Ein ganz besonderer Auftrag

Oberst Hans Gerisch stellte sich den Fragen von Burghard Lindhorst. (Foto Bw)
Oberst Hans Gerisch stellte sich den Fragen von Burghard Lindhorst. (Foto Bw)

Interview mit Oberst Hans Gerisch Kommandeur der Flugbereitschaft BMVg

Sehr geehrter Herr Oberst, was ist der Auftrag der Flugbereitschaft und was steht Ihnen dafür zur Verfügung?

Wir sind vom Grundsatz her ein militärischer Verband, haben aber den sehr spezialisierten Auftrag, hauptsächlich die Staatsvertreter und Regierungsmitglieder sowie einige andere VIPs zu fliegen. Hinzu kommen noch der klassische militärische Lufttransport, zum Beispiel der Transport insbesondere von Personal im Rahmen von Einsätzen und Übungen, aber auch die schnelle Rückholung Schutzbedürftiger im Ausland als auch MedEvac. Aber der Kernauftrag besteht natürlich darin, für die Staatsrepräsentanten und Mitglieder der Bundesregierung 24/7 da zu sein. Dafür haben wir eine umfangreiche Flotte mit unterschiedlichsten Luftfahrzeugmustern, insgesamt sind es 18 Luftfahrzeuge.

Sie reicht von der A350 über die Bombardier Global, die man als Business Jet kennt, bis hin zu den drei Hubschraubern, die wir von Berlin aus einsetzen. Die drei A350 sind für Langstreckenflüge, auch mit großen Delegationen, sozusagen unsere Air Force One. Für die Mittelstrecke, die aber auch schon Richtung längere Reichweiten gehen kann, haben wir die A319 und A321, unter anderem auch als Long Range. Für den Auftrag Open Sky im Rahmen des Vertrages über den Offenen Himmel (Open Sky) steht uns eine spezielle A319 als Plattform zur Verfügung. Und dann eben unsere sechs Bombardier Global, jeweils drei 5000er und drei 6000er. Sie sind für kleinere Delegationen, aber trotzdem auch für Langstrecken mit Reichweite bis nach Südamerika ausgelegt. Die brauchen nicht viel Ground Handling beziehungsweise Unterstützung am Boden und können bei Bedarf auch von kleineren Flugplätzen aus operieren.

Neben dem Betrieb von Luftfahrzeugen hat die Flugbereitschaft außerdem den Auftrag, am Standort BER das Regierungsterminal in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt zu betreiben und von dort wie auch von Köln aus 24/7 die taktische und strategische Mobilität des politisch-parlamentarischen Bereiches sicherzustellen.

(Fotos Bundeswehr)
(Fotos Bundeswehr)

Und wie sieht es mit dem Personal aus?

Insgesamt haben wir um die 1.200 Männer und Frauen, aufgeteilt auf die beiden Standorte, circa 200 in Berlin, die Masse natürlich in Köln. Das sind militärische wie auch zivile Mitarbeiter. Rund 500 bilden das fliegende Personal, weitere 500 gehören zur Technik. Der Rest ist Querschnittspersonal, zum Beispiel für administrative Aufgaben und vor allem für den Betrieb des Regierungsterminals am Standort BER.

Wo kommen die Piloten her?

Das ist sehr unterschiedlich. Sie kommen zum Teil aus den anderen Verbänden der Luftwaffe, aber eben auch direkt nach der Grundlagenschulung zu uns. Wie auch immer, wir müssen sie dann auf das Einsatzmuster schulen. Da haben wir die Besonderheit, dass wir kein Ausbildungsverband sind. Die Schulung auf die Einsatzmuster findet bei unseren industriellen Partnern statt, für Airbus bei Lufthansa, für die Global bei CAE. Nach dem Type Rating durchläuft man noch ein Line Training. Und dann bleibt man in der Regel auch auf diesem Luftfahrzeugtyp.

Da wir keine eigenen Ausbildungskapazitäten haben, versuchen wir, dass das Personal so lange wie möglich dieses Muster fliegt. Dies gilt auch, wenn es in eine Kommandobehörde oder in eine Amtsverwendung versetzt wird. Wir versuchen möglichst viele Piloten in Übung zu halten. Wir müssen flexibel sein, auch immer wieder darauf zugreifen können. Einsatzbereitschaft 24/7 bedeutet, viel Personal bereitzuhalten, um auch bei kurzfristigen Änderungen schnell reagieren zu können.

Wie ist die technische Unterstützung bei den verschiedenen Flugzeugmustern organisiert?

