Wenn der Funk schweigt oder an die gegnerische Truppe verrät
Plötzlich ist es ganz ruhig. Auch am Funk herrscht Stille. Die sonst so regelmäßige Meldung vom Zugführer dringt nicht mehr zum Alarmposten durch. Die Soldaten werden unruhig. Als sie dann auch noch glauben, im Beobachtungsbereich Bewegungen zu erkennen, wissen sie noch nicht, was gerade passiert ist.
So oder so ähnlich erging es jenen, die es bereits erlebt haben, zum Beispiel bei einer Übung: Fernmeldebetrieb unter Einfluss des Elektromagnetischen Kampfs gegnerischer Kräfte. Entweder funktioniert die Fernmelde- und Datenverbindung nicht mehr, dann wurde man gestört. Oder aber, es werden falsche Informationen übermittelt, weil sich jemand mit einem „gestohlenen“ Rufzeichen meldet oder die Positionsdaten des GPS verfälscht wurden. Es kann auch passieren, dass der Standort aufgrund der Ausstrahlung eigener Fernmeldemittel aufgeklärt wird und die eigene Stellung beschossen oder durch Drohnen bekämpft wird, obwohl die Tarnung doch scheinbar gut gewählt wurde.
Die Elektronische Kampfführung
Täuschen und Stören gegnerischer Fernmeldeverkehre ist eines der drei Handlungsfelder des Elektromagnetischen Kampfs (EK) und wird bei der NATO als „Electromagnetic Attack“ bezeichnet. Die zwei weiteren sind die Überwachung der Nutzung des elektromagnetischen Umfelds (hier insbesondere Kommunikationsund Radarsignale) durch den Gegner, bei der NATO auch als „Electromagnetic Surveillance“ bezeichnet, sowie die Verteidigung im elektromagnetischen Umfeld, international auch als Electromagnetic Defence bekannt. Im Gegensatz zur NATO gehört in Deutschland auch die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung, eine klassische Aufklärungsdisziplin, zur Elektronischen Kampfführung (EloKa) dazu. Die aktuell in Deutschland verfügbaren und geplanten Systeme erstrecken sich auf alle Dimensionen: Zur See, in der Luft und im Weltraum sowie zu Lande sind Fähigkeiten der EloKa- Truppe in der Nutzung, der Einführung oder in Planung. Während in der Vergangenheit in den mandatierten Auslandseinsätzen insbesondere der Schutz von Konvois vor funkausgelösten Sprengfallen (Radio-Controlled Improvised Explosive Device, RC-IED) im Fokus stand, sind es heute weitaus mehr Fähigkeiten, die unter dem Eindruck der russischen Bedrohung des NATO Bündnisgebiets durch die EloKa-Truppe abgedeckt werden müssen. Die russischen Streitkräfte sind mit allen notwendigen Mitteln des Elektromagnetischen Kampfs aufgestellt und setzen diese im Krieg gegen die Ukraine sehr effektiv Tag für Tag ein.
Unterstützung von Landoperationen
Um diesen gegnerischen Fähigkeiten bewusst entgegentreten zu können sowie gegnerische Streitkräfte zu stören, ihre elektromagnetischen Ausstrahlungen zu erkennen und zu orten, werden in absehbarer Zeit in einem landbasierten System sowohl die Fähigkeiten des Elektromagnetischen Kampfs als auch die der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung als System zur Unterstützung von Landoperationen zusammengeführt. Mit Sensoren, die nicht nur fahrzeuggebunden, sondern auch mittels Muskelkraft oder Drohnen verbringbar sind, ist die EloKa-Truppe zur Überwachung des gesamten elektromagnetischen Umfelds im Verantwortungsbereich der Truppenführung befähigt.
Der EK-Raumschutz vor UxS
Über den Schutz von Konvois vor funkausgelösten Sprengfallen hinaus werden zukünftig Fähigkeiten des EK-Raumschutzes besonders schützenswerte Punkte oder Räume vor unbemannten Systemen (EK-Raumschutz UxS) überwachen. Dies könnte in räumlicher Nähe zur Kampfzone ein Gefechtsstand oder eine Sammelstelle für Verwundete sein. Dahinter sind es Versorgungs- oder Verpflegungspunkte, die vor Drohnen zu schützen sind. Im Verantwortungsraum der Heimatschutzdivision wären hier auch Anlagen und Strukturen der verteidigungswichtigen und kritischen Infrastruktur (KRITIS) denkbar. Zu den verteidigungswichtigen Infrastrukturen gehören neben militärischen Anlagen (unter anderem Gefechtsstände, Munitionsdepots oder Truppenlagern) auch zivile Einrichtungen wie beispielsweise die Energie- und Wasserversorgung, Bahnhöfe, Flughäfen oder Autobahnbrücken.