Zuversichtlich in die Zukunft: Umfangreiche Erweiterung und Modernisierung bei der WTD 41

Die WTD 41 in Trier ermöglicht der Bundeswehr das Testen von Fahrzeugen aller Art auf vielen Erprobungsbahnen und in Prüfeinrichtungen. (Foto © WTD 41)
Die WTD 41 in Trier ermöglicht der Bundeswehr das Testen von Fahrzeugen aller Art auf vielen Erprobungsbahnen und in Prüfeinrichtungen. (Foto © WTD 41)

„Innovation ist der Schlüssel für die Zukunft!“ Dies betont Direktor Jürgen Simon, Leiter der Wehrtechnischen Dienststelle für landgebundene Fahrzeugsysteme, Pionier- und Truppentechnik (WTD 41) in Trier.

Den rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt sich eine immense Aufgabenbreite. Die WTD 41 ist zum einen das technische Kompetenzzentrum:

  • auf dem Gebiet landgebundener Fahrzeugsysteme (Rad und Kettenfahrzeuge, Spezialfahrzeuge und Fahrzeuge mit unterschiedlichen Anbauten und Sonderaufbauten),
  • den zugehörigen Fahrzeugkomponenten (Antriebs- und Fahrwerkskomponenten,
  • elektrochemische Energiequellen und -speicher,
  • Kraftfahrzeugelektrik, Prüftechnik, Autonomes Fahren und Robotik) und
  • der mobilen elektrischen Energieversorgung.

Zum anderen ist sie das Technologiezentrum für den Bereich des Pionier- und Truppengerätes der Bundeswehr. Hierzu gehören

  • die Pioniermaschinen und -hilfsgeräte,
  • die Geräte der mechanisierten Kampfmittelaufklärung und -abwehr,
  • die militärischen Brücken und Übersetzmittel,
  • die Gebiete der Betriebsstoffversorgung mit Tankwagen,
  • Betriebsstofflagertechnik und Pipelinetechnik (beispielsweise mobiles Pipelinegerät für Betankungsstationen und Feldtanklagern) sowie die Unterbringung im Einsatz mit Systemen und
  • Komponenten der Feldlagertechnik und mobilen Sanitätseinrichtungen.

Die WTD 41 verfügt heute über sieben Liegenschaften. Vier davon sind dauerhaft bemannt. „In Trier bearbeiten wir die Fahrzeugtechnik und die entsprechenden Baugruppen“, erklärt Direktor Jürgen Simon. Hier gibt es künstlich hergestellte synthetische Erprobungsbahnen mit speziellen Oberflächenprofilen. Diese sind fest definiert, um vergleichbare, standardisierte Ergebnisse zu erzielen, aus denen man auch wissenschaftlich und statistisch belegbare Schlüsse zu belastenden Einflüssen auf die Fahrzeuge ziehen kann. Hinzu kommen Fahrkurse im Gelände mit unterschiedlicher Fahrbahn- und Bodenbeschaffenheit. Auch eine Auflaufversuchsanlage mit Eisenbahn-Gleisbettung ist vorhanden. Hier wird getestet, ob die Ladungssicherung von Fahrzeugen und eingerüsteten Containern den Rangierstoß aushält, wenn ein Waggon auf den anderen aufläuft.

In Koblenz steht auf den Außenplätzen im Stadtteil Rübenach die Bearbeitung von Pionier- und Truppentechnik mit all ihren Facetten im Mittelpunkt. Dort kann unter anderem auf einer Kippbühne die Schwerpunktlage von Fahrzeugen ermittelt werden. In einer Pipeline-Versuchsanlage mit zwei Kilometern Rohrlänge wird jede einzelne Pumpe, die in den Einsatz geht, überprüft. Da die Energieversorgung der Feldlager auf Treibstoff angewiesen ist, kann kein Risiko eingegangen werden. In Metternich steht ein Wasserplatz an der Mosel mit Hafenanlagen für die Erprobung schwimmenden Gerätes sowie für Brückenerprobungen zur Verfügung.  Neben dem Flugplatz Föhren bei Trier und dem Außenplatz auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ist besonders das Gelände in Saarlouis-Fraulautern zu nennen. „Dort haben wir extrem abrasiven Sand“, berichtet Simon. „Wenn man dort zum Beispiel Bremsanlagen untersucht, so tritt die Schädigung etwa viermal so stark ein wie bei einem Auslandseinsatz!“

Um die einzigartigen Fähigkeiten der Wehrtechnischen Dienststelle weiter auszubauen und sie nicht nur als Teil des BAAINBw, sondern sowohl für die wehrtechnische als auch die zivile fahrzeugbauende Industrie insgesamt auch in Zukunft attraktiv und leistungsfähig zu gestalten, sind in vielen Bereichen Verbesserungen der Prüfstände, Labore und Testeinrichtungen in Arbeit. Allerdings nicht immer im gleichen Tempo.

Der Multiaxiale Prüfstand

Dieser Ganzfahrzeugprüfstand, der im Februar 2023 seinen Betrieb aufgenommen hat, ergänzt die Testmöglichkeiten für Radfahrzeuge zusätzlich zu den synthetischen Bahnen und Rundkursen. „Durch seinen modularen Aufbau können auf dem Prüfstand entweder ein Vierachsfahrzeug oder zeitgleich zwei kleinere Zweiachser mit einem Gesamtgewicht von bis zu 45 Tonnen getestet werden“, erläutert der verantwortliche Prüfstandingenieur aus dem Geschäftsfeld 220 (Fahrwerke, Fahrwerkskomponenten, Bremssysteme).

Die Fahrzeuge werden zunächst im vorgelagerten Rüstbereich mit der notwendigen Messtechnik vorbereitet. Dann werden sie mithilfe von zwei in der Prüfstandhalle montierten Portalkränen auf das Prüffeld gehoben, das auf einem 18 x 12 Meter großen Spannfeld installiert ist. Das Schwingfundament, bestehend aus einem ca. 1.700 Tonnen schweren Betonklotz und dem darauf befindlichen Prüffeld, hat ein Gesamtgewicht von ca. 2.200 Tonnen und ist mit 88 Luftfedern vom Gebäude entkoppelt. Die Fahrzeuge stehen, je nach Prüfvariante, mit den Rädern auf den Prüfmaschinen (Straßensimulator) oder sind über sogenannte Radersatzträger direkt mit dem Prüfstand gekoppelt, um Kräfte und Momente in sechs Freiheitsgraden in das Fahrzeug einzuleiten. Die Prüfmaschinen arbeiten hydraulisch mit einem Druck von 280 bar und werden bei Bedarf mit einer Förderleistung von 5.000 Liter Öl pro Minute versorgt. Es können rein synthetische Signale ebenso wie bei realen Fahrversuchen gemessene Signale als Fahrstrecke auf dem Prüfstand in das Fahrzeug eingeleitet werden.

Von Wehrtechnische Dienststelle 41

Den kompletten Beitrag lesen Sie in Ausgabe 3/25 des HHK!

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