Die Technik läuft grundsätzlich nach den Regeln der DEMAR (Deutsche Military Airworthiness Requirements). Die Überwachung und das Management der technischen Einsatzbereitschaft, korrekt ausgedrückt „Lufttüchtigkeit“, unserer Flotte wird weitestgehend von der Lufthansa Technik mit einer sogenannten CAMO (Continuing Airworthiness Management Organisation) durchgeführt. Notwendige Instandhaltungsmaßnahmen an unseren Flugzeugen erledigen die von CAMO beauftragten Instandhaltungsbetriebe. Komplexe Instandsetzungen oder große Checks werden in der sogenannten Base Maintenance bei der Lufthansa Technik in Hamburg bearbeitet. Die täglichen Wartungsaufgaben, einfache Instandhaltungen bis hin zum Triebwerkswechsel und kleinere Checks bearbeitet die Flugbereitschaft hier in Köln selbst in der Line Maintenance. Dabei werden wir vor Ort zusätzlich durch ein kleineres Element der Lufthansa Technik unterstützt, welches seit Indienststellung der A350 eigene personelle Lücken schließt und uns beim Erfahrungsaufbau hilft.

In unserer Hubschrauberflotte arbeiten wir noch weitestgehend in einem Altverfahren. Auch hier arbeiten Industrie und Flugbereitschaft Hand in Hand.Mit Einführung der neuen H225-Flotte werden wir ebenso die technische Unterstützung nach den Regeln der DEMAR organisieren.

Wie ist die technische Unterstützung bei den verschiedenen  Flugzeugmustern organisiert? 

Die Technik läuft grundsätzlich nach den Regeln der  DEMAR (Deutsche Military Airworthiness Requirements). Die Überwachung  und das Management der technischen Einsatzbereitschaft,  korrekt ausgedrückt „Lufttüchtigkeit“, unserer Flotte wird  weitestgehend von der Lufthansa Technik mit einer sogenannten  CAMO (Continuing Airworthiness Management Organisation)  durchgeführt. Notwendige Instandhaltungsmaßnahmen an unseren  Flugzeugen erledigen die von CAMO beauftragten Instandhaltungsbetriebe.  Komplexe Instandsetzungen oder große Checks  werden in der sogenannten Base Maintenance bei der Lufthansa  Technik in Hamburg bearbeitet. Die täglichen Wartungsaufgaben,  einfache Instandhaltungen bis hin zum Triebwerkswechsel und kleinere  Checks bearbeitet die Flugbereitschaft hier in Köln selbst in  der Line Maintenance. Dabei werden wir vor Ort zusätzlich durch  ein kleineres Element der Lufthansa Technik unterstützt, welches  seit Indienststellung der A350 eigene personelle Lücken schließt  und uns beim Erfahrungsaufbau hilft.

In unserer Hubschrauberflotte arbeiten wir noch weitestgehend in  einem Altverfahren. Auch hier arbeiten Industrie und Flugbereitschaft  Hand in Hand. Mit Einführung der neuen H225-Flotte werden  wir ebenso die technische Unterstützung nach den Regeln  der DEMAR organisieren.

(Fotos Bundeswehr)
(Fotos Bundeswehr)

Langfristig soll die Flugbereitschaft komplett nach Berlin  umziehen. Was ist da der Sachstand? 

In Schönefeld sind bereits unsere drei Hubschrauber stationiert.  Diese Hubschrauber waren bis in den Herbst 2025 in Tegel stationiert  und sind bereits an den Hauptstadtflughafen BER innerhalb  kurzer Zeit bruchfrei umgezogen.

Ja, in der Zielstruktur soll alles, also die Anteile der Flugbereitschaft  aus Köln nach Berlin verlegt werden. Das macht durchaus  Sinn, weil von dort aus unser Hauptgeschäft stattfindet.  Aber es hängt natürlich von der Fertigstellung der Infrastruktur  ab. Wir benötigen die technischen Hallen, ein Abfertigungsgebäude  und vieles mehr. Da kann ich jetzt keine klare Jahreszahl  nennen. Verantwortlich hierfür ist die Bundesanstalt für  Immobilienaufgaben. Sobald die Infrastruktur steht, ziehen wir  um. Eine dauerhafte Vorweg-Stationierung einzelner Maschinen  erscheint vor allem aus den genannten infrastrukturellen  Gründen nicht sinnvoll.

Temporär erfolgt aber bereits heute die Vorverlegung einzelner  Luftfahrzeuge zur Sicherstellung des politisch-parlamentarischen  Flugbetriebes an unsere Deployed Operating Base (DOB)  am Regierungsterminal und auf die RAMP 1 im nördlichen Bereich  des Flughafens BER.

