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Veteranen zum Anfassen

 Vereint im Gedenken am Wald der Erinnerung. (Foto © BDV e. V.)
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Zu seinem mittlerweile achten Veteranenwochenende lud der Bund Deutscher Einsatzveteranen (BDV) e. V. Mitglieder und Besucher am 10. und 11. Mai nach Berlin ein. Unter dem Motto „Veteranen zum Anfassen“ präsentierte sich der Verband mit Gedenkveranstaltungen, einer Buchlesung und Austausch bei Essen und Musik.

„Zusammen mit der Unterstützung anderer haben wir Deutschland verändert“, sagte der Bundesvorsitzende Bernhard Drescher bei der Hauptveranstaltung in der Spandauer „Villa Schützenhof“. Vor zehn Jahren habe man noch Mahnwachen mit einer Handvoll engagierter Soldaten abgehalten. „Der 25.4. im Bundestag war dann ein historischer Moment für die Veteranen“, so Drescher mit Bezug auf den Parlamentsbeschluss zur Einführung eines offiziellen Veteranen-Gedenktages am 15. Juni jeden Jahres. „Wir müssen aber ganzjährig dafür sorgen, dass das in die Öffentlichkeit transportiert wird.“

Unterstützung für die Anliegen der Veteranen drückten auch der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Oberstleutnant Marcel Bohnert, sowie in einer Videobotschaft der Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant André Bohnert, aus. Im Mittelpunkt des Freitags stand die Lesung aus dem Buch „1638 Tage im Krieg – Die Kehrseite der Einsatzmedaille“ von Hauptmann a. D. Hagen Vockerodt.

1638 Tage im Einsatz: Hauptmann a. D. Hagen Vockerodt las aus seinem Buch. (Foto © Boes)

1638 ist dabei die Zahl der Tage, die Vockerodt zwischen 1999 und 2015 in zehn Auslandseinsätzen verbrachte – mehrmals im Kosovo und Afghanistan, aber auch bei der Tsunami-Hilfe in Bandar Aceh 2004. Als Sanitätsunteroffizier und später -fachdienstoffizier war er von Anfang an besonders mit dem Grauen des Krieges konfrontiert. So bei der Bergung von Leichen nach den Gräueltaten im Kosovo gleich beim ersten Einsatz in Prizren oder beim Anschlag auf einen Kontrollpunkt an einer Brücke in Mitrovica.

2023 schied Vockerodt nach einem Dienstunfähigkeitsverfahren aus der Bundeswehr aus. „Meine Frau, selbst Oberfeldärztin, hatte mir irgendwann knallhart gesagt: Wenn Du jetzt nicht zur Therapie gehst, schmeiße ich dich raus.“ Wie viele Einsatzveteranen mit posttraumatischer Belastungsstörung litt Vockerodt zunehmend unter Schlafmangel und Problemen im sozialen Umfeld. „Mein Buch ist meine Traumatherapie“, meinte er und appellierte an Kameraden mit den gleichen Erfahrungen: „Erzählt, öffnet euch.“ Ein Höhepunkt sei auch die Teilnahme an den Invictus Games in Den Haag 2022 gewesen.

Mittlerweile bezeichnet der Vater von vier Kindern sich als stabil und studiert betriebliches Gesundheitsmanagement. Der Freitag klang mit Bier und Barbecue bei Musik von Jesse Cole aus. Der gebürtige Westberliner engagiert sich seit Jahren in der Veteranenarbeit und hat unter anderem für deutsche Truppen in Afghanistan und im Irak gespielt. Neben anderen Organisationen wie dem Motorradclub Recondo Vets nahmen auch ukrainische Veteranen und Kriegsversehrte am Austausch teil.

Die Recondo Vets organisierten zudem weitere Veranstaltungen im Rahmen des Veteranenwochenendes wie eine Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr beim Berliner Bendlerblock. Am Samstag veranstaltete der BDV am Sitz des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Schwielowsee einen Marsch zum Wald der Erinnerung mit einer weiteren Kranzniederlegung am Ehrenhain und Gedenken an die im Einsatz Gefallenen.

Von Stefan Axel Boes

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