Neue Generation Stromerzeugeraggregate für die Bundeswehr

Das neue Stromerzeugeraggregat 200 kW der Bundeswehr. [Foto: © Bw]
Das neue Stromerzeugeraggregat 200 kW der Bundeswehr. [Foto: © Bw]

Vom Werkzeug zum modernen Waffensystem

Konflikte werden nicht erst seit Menschen Gedenken ausgetragen, sondern vielmehr schon bevor es den Menschen überhaupt gab. Doch erst mit den frühen Vorfahren des Menschen änderte sich die Art und Weise, wie diese geführt wurden.

Während zunächst nur Zähne, Klauen oder Gliedmaßen zum Einsatz kamen, fanden mit den Frühmenschen auch einfache Werkzeuge aus Stöcken, Knochen und Steinen Verwendung bei der Konfliktaustragung. Wie der Mensch sich weiterentwickelte, so wurden auch die Werkzeuge immer weiter speziell für die Austragung von Konflikten optimiert und aus Werkzeugen wurden Waffen. Lange Zeit dominierten Hieb-, Stich- und Wurfwaffen, später ergänzt durch Schleudern, Bögen und Katapulte.

Der erste grundlegende Sprung in der Entwicklung hin zu modernen Waffen wurde durch den Einsatz von Schwarzpulver als Treibladung für Projektile erreicht. Danach folgten die Mechanisierung sowie der Einsatz von Kernspaltung und Kernfusion. Letzterer definiert auch heute noch den geopolitischen Handlungsrahmen als Ultima Ratio. Dennoch gab es weitere Sprünge in der Entwicklung. Heute insbesondere durch Automatisierung, Autonomie und Künstliche Intelligenz, getragen von der wohl prägendsten aller Entwicklungen. Der Elektrifizierung der Kriegsführung.

Strom, die oftmals verkannte Primärfähigkeit

Anfangs nicht benötigt, später wenig beachtet. Mit der Mechanisierung gewann die Verfügbarkeit elektrischer Energie zunehmend an Bedeutung. Informationsgewinnung, Aufklärung, Systembedienung, Wirkung. Einst alles im wahrsten Sinne des Wortes Handarbeit, heute elektrifiziert. Inzwischen kommt kaum ein Waffensystem noch ohne Strom aus, selbst Hand- und Schulterwaffen verfügen oftmals über ein batterieelektrisches Laser- oder Rotpunktvisier. In Zeiten intakter Infrastruktur und stabiler Netze ist es ein Leichtes zu vergessen, dass nahezu alle Systeme und damit auch die Fähigkeiten der Bundeswehr selbst abhängig sind von elektrischer Energie.

Unter Einsatzbedingungen wird dies dagegen umso offensichtlicher. Fernab funktionaler Infrastruktur muss eine stabile Stromversorgung erst verfügbar gemacht werden, um die Einsatzfähigkeit der Truppe herzustellen. In Konflikten sind Kraftwerke und Netzinfrastruktur nicht ohne Grund Hochwertziele mit deren Zerstörung man den Opponenten empfindlich treffen kann. Strom befähigt die Truppe, ihren Auftrag zu erfüllen. Er ist nicht irgendeine Fähigkeit, er ist die oftmals verkannte Primärfähigkeit jeder modernen Armee, die beinahe jegliche andere Fähigkeit überhaupt erst ermöglicht.

Sicherstellung der Stromversorgung

Um diese Primärfähigkeit auch unter Einsatzbedingungen bereitzustellen, kommen seit dem Ersten Weltkrieg Generatoren, sei es direktangetrieben oder im Nebenabtrieb, und elektrochemische Batterien oder Akkumulatoren zum Einsatz und gewannen zunehmend an Bedeutung. Lange Zeit wurden diese Systeme zur Bereitstellung elektrischer Energie jedoch getrennt voneinander betrachtet und weiterentwickelt. In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde mit der sogenannten 2. Generation an Stromerzeugeraggregaten (SEA) die Bundeswehr mit einer leistungsbedarfsgerechten Produktpalette an überwiegend dieselbetriebenen SEA ausgestattet.

Neben den Vorgaben der NATO zur Single Fuel Policy (SFP) erfüllten diese auch die grundlegenden Forderungen nach Einfachheit und Robustheit. Die 2. Generation ist sogar so robust, dass diese heute noch in Nutzung ist, auch wenn dies aufgrund der immer weiter verschärften Auflagen des Arbeits- und Umweltschutzes nur mittels Ausnahmegenehmigung respektive Bestandsschutz möglich ist. Schon bei der Nutzungsdauerverlängerung war klar, dass dies keine dauerhafte Lösung sein würde. Ergänzt und später abgelöst werden sollten die alten Aggregate durch die sogenannte 3. Generation, welche in den 2000er- und 2010er-Jahren in die Bundeswehr eingeführt wurde.

Um die Stromversorgung moderner, sparsamer und nachhaltiger zu gestalten, kam eine damals neue Technologie zum Einsatz. Mit Variable Speed Constant Frequency (VSCF) sollten die Motoren der Aggregate leistungsbedarfsgerecht angesteuert und in der Drehzahl der Lastabgabe angepasst werden, um so konstant hohe Drehzahlen zu vermeiden und Kraftstoffverbräuche sowie Emissionen zu senken. Eine entsprechend aufwendige Leistungselektronik sollte dies ermöglichen. Doch hierin lag zugleich auch die Schwachstelle der neuen Technologie. Leistungselektronik unterliegt einem sehr kurzen Produktlebenszyklus, sodass die vermeintlich moderne Technik sich selbst überholte. Obsoleszenz machte es zunehmend schwerer, die Produkte der 3. Generation in Nutzung zu halten, die vermeintlichen Vorteile der VSCF-Technologie kamen aufgrund des Nutzungsprofils nicht zum Tragen. Als weiteres Material beschafft werden sollte, wurde entschieden, anstelle der Beschaffung zusätzlicher Produkte der 3. Generation einen anderen Weg zu gehen. Der Weg für die Beschaffung einer 4. Generation war frei.

Von Autorenteam Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr

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