Fachstrategie Landmobilität

Fachstrategie Landmobilität – Zusammenspiel geschützter und ungeschützter Fahrzeuge: Schützenpanzer Puma auf Schwerlasttransporter Mammut. (Foto © Bw/Marco Dorow)
Fachstrategie Landmobilität – Zusammenspiel geschützter und ungeschützter Fahrzeuge: Schützenpanzer Puma auf Schwerlasttransporter Mammut. (Foto © Bw/Marco Dorow)

Vom Anhänger bis zum Kampfpanzer

Rund 60.000 Fahrzeuge sind für die Bundeswehr unterwegs. Die Bandbreite der Typen und Verwendung ist enorm: vom Dienstwagen und Anhänger bis zum Kampfpanzer. Das Planungsamt der Bundeswehr leitet die „Ständige Arbeitsgruppe Landmobilität“, in der koordiniert wird, wie der Fuhrpark der Bundeswehr in der Zukunft aufgestellt sein muss.

Mehr als vier Jahre ist es her, dass Russland die Ukraine angegriffen hat und damit Europa zum Schauplatz eines heißen Krieges hat werden lassen. Nach einer kurzen Phase des Bewegungskrieges scheinen im seitdem vorherrschenden Stellungskrieg unbemannte Systeme das alles dominierende Mittel zu sein, sich auf dem Schlachtfeld durchzusetzen. Unbemannte Systeme, die fliegen und schwimmen, sich aber auch auf dem Boden bewegen und dort Wirkung entfalten.

Ist das also das Szenario, das die Zukunft prägt? Nur dann, wenn, bedingt durch eigene Unterlegenheit, der Stellungskrieg auf begrenztem Raum das Ziel ist. Wenn nicht, bleiben Feuer und Bewegung, also Mobilität, von großer Bedeutung. Deshalb verfügt die Bundeswehr schon jetzt, nach Jahrzehnten eines finanziellen Sparkurses, über einen Fahrzeugpark von über 60.000 Fahrzeugen: vom Anhänger bis zum Kampfpanzer.

Die neue Bedrohungslage im Osten schafft die Notwendigkeit, diesen Fahrzeugbestand zu vergrößern, und zwar zur Erreichung einer Vollausstattung bereits bestehender Verbände, zugleich auch zur Aufstellung neuer Truppenteile und zum Vorhalt von Umlauf- und Großgerätereserven. Gleichzeitig gilt es, die Zusammensetzung des Fahrzeugparks um unbemannte Systeme zu ergänzen und die Bedrohung durch Drohnen zu berücksichtigen.

Ständige Arbeitsgruppe Landmobilität (StAGLaMob) und Planungsamt

Grundlage der Fachstrategie Landmobilität der Bundeswehr ist ein 2024 ministeriell erlassenes Dokument, das „Konzept Landmobilität“. Zur darauf aufbauenden Gestaltung des Bundeswehr-Fahrzeugparks besteht seit 2014 die Ständige Arbeitsgruppe Landmobilität, kurz: StAGLaMob. In ihr arbeiten unter Leitung des Planungsamtes der Bundeswehr (PlgABw) Vertreter der Teilstreitkräfte (Heer, Luftwaffe, Marine und Cyber- und Informationsraum), des Unterstützungskommandos, des Operativen Führungskommandos sowie der Ressourcenämter Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Ausrüstung der Bundeswehr, Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr und Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr eng zusammen.

Dieser Mix unterschiedlicher Fahrzeuge schafft die Möglichkeit, passgenau die Bedürfnisse der Nutzer (Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr) zu erfüllen, und zwar so, dass auch der Aspekt der Wirtschaftlichkeit beachtet bleibt.

Die Fachaufsicht wird durch das Bundesministerium der Verteidigung ausgeübt. Nur das Planungsamt ist in seiner Rolle als zentraler Bedarfsträger der Bundeswehr in der Lage, mit der nötigen Fachexpertise und dem erforderlichen planerischen Blick in die Zukunft das „Konzept Landmobilität“ mit Leben zu füllen und die Fachstrategie Landmobilität stringent und bundeswehrgemeinsam umzusetzen.

Das System Landmobilität

Strategisch begreift die Bundeswehr ihre Landmobilität als System, das durch erhebliche Komplexität bei gleichzeitiger Offenheit und Dynamik geprägt ist: Erstens gliedert sich die Fahrzeugflotte der Bundeswehr in einen selbst beschafften und bewirtschafteten Kernbestand und einen weiteren Anteil, der über die bundeseigene BwFuhrparkService GmbH (BwFPS) bereitgestellt wird. Zweitens verfügen die Fahrzeuge über unterschiedliche Schutzniveaus gegen kinetische Wirkung, wobei die BwFPS lediglich ungeschützte Fahrzeuge betreibt. Drittens besteht die Gesamtflotte aus einem größeren, stückzahlorientierten Anteil an Fahrzeugen, die bestimmten Verbänden dauerhaft zugeordnet sind, und einem kleineren Anteil, der über die BwFPS temporären Mobilitätsbedarf decken kann. Viertens schließlich unterscheiden sich die Fahrzeuge in Bezug auf ihre militärische Spezialisierung, wodurch eine breite Spanne zwischen faktisch ziviler Handelsüblichkeit und gesondert entwickeltem, militärischem Spezialgerät entsteht, also von Gabelstaplern und Pkw auf der einen und Kampfpanzern auf der anderen Seite.

Bereit für die Zukunft

Fachstrategisch wichtig ist, die Fahrzeugflotte für sich verändernde Lagen zu ertüchtigen. Dazu gehört die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Kommunikationsmöglichkeiten im Rahmen des Großvorhabens „Digitalisierung landbasierte Operationen“. Erst die dadurch entstehende moderne Kommunikation ermöglicht es, Führung und Vernetzung als Grund-bedingung moderner Gefechtsführung sicherzustellen. Dazu kommt die taktisch sinnvolle Ausstattung der Flotte mit Waffenstationen, Wirkmitteln und Rüstsätzen für elektronische Gegenmaßnahmen. In diesem Zusammenhang stehen auch verschiedene Möglichkeiten zur Abwehr von Drohnen im Fokus.

Zur Wahrung von Flexibilität kommt es darauf an, Mobilität und Funktionalität möglichst zu trennen. Das bedeutet, auf baugleichen Plattformen über Rüst- und Einbausätze unterschiedliche Fähigkeiten zu generieren mit dem Vorteil, die logistisch nachteilige Typenvielfalt des Fahrzeugparks zu begrenzen. Und schließlich ist wichtig, Kraftstoff- und Versorgungsresilienz für eine Einsatzbereitschaft der Bundeswehr unter krisenhaften Bedingungen zu bewahren und herzustellen. Das beinhaltet konstruktive Maßnahmen, um normalerweise dieselgetriebene Fahrzeuge auch mit Flugbenzin betreiben und so die vorhandenen Kraftstoffreserven der NATO nutzen zu können. Wenn möglich, wird auch Elektroantrieb als eine Alternative genutzt. Dessen Einsatzmöglichkeiten sind allerdings bislang aufgrund der Größe und Kapazität von Batterien sowie der Notwendigkeit des Aufladens begrenzt. Das erlaubt eine Verwendung nur im Friedensbetrieb sowie in bestimmten Spezialszenarien, so zum Beispiel Aufklärung.

Von Oberstleutnant Dr. Claus Heinrich Gattermann, Planungsamt der Bundeswehr

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