Das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr und Fähigkeitsentwicklung Cyber- Informationsraum

Soldatinnen und Soldaten eines Audioteams im Einsatz schicken aus mobilen Studiokabinen die von ihnen produzierten Podcasts und Radiosendungen raus in den Äther. (Foto ©ZDigBw)
Soldatinnen und Soldaten eines Audioteams im Einsatz schicken aus mobilen Studiokabinen die von ihnen produzierten Podcasts und Radiosendungen raus in den Äther. (Foto ©ZDigBw)

Strategische Steuerung, technologische Umsetzung und operative Nähe

Stellen Sie sich vor, Sie müssten ein Unternehmen mit über 260.000 Mitarbeitern digitalisieren, während es sich weltweit im Einsatz befindet und gleichzeitig gegen Hackerangriffe verteidigen muss. Eine unmögliche Mission? Für das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr und Fähigkeitsentwicklung Cyber- und Informationsraum (ZDigBw) ist genau das der Auftrag.

Der Auftrag

Das ZDigBw mit dem Hauptsitz in Bonn sowie sechs weiteren deutschlandweit verteilten Standorten wurde 2022 aufgestellt und untersteht dem Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR). Es koordiniert die zentralen Digitalisierungsvorhaben der Streitkräfte und sorgt dafür, dass aus militärischen Anforderungen konkrete digitale Fähigkeiten entstehen, die im Einsatz genutzt werden. Gleichzeitig verbindet das Zentrum in der Rolle als zentraler Bedarfsträger für Informationstechnik, vergleichbar mit dem Planungsamt für die Nicht-IT-Projekte, die militärischen Organisationsbereiche, die Teilstreitkräfte, den Bedarfsdecker Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) sowie nationale und internationale Partner miteinander. Darüber hinaus verantwortet das ZDigBw die Fähigkeitsentwicklung der Teilstreitkraft CIR in den Bereichen

  • Militärisches Nachrichtenwesen
  • Elektronische Kampfführung sowie in der
  • Operativen Kommunikation.

Hier werden Innovation, Konzeption, Planung, Entwicklung und Integration sowie Nutzung zusammengeführt. Das Zentrum stellt außerdem eigene Fähigkeiten zur Softwareentwicklung und für Integrationsleistungen von IT-Services in das IT-System der Bundeswehr bereit.

Gliederung

Die Struktur folgt diesem umfangreichen Auftrag. Hierzu nimmt die Dienststelle zum 1. Oktober 2026 eine an diesen Auftrag angepasste Struktur ein. Die Abteilungen greifen dabei wie Zahnräder ineinander und verbinden strategisches Denken mit operativer und taktischer Umsetzung.

Die Abteilung I verantwortet den Grundbetrieb des Zentrums. Sie bildet das organisatorische Rückgrat der Dienststelle. Sie stellt Führung und Steuerung über die Themen der Führungsgrundgebiete sicher.

Die Abteilung II ist der Taktgeber der Digitalisierung. In der Abteilung schlägt das konzeptionelle Herz der Dimension CIR und darüber hinaus steuert sie die Aufgaben als zentraler Bedarfsträger des Teilportfolios Cyber- und Informationstechnik (CIT) für die gesamte Bundeswehr. Hier werden nicht nur Zielbilder entwickelt und Fähigkeiten der Teilstreitkraft CIR geschärft, sondern die Digitalisierung der Bundeswehr aktiv gesteuert. Indem die Abteilung militärische Anforderungen in präzise planerische Vorgaben übersetzt, schafft sie das Fundament für die Wirksamkeit von morgen. In der Praxis fungiert die Abteilung II als strategischer Taktgeber, der die komplexen digitalen Anforderungen aller militärischen Organisationsbereiche bündelt und mit der Expertise aus den Bereichen Anforderungsmanagement, Finanzplanung und IT-Bebauungsplanung in die Digitalisierungsplattform überführt. Durch moderne Architekturmethoden wird dabei sichergestellt, dass sich neue Lösungen nahtlos in die bestehende Systemlandschaft integrieren lassen. Zusätzlich nimmt die Abteilung die Rolle des Chief Information Officer wahr, wodurch die enge Verzahnung zwischen Informationstechnik und den klassischen Rüstungsprojekten sichergestellt wird. Dabei blickt das Team weit über den Tellerrand hinaus und vernetzt die Bundeswehr eng mit dem zivilen Innovationsökosystem, etwa durch die Kooperation mit dem Cyber Innovation Hub in Berlin, der Cyberagentur in Halle, das Forschungsinstitut CODE an der Universität der Bundeswehr in München und das neu gegründete Innovationszentrum in Erding. So wird sichergestellt, dass modernste Technologien aus der Start-up-Welt ihren Weg in die Truppe finden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Zukunftsfähigkeit im Cyber- und Informationsraum. Die Abteilung konzipiert und entwickelt die Fähigkeiten für

