Weltraumarchitektur – Einsatzunterstützung durch die TSK CIR

SATCOMBw leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der Führungsfähigkeit unter anderem bei der Landes- und Bündnisverteidigung. (Foto © Airbus)
SATCOMBw leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der Führungsfähigkeit unter anderem bei der Landes- und Bündnisverteidigung. (Foto © Airbus)

Eine vernetzte und resiliente Multi-Orbit-Gesamtarchitektur

Der Weltraum ist eine unverzichtbare gesamtstaatliche Ressource, deren  Bedeutung weit über zivile Anwendungen hinausgeht und entscheidend für militärische Operationen ist. Ein „Day without Space“, also ein Tag ohne weltraumgestützte Dienste, würde massive Auswirkungen auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Ohne Satelliten und ihre Dienste würden unter anderem Navigation, Kommunikation und Energieversorgung zusammenbrechen.  In der Folge wäre die militärische Handlungs- und Führungskompetenz erheblich eingeschränkt.

Angesichts wachsender Bedrohungen und technologischer Entwicklungen muss sich die Bundeswehr diesen stellen und zukunftsfähig ausrichten. Im Jahre 2019 erklärte die NATO den Weltraum offiziell zur „Domain of Operations“ sowie darauffolgend als „War Fighting Domain“. Der Beginn des Ukrainekrieges mit dem Cyberangriff auf das Unternehmen Viasat und der damit einhergehenden erheblichen Einschränkung der Führungsfähigkeit durch Verlust der Satellitenkommunikation der ukrainischen Streitkräfte zeigte, dass diese Einordnung zutreffend war. Der Kollateralschaden mit dem Ausfall von Windkraftanlagen, welche über Viasat angebunden waren, war selbst hierzulande spürbar. Ebenso zeigen die Störungen von GPS im Ostseeraum oder die Nutzung von Starlink die Bedeutung einer ungehinderten Nutzung weltraumgestützter Dienste.

Die Bundesrepublik Deutschland ist sich der Relevanz des Weltraums und den damit einhergehenden Nutzungsmöglichkeiten bewusst. Die Investition von 35 Milliarden Euro im Bereich Weltraum, welche der Verteidigungsminister beim Weltraumkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie am 25. September 2025 ankündigte, ist ein Gamechanger für die kriegstüchtige Gesamtarchitektur Weltraum. In der im November 2025 veröffentlichten ersten Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung spiegeln sich die Investitionen in den Handlungslinien Mittelfriswider. Es werden Leitlinien formuliert und die Grundlage einer vernetzten, resilienten Multi-Orbit-Gesamtarchitektur Weltraum der Bundeswehr bis 2029 und darüber hinaus definiert.

Eine verlässliche Verfügbarkeit weltraumbasierter Services ist für Erhalt und Beschleunigung militärischer Handlungsfähigkeit essenziell. So zeigen zum Beispiel die aktuellen Entwicklungen im Bereich Multi-Domain Operations (MDO) und Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO), dass die Verkürzung der Sensor-to-Shooter- Wirkungskette, also die Zeit von der Aufklärung eines Ziels (Sensor) bis zur Wirkung im Ziel durch einen Effektor (Shooter), durch nahezu Echtzeitaufklärung mit Satelliten eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Operationen spielen wird. Generell stellen zukünftige Waffensysteme hohe Anforderungen an Datenraten und weltweite Verfügbarkeit mit geringen Latenzzeiten, die nur durch Weltraumsysteme sichergestellt werden können.

Die Einsatzunterstützung aus dem Weltraum nimmt hierbei eine Kernfunktion mit der weltweit abbildenden Aufklärung, Kommunikation sowie Positionsbestimmung, Navigation und Zeitfestlegung (PNZ) als auch mit der Erd-/Wetterbeobachtung ein. Die Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (TSK CIR) bündelt als „Auge, Ohr und zentrales Nervensystem der Streitkräfte“ diese zentralen Dienste und stellt sie der Bundeswehr konsolidiert zur Verfügung.

Im Einzelnen stellt die TSK CIR mit der Einsatzunterstützung aus dem Weltraum folgende Services bereit:

Satellitenkommunikation

Eine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur ist für moderne Streitkräfte die Voraussetzung einer effektiven Führungsfähigkeit. Nur so ist die verzugsarme, unterbrechungsfreie Informationsgewinnung, -aufbereitung und -verteilung über alle Führungsebenen hinweg möglich und infolgedessen eine entsprechende Informationsüberlegenheit gewährleistet. Insbesondere zur Sicherstellung ihrer Führungsfähigkeit in Auslandseinsätzen und zur Landes- und Bündnisverteidigung hat die Bundeswehr einen gesicherten Zugriff auf Kommunikationssatelliten zum weltweiten Daten- und Informationsaustausch.

