszwecken  aus dem Hubschrauber heraus gestartet und von einem  Operator im Flug direkt gesteuert. Die Gazelle wie auch der Caïman  dienen hierbei als fliegender Kommandoposten. Durch die  Kopplung mit Drohnen kann der Hubschrauber aus sicherer Entfernung  oder hinter Deckung operieren, während die Drohne die  Aufklärung übernimmt oder Ziele direkt angreift. Das eingesetzte  System nutzt spezielle Funkverbindungen und Datenlinks, um  das Videobild der Drohne in Echtzeit auf ein Tablet oder Display  im Cockpit zu übertragen. Die sowohl bei den Marinefliegern  als auch den Heeresfliegern gewonnenen Ergebnisse legen den  Grundstein für die Integration von Drohnen-Schwarm-Technologien  in den neuen Mehrzweck-Hubschrauber H160M Guépard.  Darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung  des Kampfhubschraubers Tiger zur Mk3-Version.  Eine nicht minder wichtige Position bei der Implementierung von  MUM-T nehmen die spanischen Streitkräfte ein. Im Mai 2025  testete die spanische Marine (Armada Española) auf dem Luftwaffenstützpunkt  Coronel Maté in Madrid in einem Flugversuch  erfolgreich das Zusammenwirken zwischen einem Airbus H135M  Nival und der Flexrotor-Drohne. Dabei führte die Flexrotor-Drohne  eine Aufklärungsmission durch, bei der die Aufklärungsdaten  in Echtzeit ins Cockpit des Hubschraubers übertragen wurden.  Auch die Heeresfliegerkräfte der spanischen Armee (Fuerzas  Aeromóviles del Ejército de Tierra, FAMET) erproben MUM-T  intensiv. In einem Test auf dem Truppenübungsplatz Chinchilla  nahe Albacete erprobten die spanischen Heeresflieger die Integration  der Loitering Munition Q-SLAM-40 des spanischen  Herstellers Arquimea in einen NH90 TTH und deren präzisen  Einsatz aus der Luft. Die Q-SLAM-40 ist eine Kleindrohne, die  gleichermaßen für Präzisionsangriffe gegen Bodenziele, aber  auch zur Drohnenabwehr eingesetzt werden kann.

Auch Singapur gehört zu den Nationen, deren Streitkräfte sich  mit MUM-T beschäftigen. Im Juni vergangenen Jahres startete  Airbus Helicopters mit der Defence Science and Technology  Agency (DSTA) eine umfangreiche Testkampagne, in der eine  mit HTeaming ausgerüstete H225M der Republic of Singapore  Air Force (RSAF) unter realen Bedingungen gemeinsame Einsätze  mit der Flexrotor-Drohne durchführte. Im Rahmen der  Testkampagne wurde auch eine Such- und Rettungsmission  (SAR) simuliert, in deren Verlauf ein abgestürzter Pilot gerettet  werden sollte. Der erfolgreiche Abschluss der Erprobung sowie  die Ergebnisse der Kampagne wurden offiziell während der Singapore  Airshow 2026 präsentiert.

Carsten Vennemann

Den Beitrag lesen Sie im WTR AIR POWER.

 

 

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