Läuft alles gut und normal, dann erfährt das niemand.  Wenn ein VIP aber irgendwo strandet oder erst gar nicht  abheben kann, gibt es sofort große Schlagzeilen. Wie gehen  Sie damit um? 

Wir haben ein sehr hohes Selbstverständnis von unserem Auftrag.  Jeder im Verband möchte, dass jede Mission erfolgreich  zu Ende geführt wird. Aufgrund unseres öffentlichkeitswirksamen  Auftrages sind wir natürlich auch ein Aushängeschild für  die Luftwaffe, die Bundeswehr und die Bundesrepublik Deutschland.  Unsere Einsätze sind komplex, global und unterliegen naturgemäß vielen Anpassungen. Hierzu arbeiten im Hintergrund  viele Bereiche der Flugbereitschaft zusammen, um diese auch  wirklich durchzuführen und erfolgreich umzusetzen.

Wir erleben es häufig, dass es sehr kurzfristige Aufträge gibt,  auch viele Änderungen. Dann müssen wir versuchen, alles so  schnell wie möglich umzusetzen, damit der Transport von A  nach B wie gewünscht stattfinden kann. Dafür braucht es gut  ausgebildetes und hoch motiviertes Personal. Das haben wir  Gott sei Dank und dem gilt auch mein großer Dank!

Wir führen natürlich auch Statistiken. Die zeigen klar, dass es  nur im unteren einstelligen Prozentsatz aller Missionen Probleme  gibt. Das sind manchmal technische Einschränkungen oder  vereinzelt Ausfälle, wie sie zivile Airlines im gleichen, zumeist  sogar größeren Umfang haben. Da stehen wir insgesamt gut  da. Es sind nur wenige Vorfälle, die diese Schlagzeilen machen.  Bei zivilen Airlines fällt dies eben nicht so auf, weil sie schneller  Ersatz stellen können. Das ist für uns mit der verhältnismäßig  kleinen Flotte nicht immer so einfach möglich.

Inwieweit ist die Flugbereitschaft ein besonderer Verband?

Die Flugbereitschaft ist zwar ein militärischer Verband, aber  eben nicht mit einem typischen militärischen Kernauftrag, sondern  mit überwiegend zivil gelagerten Aufgaben. Und die orientieren  sich stark an Zeitlinien. Ein Beispiel: Im militärischen Lufttransport  kann man eine Viertelstunde hin oder her irgendwo  auffangen. Im VIP-Geschäft kann eine Viertelstunde entscheidend  werden, wenn beispielsweise ein Staatsoberhaupt den  Bundespräsidenten oder Bundeskanzler mit protokollarischen  Ehren in Empfang nimmt.

Unser Anspruch und das Selbstverständnis sind ganz klar: Wir  wollen unseren Auftrag zu 100 Prozent on time erfüllen und zuverlässig  24/7 für unsere „Kunden“ in den verschiedenen Bundesämtern  und Ministerien da sein.

Ich bin sehr stolz darauf, was die Männer und Frauen leisten.  Die Flexibilität und Motivation, die hier an den Tag gelegt wird,  um die Missionen, die wir manchmal zeitkritisch bekommen,  erfolgreich umzusetzen, ist wirklich vorbildlich.

Besonders beeindruckend ist, dass über den politisch-parlamentarischen  Flugbetrieb hinaus wir auch jederzeit weltweit einsatzbereit  sind, wenn es um diplomatische Evakuierungsflüge /  Rückholungen von Orten geht, zu denen zivile Fluggesellschaften  aufgrund krisenhafter Entwicklungen womöglich schon nicht  mehr fliegen. Hier konnten wir mit unseren beiden grau lackierten  A321LR das Auswärtige Amt in den zurückliegenden Jahren  mit Missionen im Libanon und Sudan unterstützen. Diese beiden  Flugzeuge sind auch zur Unterstützung der Europäischen  Ausbildungsmission für die Ukraine (EUMAM) im Dauereinsatz.  Nach Ablauf meiner ersten 100 Tage im Amt kann ich auf jeden  Fall resümieren, dass dieser Verband nicht nur VIP-Missionen  zu den schönsten Destinationen der Welt fliegt und die taktische  und strategische Mobilität für den politisch-parlamentarischen  Bereich ermöglicht, sondern zusätzlich wichtige militärische  Beiträge zur Unterstützung der Verteidigung oder für das  internationale Krisenmanagement leistet.  Dafür an dieser Stelle meinen herzlichen Dank an alle Angehörigen  dieses einzigartigen Verbandes der Luftwaffe in der Bundeswehr.

Das Interview führte Burghard Lindhorst.

Den Beitrag lesen Sie im WTR AIR POWER.

 

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