Die ortsfesten logistischen Einrichtungen

Zur Lagerung von Munition werden viele Lagerhäuser und Flächen benötigt, wie dieser Blick in ein Munitionslager zeigt. (Foto ©Bw/Bernd Nollenberg)
Zur Lagerung von Munition werden viele Lagerhäuser und Flächen benötigt, wie dieser Blick in ein Munitionslager zeigt. (Foto ©Bw/Bernd Nollenberg)

Sachstand, Planung, aktuelle Weiterentwicklung

„Die Logistik beeinflusst alle Schlachten und entscheidet viele.“ Dieses historische Zitat wird General Dwight D. Eisenhower zugeschrieben, dem alliierten Oberbefehlshaber im Zweiten Weltkrieg in Europa und späterem US-amerikanischen Präsidenten (1953 bis 1961).

Neben vielen anderen Faktoren, die in die deutsche Niederlage 1945 mündeten, war es vor allem die massive materielle Überlegenheit der Alliierten, die spätestens ab dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 gegenüber dem ressourcenarmen Deutschen Reich im weiteren Kriegsverlauf immer deutlichere Auswirkungen auf Operationsplanung, Erfolg oder Misserfolg beider Seiten hatte. Anders gesagt: Logistik ist nicht alles, aber ohne Logistik ist alles nichts!

Die nach der russischen Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 ausgerufene Zeitenwende setzte eine deutliche Anpassung für die gesamte Bundeswehr in Gang. Diese erfordert unter anderem eine neue Ausrichtung für die logistische Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte und im Besonderen die Stärkung der Strukturen, Gliederung und Auftrag der ortsfesten logistischen Einrichtungen (olE) in Deutschland. Diese Einrichtungen sind dem Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven als Dienststellen des Logistikkommandos der Bundeswehr in Erfurt truppendienstlich und fachlich unmittelbar unterstellt.

In der derzeitigen Struktur gliedern sie sich in eigenständige Dienststellen, die deutschlandweit über verschiedene Standorte verteilt sind: Munitionsversorgungszentren,  Bundeswehrdepots, ortsfeste Instandhaltungseinrichtungen und das Materialwirtschaftszentrum Einsatz der Bundeswehr. Diesen Führungselementen sind die

  • Material-,
  • Spezialmaterial-,
  • Sanitätsmaterial-,
  • Munitions- und
  • Betriebsstofflager

regional zugeordnet.

Aufgrund vielfacher Struktur- und Standortentscheidungen, insbesondere ab den 2000er-Jahren, wurden diese Einrichtungen weitgehend durch singuläre Fähigkeiten, Reduzierung von Lagerflächen und eine starke Ausrichtung an wirtschaftlichen Aspekten gekennzeichnet.

Zeitenwende für die ortsfesten logistischen Einrichtungen

Eine ordnungsgemäße Lagerung und Bewirtschaftung von Munition und Material ist stets im Kontext Personal und Qualifikationen, Instandhaltung und Werkzeugsätze sowie bestimmter Infrastruktur zu sehen. So werden beispielsweise mehrteilige Radbaugruppen mit Notlaufelementen überwiegend im Materiallager Ochtrup (Nordrhein-Westfalen) demontiert, aufbereitet und neu gefertigt. Jede olE ist heute im Prinzip eine Unikatdienststelle mit exklusivem Artikelkreis und Fähigkeiten.

Parallel wurde die Vorratshaltung für den Verteidigungsfall ab den 2000er-Jahren zugunsten einer rein bedarfsorientierten Lagerhaltung deutlich zurückgefahren. Vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel und der Konzentration auf den geänderten Kernauftrag, Versorgung des Grundbetriebs und der Einsätze während des internationalen Krisenmanagements war dies viele Jahre auskömmlich.

Neben der ortsfesten logistischen Einrichtung gibt es viele weitere Leistungserbringer des sogenannten logistischen Netzwerks Inland, zum Beispiel bundeseigene Lager, Verfügbarkeitsverträge mit der Industrie (zum Beispiel für das Waffensystem Eurofighter) sowie weitere Inhouse-Gesellschaften, die ein Alleinstellungsmerkmal und eine zentrale Rolle zur Versorgung der Streitkräfte haben. Unbestritten ist, dass diese zivilen Leistungen vor dem Hintergrund vielfältiger Bedrohungen hinsichtlich Stärkung und Schutz ebenso neu gedacht und angepasst werden müssen.

Für die Fortentwicklung des Logistischen Systems der Bundeswehr beziehungsweise die Planung und Weiterentwicklung der ortsfesten Einrichtungen empfiehlt sich zunächst ein Blick in die Vergangenheit, um mögliche Ableitungen für eine zukünftige Ausgestaltung einer kriegstauglicheren olE zu treffen. Natürlich bestehen weder Notwendigkeit noch ausreichende Ressourcen, diese Strukturen eins zu eins wieder aufleben zu lassen, nichtsdestoweniger können damalige operative und logistische Überlegungen dennoch beispielgebend und wegweisend sein.

Von Autorenteam Logistikzentrum der Bundeswehr

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