Das Logistikbataillon 163 RSOM

Ein Einweiser weist einen Kraftfahrer eines Lkw per Handzeichen in die Parkposition an Bord eines Roll-on-roll-off-Schiffes ein. (Foto © Bw/Michael In der Au)
Ein Einweiser weist einen Kraftfahrer eines Lkw per Handzeichen in die Parkposition an Bord eines Roll-on-roll-off-Schiffes ein. (Foto © Bw/Michael In der Au)

Ein Unikat innerhalb der Bundeswehr

Wenn Kampfpanzer, Schützenpanzer und Gefechtsfahrzeuge aller Art über Tausende Kilometer hinweg verlegt werden, wenn ganze Brigaden samt Material und Personal innerhalb weniger Tage und Wochen im Einsatzraum kampfbereit zur Verfügung stehen sollen, dann schlägt die Stunde des Logistikbataillons 163 RSOM.

Der 2020 in den Dienst gestellte Verband mit Hauptsitz in Delmenhorst und Teilen in Burg ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen NATO-Logistik und einzigartig innerhalb der Bundeswehr. Er ist auf den RSOM-Prozess spezialisiert: Reception, Staging, Onward Movement, also der Aufnahme, Vorbereitung und Verlegung großer Truppenkontingente im Einsatzgebiet.

Eine neue Bedrohungslage erfordert neue Konzepte auch in der Logistik

In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt der Logistik im internationalen Krisenmanagement auf der logistischen Unterstützung von stationären und langfristig eingesetzten Kräften, welche unter planbaren, logistischen Rahmenbedingungen und in beherrschbarer Bedrohungslage agierten. Mit der Neuausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung haben sich jedoch auch die Einsatzszenarien für die Logistik grundlegend verändert. In diesem Konfliktszenario müssen deutlich mehr Kräfte als bisher nach kurzer Reaktionszeit über weite Entfernungen innerhalb des Bündnisgebietes strategisch verlegt werden und in beweglich geführten Operationen zum Einsatz kommen. Eine dieser Aufgaben der Logistik wird durch das Logistikbataillon 163 RSOM sichergestellt.

Das Logistikregiment 1 aus Burg bei Magdeburg als übergeordnete Dienststelle übernimmt als Teil des logistischen Netzwerks im Einsatz die taktische Führung von logistischen Kräften. Sie führt die Versorgungsketten bis in das Einsatzgebiet zusammen. Das unterstellte Logistikbataillon 163 RSOM ist anschließend für die praktische Umsetzung des RSOM-Prozesses verantwortlich.

In der NATO unterteilt sich dieser Prozess in die Phasen Reception, Staging und Onward Movement. Während andere logistische Verbände klassisch Instandsetzung, Transport, Umschlag und Versorgung leisten, ist das Logistikbataillon 163 RSOM ausschließlich auf den RSOM-Prozess ausgerichtet. Es koordiniert die Aufnahme von Personal und Material nach Abschluss der strategischen Verlegung an den entsprechenden Seehäfen, Flughäfen und Bahnhöfen, führt sie in Sammelräumen zusammen und unterstützt die Weiterverlegung in die Einsatzräume.

Alles greift ineinander

Mit der Ankunft von Soldatinnen und Soldaten, Fahrzeugen und Materialien an Häfen, Flughäfen oder Bahnhöfen (Ports of Debarkation, POD) beginnt die Arbeit der beiden Umschlagkompanien des Bataillons und damit die Phase Reception (Aufnahme). Die zweite Kompanie als Umschlagkompanie Land/See betreibt Hafen- und Eisenbahnumschlagpunkte und ist in der Lage, mit jedem ihrer drei Züge einen entsprechenden Umschlagpunkt einzurichten sowie die Entladung von Fahrzeugen, Vorräten und Gütern sicherzustellen. Mit modernen Umschlaggeräten wie Mobilkränen und Containerstaplern sorgt sie dafür, dass Materialströme aus Übersee oder per Bahn schnell ins Einsatzgebiet gelangen. Parallel dazu übernimmt die dritte Kompanie als Umschlagkompanie Luft die Abfertigung von Personal und Material an Flughäfen. Sie kann in der Zielstruktur bis zu vier Luftumschlagpunkte gleichzeitig betreiben. Im engen Verbund dazu wird die Aufnahmezelle Einsatzgebiet (Theatre Reception Center, TRC) eingesetzt, welche das ankommende Personal registriert und für die Einweisung in den Raum zuständig ist. Nach der Aufnahme bereiten die beiden Umschlagkompanien das Personal und Material auf den nächsten Schritt im RSOM-Prozess vor: die Phase Staging.

Beim sogenannten Staging werden die Kräfte in Staging Areas (Sammelräume) verbracht, dort werden das Material und Personal wieder zusammengeführt. Insgesamt drei dislozierte Züge der vierten Kompanie können jeweils einen Sammelraum betreiben. Zum Aufgabenrepertoire der vierten Kompanie gehören in dieser Phase die Rahmenorganisation und Koordination mit dem Gastland (Host Nation Support, HNS) oder den Vertragspartnern (Contractor Support to Operations, CSO) sowie die Koordination des Kräfteflusses aus den Ports of Debarkation. Ihre Aufgabe ist es, die Soldatin nen und Soldaten nicht unkoordiniert im Einsatzgebiet zu verteilen, sondern als funktionierende militärische Einheit, strukturiert und mit den jeweiligen Einsatzvorräten (Verpflegung, Treibstoff und Munition) ausgestattet, auf die Weiterverlegung in den erwarteten Einsatzraum vorzubereiten. Somit steht hier neben der reinen Leistungserbringung vor allem die Führung von logistischen Prozessen innerhalb der Staging Area im Vordergrund.

Von Major Oliver Dörries und Oberleutnant Niklas Miesner, Logistikbataillon 163 RSOM der Bundeswehr

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