Die Satellitenkommunikation wird mit dem bundeswehreigenen System SATCOMBw, derzeit SATCOMBw Stufe 2, mit zwei Satelliten bereitgestellt. Beginnend ab 2027 wird durch die Nachfolgegeneration SATCOMBw Stufe 3 Anfangsbefähigung, bestehend aus drei Satelliten, das derzeitige System ersetzt. Das System SATCOMBw befindet sich im geostationären Erdorbit (GEO) in etwa 36.0000 km über der Erde. Darüber hinaus ist die Bundeswehr im Rahmen eines Dual-Use-Vertrages an dem Satelliten Heinrich Hertz beteiligt, der am 5. Juli 2023 in den geostationären Orbit verbracht wurde und neben der zivilen auch über eine militärische Nutzlast verfügt. Ergänzt wird das eigene System der Bundeswehr durch Providerlösungen, um so die militärischen Bedarfe vollständig abzudecken. Mittelfristig beabsichtigt die Bundeswehr die Einführung einer eigenen Satellitenkonstellation im niedrigen Erdorbit (LEO), bestehend aus einer hohen dreistelligen Anzahl an Satelliten, um so eine breitbandige, vollvernetzte und weltweite Anbindung der Truppe sicherzustellen.

SARah: Die Radartechnologie zur abbildenden Aufklärung hat gegenüber optischen Satelliten den Vorteil, dass sie tageszeit- und wetterunabhängig aufklären kann. (Foto © Airbus)
SARah: Die Radartechnologie zur abbildenden Aufklärung hat gegenüber optischen Satelliten den Vorteil, dass sie tageszeit- und wetterunabhängig aufklären kann. (Foto © Airbus)

Weltweit abbildende Aufklärung

Die TSK CIR nimmt bundeswehrgemeinsame Aufgaben für das Militärische Nachrichtenwesen wahr und steuert die streitkräftegemeinsamen Aufklärungsfähigkeiten. Mit dem Spektrum der Systeme trägt die TSK zur Operationsführung auf strategischer, operativer und taktischer Ebene bei.

Im Bereich der weltweit abbilden Aufklärung aus dem LEO verfügt die Bundeswehr über Radar-Aufklärungssatelliten (Synthetic Aperture Radar, SAR). Diese bieten den Vorteil, dass sie jederzeit weltweit aufklären können, ohne dabei Hoheitsrechte zu verletzen. Sie sind damit besonders geeignet, ohne eskalierende Wirkung Informationen zur Krisenfrüherkennung, Krisenvorsorge und zum wirksamen Krisenmanagement zu gewinnen. Die genutzte Radartechnologie zur abbildenden Aufklärung hat gegenüber optischen Satelliten den Vorteil, dass sie unabhängig von Tageszeit und Wetter aufklären kann. Die Satelliten setzen sich zusammen aus dem System SAR-Lupe sowie dessen Nachfolgesystem SARah. SAR-Lupe bestand ursprünglich aus fünf Reflektor-Satelliten, von denen einer am 14. Januar 2026 wieder in die Erdatmosphäre eingetreten ist. Die übrigen vier Satelliten befinden sich weiterhin im Betrieb. Das System SARah besteht derzeit aus einem Phased-Array- und zwei Reflektor-Satelliten und wird zukünftig durch einen weiteren Phased-Array-Satelliten ergänzt.

Zusätzlich verfügt die Bundeswehr ab Oktober 2026 über das taktische Aufklärungssystem SPOCK Stufe 1 (Spacesystem for Persistent Operational traCKing) im LEO, welches der Panzerbrigade 45 in Litauen aktuelle Bilder mit hoher zeitlicher und räumlicher Abdeckung der NATO-Ostflanke zur Verfügung stellen wird. SPOCK Stufe 1 ist als Provider-Lösung die Adhoc- Erstbefähigung im Zuge der Zeitenwende. Parallel findet die Entwicklung einer bundeswehreigenen Lösung (SPOCK Stufe 2) statt. Diese soll schnellstmöglich und nahtlos SPOCK Stufe 1 als Zielbefähigung SPOCK Stufe 2 ablösen.