  • Cyberoperationen,
  • das Militärische Nachrichtenwesen,
  • den Elektronischen Kampf,
  • die Aufklärung sowie die
  • Operativen Kommunikation.

Dabei geht es nicht nur um deutsche Entwicklungen: Durch die aktive Mitgestaltung von NATO-Standards stellt die Abteilung sicher, dass unsere Systeme auf dem digitalen Gefechtsfeld nahtlos konzeptionell und technisch interoperabel mit denen unserer Partner sind.

Von der Sensortechnik in der Aufklärung bis hin zur hochkomplexen Sensor-to-Shooter-Kette begleitet die Abteilung II Rüstungsprojekte über ihren gesamten Lebenszyklus. Sie ist das Sprachrohr der Soldaten gegenüber der Beschaffungsseite und garantiert, dass die Technik im Einsatz genau das leistet, was die Truppe für ihre Auftragserfüllung benötigt. Kurzum: Hier wird das digitale Rückgrat geschmiedet, das die Bundeswehr im 21. Jahrhundert handlungsfähig hält.

Wie diese konzeptionelle Vorarbeit konkret Gestalt annimmt, zeigt sich an der Thematik hybride Kriegsführung und dem Projekt „Digitalisierung Operative Kommunikation“: Im 21. Jahrhundert ist Information selbst zum Gefechtsfeld geworden. Desinformation gehört zu den wirkungsvollsten Instrumenten moderner Konflikte. Mit gezielten Falschmeldungen, manipulierten Bildern oder KIgenerierten Videos versuchen Gegner, Gesellschaften zu destabilisieren und Vertrauen in staatliche Institutionen zu untergraben. Genau hier setzt die Operative Kommunikation der Bundeswehr an: Sie soll falsche Narrative entlarven und eigene, faktenbasierte Informationen schnell und wirksam verbreiten.

Ein mögliches Szenario: Ein Dorf wird überfallen, Menschen werden aus ihren Häusern gezerrt und verschleppt. Doch der Angreifer weiß nicht, dass sein Vorgehen dokumentiert wird. Kameras halten das Geschehen fest, Tonaufnahmen sichern Details. Minuten später werden die Aufnahmen veröffentlicht. Nicht als Propaganda, sondern als Beleg für das tatsächliche Geschehen im Einsatzraum. Möglich macht das ein Rüstungsprojekt mit dem Namen „Digitalisierung Operative Kommunikation“. Herzstück ist unter anderem ein mobiles, voll ausgestattetes audio-visuelles Rundfunkstudio in Containerbauweise. Dort lassen sich Videos schneiden, Live-Sendungen produzieren, Podcasts aufzeichnen oder Social-Media-Beiträge erstellen. Das Material kann unmittelbar veröffentlicht oder internationalen Medien zur Verfügung gestellt werden.

Autorenteam Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr

Den kompletten Beitrag lesen Sie im IT-Report 2026.

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