Das Ende der Tarnkappe?

Ein Photon wird auf ein Objekt ausgesendet. (Foto © Geißler)
Ein Photon wird auf ein Objekt ausgesendet. (Foto © Geißler)

Wettlauf um das Quantenradar

Mithilfe der Stealth-Technologie sind Flugzeuge für das Radar praktisch unsichtbar. Doch dieses Prinzip könnte künftig ins Wanken geraten. Gelingt alsbald ein Durchbruch mit dieser Technologie, würde sich die militärische Balance verändern und selbst Tarnkappenflugzeuge sichtbar machen.

Seit Jahrzehnten gilt die Tarnkappentechnologie als einer der entscheidenden Vorteile moderner Luftstreitkräfte. Flugzeuge mit reduzierter Radarsignatur, sogenannte Stealth-Plattformen, wurden entwickelt, um möglichst spät oder im Idealfall gar nicht von gegnerischen Sensoren entdeckt zu werden. Konstruktion, Materialien und Oberflächengeometrie sorgen dafür, dass Radarwellen absorbiert oder so gestreut werden, dass nur ein minimales Rücksignal zum Sender zurückkehrt. Diese Fähigkeit verschafft Streitkräften einen entscheidenden taktischen Vorsprung.

Doch genau dieses Paradigma könnte künftig infrage gestellt werden. In Forschungslaboren auf der ganzen Welt arbeiten Wissenschaftler an einer Technologie, die das Prinzip klassischer Radaraufklärung grundlegend verändern könnte, dem Quantenradar. Während herkömmliche Systeme elektromagnetische Wellen aussenden und deren Reflexion auswerten, nutzen Quantenradarsysteme Effekte aus der Quantenphysik, um auch extrem schwache oder gestörte Signale aus dem Hintergrundrauschen herauszufiltern.

Noch handelt es sich überwiegend um experimentelle Systeme mit begrenzter Reichweite. Dennoch wächst weltweit das Interesse an dieser Technologie. Sollte ein funktionierendes Quantenradar mit militärisch relevanter Reichweite entstehen, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf das Kräftegleichgewicht im Bereich der Sensorik und Aufklärung.   

Radartechnik am Limit

Um zu verstehen, warum das Quantenradar als ein potenzieller Gamechanger gilt, lohnt ein Blick auf die Grenzen heutiger Radarsysteme. Klassische Radargeräte arbeiten nach einem relativ einfachen Prinzip, indem sie elektromagnetische Wellen aussenden, die von Objekten reflektiert werden. Das zurückkehrende Signal liefert Informationen über Entfernung, Geschwindigkeit und teilweise auch über Form und Größe des Ziels. Dieses Verfahren ist in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert worden. Moderne Radare nutzen ausgeklügelte Signalverarbeitung, adaptive Antennen-Arrays und unterschiedliche Frequenzbänder.

Der entscheidende Schwachpunkt dieses Verfahrens liegt jedoch im Signal-Rausch-Verhältnis. Je schwächer das reflektierte Signal ist, desto schwieriger wird es, dieses eindeutig vom natürlichen elektromagnetischen Hintergrundrauschen zu unterscheiden. Genau hier setzt die Stealth-Technologie an, indem sie die reflektierte Energie so stark reduziert, dass das Ziel für konventionelle Radarsysteme nur noch schwer oder gar nicht mehr erkennbar ist.

Neues Prinzip der Detektion

Quantenradare verfolgen jedoch einen grundsätzlich anderen Ansatz. Statt ausschließlich auf die Stärke eines zurückkehrenden Signals zu achten, nutzt es quantenmechanische Eigenschaften von Lichtteilchen, sogenannte Photonen. Besonders relevant ist dabei das Phänomen der Quantenverschränkung. Dabei entstehen zwei Photonen in einem gemeinsamen quantenmechanischen Zustand, der sie miteinander verbindet. Verändert sich eines der Teilchen, wirkt sich das unmittelbar auf das andere aus, selbst wenn beide räumlich getrennt sind.

In einem vereinfachten Modell eines Quantenradars wird ein Photon eines solchen verschränkten Paares ausgesendet, während sein Partner im System verbleibt. Trifft das ausgesendete Photon auf ein Objekt und wird zurückgestreut, kann das Radar die besonderen quantenmechanischen Korrelationen zwischen beiden Photonen auswerten. Dadurch wird es theoretisch möglich, selbst extrem schwache Rücksignale eindeutig vom Hintergrundrauschen zu unterscheiden.

Von Otto Geißler, Fachjournalist

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