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Wunstorf bleibt alleiniger A400M-Standort

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Planungen für die Multinationale Lufttransporteinheit in Lechfeld werden nicht weiter verfolgt
Von Burghard Lindhorst

Die 50 für den operativen Einsatz vorgesehenen Transportmaschinen A400M der Bundeswehr sollen ausschließlich in Wunstorf stationiert werden. Die Planungen für den Betrieb von zehn Flugzeugen im Rahmen einer Multinationalen Lufttransporteinheit (Multinational Air Transport Unit, MNAU) im Standort Untermeitigen auf dem Fliegerhorst Lechfeld werden nicht weiter verfolgt.

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A400M auf dem Fliegerhorst Wunstorf (Foto© Bw/Jane Schmidt)

Die ursprüngliche Absicht
Als Rahmennation innerhalb des Framework Nations Concept (FNC) der NATO war das BMVg seit 2018 im engen Austausch mit seinen internationalen Partnern, um die militärische Zusammenarbeit in Europa mit der Aufstellung einer Multinationalen Lufttransporteinheit (Multinational Air Transport Unit) zu stärken. Zielsetzung war es, unter Abstützung auf deutsche Luftfahrzeuge vom Typ A400M sowie ergänzt durch eine personelle Beteiligung anderer NATO/EU-Staaten, diese multinationale Einheit am Standort Untermeitingen zu stationieren und dazu den dortigen Flugplatz Lechfeld für den Betrieb dieser Luftfahrzeuge vorzubereiten.

Das Lufttransportgeschwader 62 hatte im November 2019 extra eine Informationsveranstaltung vor Ort durchgeführt. Dazu flog der damalige Kommodore, Oberst Ludger Bette, mit einer Delegation von Kommunalvertretern aus Wunstorf in einer A400M nach Lechfeld, um dort – in Anwesenheit des örtlichen Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz – die Bürgermeister an einem „runden Tisch“ über die Rahmenbedingungen der Stationierung, wie etwa dem Thema Fluglärm, zu informieren. Der Hardthöhenkurier durfte ebenfalls teilnehmen und hat darüber in seiner Ausgabe 12/2019 berichtet.

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Die Teilnehmer der Informationsveranstaltung in Lechfeld (Foto © Lindhorst)

Die Entscheidung
Aufgrund der Rückmeldungen der internationalen Partner, der strukturellen Rahmenbedingungen sowie der zunehmenden Erfahrungen im Betrieb des A400M hat das BMVg seine Planungen nunmehr angepasst. Im Ergebnis lassen sich die deutschen A400M durch eine Konzentration am Standort Wunstorf ressourcenschonender betreiben. Die Möglichkeit einer internationalen Beteiligung ist weiterhin gegeben. (siehe dazu das Schreiben von ParlSts Hitschler) Untermeitingen bleibt als Standort erhalten, auch wenn von der ursprünglich beabsichtigten Aufstellung der Multinational Air Transport Unit und der Planung für den Ausbau des Flugplatzes Lechfeld für einen dauerhaften Betrieb von Luftfahrzeugen des Typs A400M abgewichen wird. Der Flugplatz Lechfeld wird weiterhin als Ausweichflugplatz genutzt und soll für einen künftigen Betrieb von Luftfahrzeugen mitbetrachtet werden.

Wunstorf muss ausgebaut werden
Der Fliegerhorst Wunstorf ist für 40 A400M ausgelegt, was der ursprünglichen Planung für das Lufttransportgeschwader 62 entspricht. Die Bauarbeiten an den beiden Start- und Landebahnen sind abgeschlossen. Sie wurden verlängert, die Beläge sowie die Beleuchtungen erneuert. Die 08/26 ist jetzt 2499m lang und 45m breit. Die 21/03 hat eine Länge von 1699m bei einer Breite von 48m. Für jede Maschine ist ein Liegeplatz mit einem speziellen Senkelektrant vorhanden. Dieser ist im Boden versenkbar und versorgt das abgestellte Flugzeug mit Strom und Druckluft. Zudem ist er mit dem platzinternen Datennetz verbunden, um Daten an das und von dem Flugzeug zu übertragen. 

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40 Senkelektrante sind in Wunstorf verbaut (Foto ©Lindhorst)

Die 40 Säulen finden sich an folgenden Stellen:

  • 30x im Außenbereich, der Flight
  • 3x in der Wasch- und Wartungshalle
  • 4x in der Instandsetzungshalle
  • 2x im logistischen Sonderbereich Hot Cargo Place (HCP)
  • 1x in der Halle des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe, Abt. Nord, AusbGrp A400M

Derzeit sind 38 Maschinen ausgeliefert. Weitere zwei A400M werden noch 2022 erwartet. Auch wenn sich die Einsatzbereitschaft der Transportflugzeuge in den letzten Monaten verbessert hat, sind doch nie alle Maschinen am Platz. Ein Großteil wird immer zu periodischen Checks in der Industrie sein. Hinzu kommen natürlich die Abwesenheiten durch Flugaufträge, insbesondere für die Auslandseinsätze.

Zusätzlich zu den 50 Maschinen für das LTG 62 gehen zwei weitere A400M an die Wehrtechnische Dienststelle 61 und ein Flugzeug an das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe. Daraus ergibt sich die Gesamtzahl von 53 bei Airbus georderten A400M.  Airbus plant in unmittelbarer Anlehnung an den Fliegerhorst Wunstorf den Bau eines Wartungszentrums, in dem zukünftig acht sogenannte C-Checks pro Jahr durchgeführt werden. Jede A400M geht alle vier Jahre für drei Monate in diese detaillierte Inspektion der Flugzeugstruktur und der Systeme.

Die Kritik
MdB Durz (CSU) bewertet diese Entscheidung äußerst kritisch: „Der mangelnde strategische Weitblick dieser Entscheidung angesichts der aktuellen Lage ist verblüffend und in keiner Weise nachzuvollziehen.“
Wie aus dem Bericht des BMVg an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervorgeht, wurde die Entscheidung von Ministerin Lambrecht am 11. Februar getroffen – zwei Wochen vor dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. „Die Entscheidung passt überhaupt nicht mehr in die Zeit“, urteilt Durz. „Deshalb fordere ich gemeinsam mit der CSU-Landesgruppe im Bundestag Frau Lambrecht auf, dass sie diese Entscheidung zurücknimmt und das Projekt neu bewertet.“ Das Argument der Verteidigungsministerin, aus Kostengründen auf den zweiten A400M-Standort zu verzichten, sei kaum mit den Ankündigungen von Bundeskanzler Scholz zur Stärkung der Streitkräfte in Einklang zu bringen. Der operativ-taktische Vorteil einer A400M-Stationierung auf dem Lechfeld würde mehr denn je bestehen. Es sei seiner Meinung nach strategisch sinnvoll, nicht alle Maschinen des modernsten Transportflugzeuges der Luftwaffe an einem einzigen Standort zu konzentrieren. Für den Krisenfall müssten Redundanzen geschaffen werden. „Es ist offensichtlich, dass die Bundesregierung diese militärischen Erwägungsgründe nicht angemessen berücksichtig hat.“

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