Ergänzt wird die weltweit abbildende Aufklärung der Bundeswehr durch die Zusammenarbeit mit Partnern, unter anderem durch das französische System Composante Spatiale Optique. Hierbei handelt es sich um ein elektrooptisches Aufklärungssystem, bestehend aus drei Satelliten. Zudem erhält die Bundeswehr Nutzungsrechte am zukünftigen Global Electro Optical Reconnaissance System Germany des Bundesnachrichtendienstes, sodass die Bundeswehr insgesamt über viele verschiedene Aufklärungsmöglichkeiten verfügt.

Das taktische Aufklärungssystem SPOCK liefert hochaktuelle Aufklärungsdaten, insbesondere für die Brigade Litauen. (Foto  ©ICEYE )
Das taktische Aufklärungssystem SPOCK liefert hochaktuelle Aufklärungsdaten, insbesondere für die Brigade Litauen. (Foto  ©ICEYE )

GeoInfo-Unterstützung

Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr leistet für die Bundeswehr GeoInfo-Unterstützung. Er berät zur PNZ hinsichtlich der Mittel und Verfahren zur Bestimmung zuverlässiger Positionen, sicherer Navigation sowie Zeitangaben. Die Einsatzunterstützung aus dem Weltraum umfasst mit Fernerkundungsdaten, Wetterdaten und PNZ auch Teile der GeoInfo-Unterstützung. Positionsbestimmung, Navigation und Zeitfestlegung nimmt insgesamt eine Schlüsselrolle ein.

PNZ bezeichnet alle Verfahren, Informationen und Technologien zur Ortsbestimmung und Navigation sowie zur Festlegung und Bereitstellung von Zeitinformationen. Damit befähigt PNZ die Bundeswehr, sich in den Dimensionen Land, Luft, See und Weltraum exakt zu positionieren, zu navigieren und in allen Dimensionen einschließlich des Cyber- und Informationsraums präzise zu wirken sowie zuverlässige Zeitgeber zur Synchronisierung von Kommunikation und Informationsaustausch zur Auftragserfüllung zu nutzen.

GALILEO: Im Rahmen der GeoInfo-Unterstützung wird der geografische Raum mit seinen Geofaktoren erfasst und lage- und ebenengerecht für alle Bedarfsträger aufbereitet, um sich darin exakt zu positionieren, zu navigieren sowie präzise auf Ziele wirken zu können. (Foto ©ESA/Pierre Carril)
GALILEO: Im Rahmen der GeoInfo-Unterstützung wird der geografische Raum mit seinen Geofaktoren erfasst und lage- und ebenengerecht für alle Bedarfsträger aufbereitet, um sich darin exakt zu positionieren, zu navigieren sowie präzise auf Ziele wirken zu können. (Foto ©ESA/Pierre Carril)

Zusammenfassend lässt sich zur Weltraumarchitektur und der Einsatzunterstützung aus dem Weltraum durch die TSK CIR Folgendes hervorheben: Hochverfügbare weltraumgestützte Services sind heute, insbesondere im Rahmen der Zeitenwende, für die militärische Einsatzfähigkeit der Streitkräfte unverzichtbar. Die TSK CIR ist Treiber der Digitalisierung und Treiber der zukünftig kriegstüchtigen, das heißt einer vernetzten, resilienten Multi-Orbit- Gesamtarchitektur, Einsatzunterstützung aus dem Weltraum. Darüber hinaus nutzt sie die Services einer Vielzahl ziviler Satelliten. In enger Zusammenarbeit mit dem Weltraumkommando der Bundeswehr erfolgt eine koordinierte Nutzung des Weltraums. Das Weltraumkommando stellt dabei den sicheren Betrieb durch die Bereitstellung der Weltraumlage sowie den Schutz der Satelliten durch das Planen und Führen von Weltraumoperationen sicher. Wird im Rahmen eines gegnerischen Angriffs die Nutzbarkeit des Weltraums eingeschränkt, führt dies zu unmittelbaren und signifikanten Konsequenzen. Die Teilstreitkraft CIR verfügt über Fähigkeiten, mit denen sie grundsätzlich gegen verschiedene Bedrohungen von Weltraumsystemen wirken kann.

Kai Macht
Oberleutnant Kai Macht ist Sachbearbeiter Weltraum
im Referat Strategie Cyber- und Informationsraum des
Kommando CIR.

Den Beitrag lesen Sie im WTR AIR POWER.

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