Auf der Eurosatory zeigte VINCORION gemeinsam mit dem Start-up ReactiveDynamics, wie das unbemannte Bodenfahrzeug RDX1 mit taktischen Energiesystemen geladen wird. Dazu Alexander Ackerman, Segmentleiter Power Systems bei VINCORION, im Interview über Energie als unterschätzten Faktor der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV).
Herr Ackerman, unbemannte Systeme dominieren aktuell die Debatte über moderne Landstreitkräfte. Warum haben Sie sich für das Thema Energie entschieden?
Es ist der eigentliche Engpass im Feld – und dennoch wird zu wenig darüber gesprochen. Die Ukraine zeigt, welchen taktischen Wert Aufklärungsdrohnen oder unbemannte Bodenfahrzeuge haben. Aber jedes dieser Systeme muss geladen werden, im Feld, unter Zeitdruck, unabhängig vom Stromnetz. Ohne verlässliche Energieversorgung bleibt die beste Plattform am Boden.
Auf der Eurosatory haben Sie das mit dem RDX1 von ReactiveDynamics demonstriert. Was war der Kerngedanke?
Wir wollten zeigen, dass unsere Systeme genau für solche Einsatzszenarien konzipiert sind. Das RDX1 ist ein schwarmfähiges, ferngesteuertes Bodenfahrzeug – geladen wird es mit unseren taktischen Energiesystemen PGM low emissionsV und ESM hybridV. Unsere PGM und ESM-Plattformen sind von Grund auf für genau solche zukunftsweisenden Szenarien konzipiert, ob Kommandostand, Sanitätsbereich oder eben die Versorgung autonomer Systeme.
Was steckt technisch dahinter?
Die Stromerzeugeraggregate PGM low emissionsV gibt es in den Leistungsklassen 20, 50 und 200 kW, kombinierbar zu über 1 MW Gesamtleistung. Die Energiespeichermodule ESM hybridV mit Lithium-Eisenphosphat- Batterien sichern die unterbrechungsfreie Stromversorgung und lassen sich flexibel speisen – vom Generator über das Stromnetz bis zu Photovoltaik und Brennstoffzellen. Genau diese intelligente Kombination mehrerer Energieträger ist der Kern: Wer nicht auf eine einzige Quelle angewiesen ist, reduziert die Verwundbarkeit seiner Nachschublinien erheblich.
Sie sprechen von Redundanz. Warum ist das gerade in der LV/BV so entscheidend?
Weil Durchhaltefähigkeit dort weit mehr bedeutet als Kraftstoff für Fahrzeuge. Gefechts- und Kommandostände, Kommunikations- und Überwachungstechnik, Sanitätsbereiche und zunehmend unbemannte Systeme benötigen Strom, der auch ohne Netzanschluss zuverlässig fließt – über Tage, nicht nur Stunden. Wer hier auf mehrere Energieträger zurückgreifen kann, bleibt handlungsfähig, selbst wenn eine Quelle ausfällt oder die Nachschublinie unterbrochen ist
Wie hängt das mit mobilen logistischen Kräften zusammen, die sich gerade im Wandel befinden?
Über unsere ModularGrid-Technologie lassen sich bis zu acht PGM- und ESM-Systeme parallel betreiben, gesteuert durch ein autonomes Energiemanagement. Das senkt Kraftstoffverbrauch, Emissionen und Personalaufwand zugleich – im Hybridbetrieb sparen wir bis zu 39 Prozent Kraftstoff gegenüber konventionellen Dieselsystemen. Das bedeutet weniger Nachschubfahrten und weniger gebundene Transportkapazität – ein direkter Beitrag zur logistischen Durchhaltefähigkeit.
Ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang oft fällt, ist SENTINEL.
Richtig, das ist unser Beitrag zur europäischen Dimension des Themas. VINCORION ist an diesem vom Europäischen Verteidigungsfonds geförderten Projekt beteiligt, gemeinsam mit 42 Partnern aus 16 Ländern. Ziel ist eine Energieversorgung, die Streitkräfte unabhängiger von fossilen Brennstoffen macht – ein Baustein für die maximale Erhöhung der materiellen Einsatzbereitschaft.
Und wenn die Systeme im Feld extremen Bedingungen ausgesetzt sind?
Unsere Systeme sind militärisch gehärtet und für Betriebstemperaturen von -32 °C bis +55 °C ausgelegt, sie erfüllen zudem die NATO Single Fuel Policy. Und sie sind dual-use-fähig, also auch für zivile Organisationen wie THW oder Feuerwehr im Krisenfall nutzbar.
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Alexander Ackerman
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