Der HHK öffnet seine Archive. Wir werden ab jetzt in regelmäßigen Abständen unter dem Namen „DAMALS“ interessante Artikel und Einblicke aus der Vergangenheit veröffentlichen. Dies allerdings nicht aus rein historischen Gründen, sondern weil die Gedanken und Überlegungen heute angesichts der steigenden Aggression Russlands wieder aktueller sind denn je.
HHK 2/2022: Ausbildung und logistische Betreuung für deutsche F-35: So könnte es gehen…
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat entschieden, für die Aufgabe der nuklearen Teilhabe die Beschaffung des Flugzeugtyps F-35 über ein sogenanntes FMS-Verfahren (Foreign Military Sales) in den USA einzuleiten. „Die F-35 bietet ein einzigartiges Kooperationspotenzial mit unseren NATO-Verbündeten und weiteren Partnern in Europa“, sagte die Ministerin.
„Die F-35 ist das modernste Kampfflugzeug weltweit, viele unserer europäischen Partner haben sich ebenfalls für dieses Flugzeug entschieden“, erklärte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz. „Es stärkt unsere Fähigkeit, gemeinsam mit ihnen den NATO-Luftraum zu sichern und das Bündnis zu verteidigen.“
F-35: Die Champions League
Die nukleare Teilhabe als Begründung für den Kauf der F-35 ist ein wichtiges sicherheitspolitisches Argument. Im Zusammenwirken der NATO-Luftstreitkräfte ist jedoch der Zuwachs an Fähigkeiten vielleicht noch viel entscheidender. Bei der Übergabe der ersten niederländischen F-35 in Fort Worth 2019 sagte Generalleutnant Dennis Luyt, Kommandeur der Königlich Niederländischen Luftwaffe, nur mit der F-35 sei man „Teil der Champions League der Luftstreitkräfte“. Das Flugzeug werde „die gesamte Luftkriegsführung revolutionieren.“ Aufgrund ihres überragenden Lagebildes ist die F-35 bei einem gemeinsamen Einsatz quasi der „Quarterback“ für die Jets der 4. Generation. Bei Redaktionsschluss waren die Verhandlungen mit den USA noch nicht abgeschlossen. Zusätzlich zur reinen Beschaffung stellen sich natürlich auch die Fragen nach der Ausbildung der Piloten und der technischen Unterstützung. Dazu nachfolgend Informationen aus den USA und Italien, naturgemäß gewonnen noch vor Ausbruch der Corona- Pandemie, die gleichwohl beispielhaft aufzeigen, wie mögliche Lösungen für die deutsche Luftwaffe aussehen könnten.

Zur Ausbildung
Luke Air Force Base in Arizona – dort bilden die Italiener und Norweger ihre F-35-Piloten aus. In der 62th Fighter Squadron trainieren sie zusammen mit den US-Piloten. 24 F-35 der U.S. Air Force (USAF) sowie sieben norwegische und vier italienische Maschinen stehen zur Verfügung. Die Wartung der US-Maschinen erfolgt durch die USAF. Lockheed Martin betreut die der europäischen Partner. Im Schnitt fliegen pro Tag 18 Jets, egal von welcher Nation mit welchem Piloten auch immer. 30 amerikanische, sieben norwegische und fünf italienische Fluglehrer bringen ihre Expertise ein. Natürlich steht die Simulatorausbildung am Anfang, sie dauert drei Monate. Da es keine F-35-Doppelsitzer gibt, ist gleich die erste echte Flugstunde allein im Cockpit zu meistern. In den nächsten sechs Monaten stehen dann 48 Ausbildungsflüge auf dem Programm, bis hin zu Kämpfen „acht gegen vier“.

Maintenance, Repair, Overhaul and Upgrade
In Deutschland noch weitgehend unbekannt, für unsere Verbündeten aber schon ein Begriff: Cameri, eine 10.000 Seelen-Gemeinde in der norditalienischen Region Piemont, 40 Kilometer von Mailand entfernt. Dort befindet sich die einzige Final Assembly and Checkout Einrichtung (FACO) für F-35 in Europa. Eine weitere außerhalb der USA gibt es noch in Japan.

Die FACO in Cameri gehört der italienischen Regierung und wird von der Firma Leonardo mit Unterstützung durch Berater von Lockheed Martin betrieben. Dort werden F-35A (das Standardmodell für konventionelle Start- und Landebahnen) und F-35B (mit einem zusätzlichen Triebwerk direkt hinter dem Piloten für vertikalen Schub zur Nutzung sehr kurzer Start- und Landebahnen) für die Niederlande (46 F-35A) und Italien (60 F-35A und 30 F-35B) produziert. Hinzu kommt die „Wing“-Produktion für alle F-35A und F-35B, auch die in den USA gefertigten.
Die FACO in Cameri ist die zentrale Stelle in Europa für Maintenance, Repair, Overhaul and Upgrade (MRO&U). Alle europäischen F-35 sowie die in Europa und im Mittelmeerraum stationierten amerikanischen F-35 werden hier logistisch betreut. Das würde dann auch für die Maschinen der Luftwaffe zutreffen.
