Kdr DSK: Wir sind schon kampf- und kriegstüchtig!

Generalmajor Jared Sembritzki, Kommandeur der DSK, im Gespräch mit Michael Horst, Chefredakteur des „Hardthöhenkurier“. (Foto ©Bw/Ingmar Hötschel)
Generalmajor Jared Sembritzki, Kommandeur der DSK, im Gespräch mit Michael Horst, Chefredakteur des „Hardthöhenkurier“. (Foto ©Bw/Ingmar Hötschel)

Interview mit Generalmajor Jared Sembritzki, Kommandeur der Division Schnelle Kräfte (DSK)

Herr General, welches aktuelle dienstliche Thema hat für Sie zurzeit besondere Priorität?

Ich bin als Infanterist groß geworden und habe meine Führungsverwendungen alle in der Infanterie durchlaufen. Daher treibt mich als Divisionskommandeur die Zukunft der Infanterie um. Mit der Unterstellung der Gebirgsjägerbrigade 23 vor drei Jahren sind jetzt die leichten Kräfte der Infanterie alle in der DSK.

Da wir in der Division die zwei spezialisierten Infanteriebrigaden plus das Kommando Spezialkräfte sowie das Kommando Hubschrauber haben, stellt sich die
Frage: Wie stellen wir uns jetzt auf, um noch kriegstüchtiger zu werden? Der Begriff „Fight tonight“ gibtes ganz gut wieder. Wir sind schon kampf- und kriegstüchtig.
Jetzt zu sagen, da sind wir erst 2029, greift, glaube ich, zu kurz.

Daher stellt sich für mich die Frage, was mache ich jetzt? Welche Reformen, diese werden ja kommen, stehen bevor und wie sind wir aufgestellt, dass ich guten Gewissens sagen kann, wir erzielen die notwendige Abschreckung? Das Kriegsszenario, das wir vor 40 Jahren hatten, hat sich ja deutlich verändert. Wie passt da eigentlich meine Division rein? De facto hatte die Division bisher vor allem den Auftrag, Truppen zu stellen. Die Luftlandebrigade im Wesentlichen für humanitäre Einsätze nach Naturkatastrophen oder militärische Evakuierungsoperationen. Das Kommando Hubschrauber führe ich, aber de facto sind es die Hubschrauber des Deutschen Heeres. Das Kommando Spezialkräfte führe ich nicht taktisch. Diese werden in Operationen und Einsätzen anders geführt. Dieses Gebinde für die Zukunft unter den Bedingungen des personellen Aufwuchses vorzubereiten, das ist es, was mich dienstlich momentan am meisten bewegt

.Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat Ende April neue strategische Leitlinien für die Bundeswehr vorgestellt. Ergeben sich bereits daraus für Auftrag, Ausbildung und Fähigkeiten der DSK wesentliche Veränderungen?

Das ist das erste Mal, dass Deutschland eine Militärstrategie hat. Für mich ist der Kern, dass Russland als Bedrohung jetzt explizit genannt wird. Und damit ist auch klar, wogegen wir uns, wenn wir von Landes-und Bündnisverteidigung (LV/BV) sprechen, im Wesentlichen ausrichten.

Für die Division heißt das, dass parallel zu dem, was in der Militärstrategie und für die neue Führungsrolle Deutschlands gefordert wird, natürlich bestimmte Funktionen abgeleitet werden. Das ist einmal der Fokus auf die NATO-Ostflanke, aber es spielen weitere Aufträge, wie zum Beispiel militärische Evakuierungsoperation, eine Rolle. Die NATO beschreibt es mit dem „360-Grad-Approach“, für den meine Division im Deutschen Heer weiter verantwortlich ist. Also muss meine Division beides können. Ich gehe nicht zurück zum reinen Kriegseinsatz, sondern ich behalte Anteile, die eher im alten Einsatzszenario eingebunden sind.

Stichwort Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung: Wie steht es in Ihrem Verantwortungsbereich um die notwendigen Fähigkeiten, die materielle Ausstattung und die Durchhaltefähigkeit?

Die Fähigkeit zum Kampf haben wir nachgewiesen. Insbesondere die Truppenteile dieser Division haben auf taktischer Ebene bewiesen, dass sie kämpfen können. Aber ich sehe zuweilen eine Feldlagermentalität. Wir haben zwar mit Masse eine Generation, die in den Einsätzen groß geworden ist, aber jetzt immer mehr eine Generation, die die Einsätze nicht mehr erlebt hat. Wir müssen verstehen, dass das Leben und der Kampf in der Stellung die gewisse Bequemlichkeit eines Feldlagers nicht mehr haben. Das ist eine Einstellungsfrage. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir alle verstehen, dass ein Krieg gegen einen ebenbürtigen oder in Teilen vielleicht sogar überlegenen, weil kriegserfahrenen Gegner etwas mit dem System, mit der Führung und den Soldaten macht.

Materiell: Klar, es geht immer besser. Wir haben zwar noch Defizite, aber insgesamt, wenn ich jetzt in die beiden Infanteriebrigaden schaue, sind wir schon gut aufgestellt. Da gibt es Zuläufe, wenn man jetzt mal Richtung Nachfolger Wiesel guckt, die werden kommen Da sind jetzt noch nicht alle geschützten Fahrzeuge da, aber die sind ebenfalls im Zulauf. Das Kommando Spezialkräfte ist sowieso einsatzfähig, die weisen es ja nun schon lange nach. Beim Kommando Hubschrauber bin ich froh, dass jetzt der Leichte Kampfhubschrauber zuläuft. Die Modelle sind da, sodass wir jetzt einsteigen, um ihn möglichst schnell combat-ready zu bekommen. Aber bei Hubschraubern ist halt immer das Problem, dass aufgrund des hohen Wartungsaufwands nie ganz 100 Prozent Einsatzfähigkeit erreicht werden. Dazu kommt, dass der Kampfhubschrauber Tiger ausläuft. Das dauert noch ein bisschen, aber momentan ist er einsatzbereit. Zusammenfassend brauchen wir als Division noch ein paar Fähigkeiten im Bereich Logistik und Führungsfähigkeit. Also das Problem, das zurzeit alle Divisionen haben. Ich habe keine wirklichen Divisionstruppen, lediglich die Fernspähkompanie, die Stabs-/Fernmeldekompanie und eine Fernmeldekompanie. Da werden wir noch deutlich auch im Bereich Kampfunterstützung nachlegen.

Sind zeitnah Strukturanpassungen für die DSK geplant?

Sie verstehen, dass ich da zurzeit nichts sagen darf. Wir sind vor zwei Monaten im Führungskreis durch den Inspekteur des Heeres in die Grobstruktur eingewiesen worden. Da jetzt gerade die Feinstruktur erarbeitet wird, kann ich natürlich im Detail nichts dazu sagen. Aber ja, auch die DSK wird natürlich Anpassungen erfahren. Aber: Ich mache das seit 36 Jahren, und es ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass eine Struktur wieder nach oben geht. Es wird nicht geschrumpft, es werden keine Verbände aufgelöst, es werden keine Kasernen geschlossen, es werden keine Fähigkeiten reduziert. Im Gegenteil, das ist schon ein ganz deutliches Zeichen in die richtige Richtung.

Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 5/2026

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